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Die Reihe „Tipps für angehende
Autoren“ von Klaus N. Frick erschien
in der Sol, dem Magazin der Perry Rhodan –
Fanzentrale. Veröffentlichung mit freundlicher
Genehmigung von Klaus Bollhöfener und
Klaus N. Frick.
Einige Tips für angehende Autoren
– Teil 1
Bei den Vorarbeiten für die PERRY
RHODAN-Fan-Edition hat sich eines gezeigt:
Häufig haben junge Autoren einige
ganz spezifische Defizite. Das hat nichts
damit zu tun, ob diese Autoren gut oder
schlecht schreiben, ob sie gute oder schlechte
Ideen haben – es hängt häufig
mit rein handwerklichen Fertigkeiten zusammen.
Deshalb hat sich an der Bundesakademie
für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel
längst eine Art »Schreibschule«
für Autoren etabliert, und deshalb
wollen wir in der SOL künftig immer
wieder Tips geben.
Generell gilt für die folgende Texte,
daß sie natürlich für
Autoren gedacht sind, die beispielsweise
PERRY RHODAN-Fan-Romane verfassen möchten.
Für PERRY RHODAN gelten teilweise
andere »Gesetze« als für
allgemeine Science Fiction.
Für alle Arten von Literatur gilt
aber eines: Wird ein Manuskript eingereicht,
in dem es von Rechtschreibfehlern wimmelt,
in dem die Zeitenfolge nie stimmt und
der Autor ständig zeigt, daß
er mit der deutschen Grammatik auf Kriegsfuß
steht, hat dieses Manuskript im Normalfall
nicht die ge-ringste Chance. Kein Lektor
beschäftigt sich mit einem solchen
Manuskript intensiv – schließlich
muß er davon ausgehen, daß
der Autor keine
Ahnung von der Schriftstellerei hat. So
kann die beste Idee versanden ...
Die Idee
Und die Idee ist bei vielen Romanen das
größte Problem. Viele Fan-Autoren
versuchen mit aller Gewalt, hochkomplizierte
Ideen zu entwickeln und diese dann zu
präsentieren. Kein Witz: Das ist
der absolut falsche Weg! Eine gute Idee
muß sich notfalls in wenigen Worten
erklären lassen – alles andere
ist Beiwerk. Ob das nun das Aussehen der
Helden sind, die Kosmokraten, die Superintelli-genzen
oder die Raumschiffe.
Die Idee einer guten Science-Fiction-Geschichte,
die zudem im PERRY RHODAN-Universum spielt,
muß klar ersichtlich sein –
und die Lösung der SF-Idee muß
logischerweise auch mit Science-Fiction-Mitteln
geschehen. Wer beispielsweise in seinem
Roman einen Planeten mit allerlei ori-ginellen
Strukturen schildert, tut gut daran, die
Lösung des Problems aus dem planetaren
Konzept abzuleiten.
Eine gute Idee heißt nicht, daß
sich der Autor hinsetzt und krampfhaft
darüber nachdenkt, wie er das komplette
PERRY RHODAN-Universum in einen einzigen
Roman einarbeitet. An diesem Problem sind
schon andere Autoren gescheitert. Eine
gute Idee kann bedeuten, daß man
sich das PERRY RHODAN-Universum als eine
riesengroße Spielwiese vorstellt,
aus dieser Spielwiese ein Element herausnimmt
und daraus seine Story entwickelt. Das
Element kann eine Person ebenso sein wie
ein Raumschiff, ein Planet oder ein Volk.
Es geht nicht darum, »offene Fäden«
der PERRY RHODAN-Geschichte zu einem Abschluß
zu bringen, frei nach dem Motto »was
ist denn eigentlich in Gruelfin los, und
was machen die Cappins eigentlich?«.
Vielmehr geht es darum, eine Handlung
zu entwickeln, die Grundelemente der PERRY
RHODAN-Geschichte aufnimmt, sie neu variiert
und mit eigenen Ideen anreichert. Das
hat nichts mit exakter Recherche (die
natürlich nichts schadet) zu tun,
und noch viel weniger etwas mit Faktenhuberei.
Der Konflikt
Jeder gute Roman hat als Kernthema einen
Konflikt. Das gilt für SF natürlich
ebenso, und für PERRY RHODAN als
Teil der Science Fiction erst recht. Darüber
muß sich der Autor vorher konse-quent
Gedanken machen – auch deshalb,
weil die Lösung des Konflikts logischerweise
der Höhe-punkt seines Romans sein
sollte, auf den die Handlung zuzusteuern
hat. (Das heißt jetzt nicht, daß
sich alles auf den letzten Seiten ballen
muß, nein, nein!)
Der Konflikt muß zu Beginn des Romans
entstehen oder schon vorhanden sein, er
muß im Laufe des Romans eskalieren
und sich weiter steigern, und er muß
sich zu Ende des Romans lösen oder
beenden. Sonst macht der Roman keinen
Sinn.
Konflikt kann vieles sein; es geht hier
nicht darum, den Begriff »Konflikt«
auf eine kriegerische Auseinandersetzung
etwa in Form einer Raumschlacht zu reduzieren.
Diese Art Konflikt ist höchstens
ein Beiwerk. Konflikte entstehen zwischen
Menschen (oder Außerirdischen, logo),
sie verfügen über klare Grundlagen,
beispielsweise aus dem kulturellen Hintergrund,
und sie können sehr viel mit Gefühlen
zu tun haben. Das Exposé
Zu viele Details schaden einem Exposé
nur. Es ist nicht nötig, die Maße
der Raumschiffe und das Aussehen der Hauptpersonen
aufzulisten. Viel wichtiger ist, der Redaktion
eine klare Darstellung dessen zu geben,
was der Autor vorhat. Und diese Darstellung
sollte auf zwei bis drei Seiten entwickelt
werden.
Hier ist wieder der Konflikt wichtig.
Aus dem Exposé muß klar hervorgehen,
was die Grundlage für die Handlung
ist, wie sich diese weiterentwickelt und
wie sie auf den Höhepunkt zusteuert.
Wo steckt der Konflikt für den Helden
und die anderen Beteiligten? Wie wird
der Konflikt gelöst?
Klaus N. Frick
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Einige
Tips für angehende Autoren –
Teil 2
Nach dem wir im ersten Teil dieser Reihe
darauf hingewiesen haben, was grundsätzlich
zu beachten ist, bevor man sich an die
Ausarbeitung einer Idee oder eines Exposés
macht, geht es diesmal erneut um etwas
sehr grundsätzlich, um einen allgemeinen
Standard nämlich. Dieser ist auch
sehr wichtig ...
Natürlich ist bei dieser Folge der
Autoren-Tips etwas ganz wichtiges zu beachten:
Jede Regel hat ihre Ausnahme – je
berühmter und beliebter ein Autor,
desto größer sind die Ausnahmen
von der Regel, die er sich erlauben kann.
Wer allerdings startet, tut gut daran,
sich an prinzipielle Regeln zu halten,
die in der Branche üblich sind.
Die Vorgeschichte
Ich werde nie vergessen, wie ich 1983
in Bergisch-Gladbach saß, auf einer
Science-Fiction-Veranstaltung des Bastei-Lübbe-Verlags.
Neben mir saß eine junge blonde
Frau, die mir erzählte, sie habe
bereits erste Fantasy-Romane geschrieben,
von denen einer auch bald bei Heyne erscheinen
würde. Ich selbst hatte damals die
ersten Geschichten publiziert, träumte
von einer Schriftsteller-Karriere. Und
auf dem Podium saß ein Mann mit
Vollbart, der uns einige Illusionen raubte.
Die junge blonde Frau heißt Uschi
Zietsch und schreibt heute unter dem Pseudonym
Susan Schwartz unter anderem PERRY RHODAN-Romane;
was aus mir wurde, ist bekannt; der Mann
mit Bart heißt Ronald M. Hahn, ist
Übersetzer, Herausgeber, Autor und
ein absoluter Kenner des phantastischen
Genres.
Und er erzählte uns die Geschichte
von dem unglaublich begabten jungen Autor,
der ein unglaub-lich gutes Manuskript
geschrieben hat. Dieses Manuskript hat
der junge Autor natürlich –
damals war das so üblich –
mit der Schreibmaschine erstellt. Um Platz
zu sparen, hat er jedes Blatt auf beiden
Seiten beschrieben, und zwar von links
oben nach rechts unten, ohne einen größeren
Rand zu lassen. »Natürlich«
hat er auf Seitenzahlen und jeglichen
anderen Luxus verzichtet, er hat es ebenso
»selbstverständlich«
auch nicht geheftet.
Das Wunder geschieht: Das Manuskript kommt
zum richtigen Zeitpunkt in die richtige
Abteilung des richtigen Verlage, wird
dort sogar von einer Sekretärin geöffnet
und dann von dieser in das Zimmer des
betreffenden Redakteurs oder der betreffenden
Redakteurin getragen. Leider hören
die Wunder jetzt auf: Die Dame stolpert,
das Manuskript fällt auf den Boden,
Kaffee läuft darüber, und es
ist völlig unbrauchbar. »Natürlich«
ist auf dem Manuskript auch keine Adresse
angegeben. Was geschieht, ist klar: Das
Manuskript wandert in den Müll (heute
immerhin in den Papiercontainer). Und
einer der besten Science-Fiction-Romane
aller Zeiten bleibt unveröffentlicht,
ein unglaublich guter Autor wird nie bekannt.
Was lernen wir daraus? Erstens, daß
Ronald M. Hahn so gute Geschichten zu
erzählen weiß, daß man
sich auch über fünfzehn Jahre
danach noch an sie erinnert. Und zweitens,
daß es sehr sinnvoll ist, gewisse
Regeln einzuhalten. Das
Manuskript
Dazu gehört die Manuskript-Norm.
Eine sogenannte Standard-Seite wird mit
einer Standard-Schrift mit großzügigem
»Durchschuß« beschrieben
(früher war das eben die Schreibmaschine,
die auf »zweizeilig« eingestellt
wurde). Auf diese Weise kommen exakt 30
Zeilen auf ein Blatt Papier – und
in jeder Zeile sind rund 60 »Anschläge«.
Es können ebenso 58 oder 62 sein,
letztlich kommt es auf die durchschnittliche
Anzahl an. Ein Anschlag ist beispielsweise
ein Buchstabe, aber auch ein Satzzeichen
und ein Leerzeichen gehören zu dieser
Familie. Wer es geschickt macht, sorgt
dafür, daß links ein breiterer
Rand ist als rechts – dann kann
das Manuskript besser zusammengeheftet
werden. Es versteht sich von selbst, daß
ein Blatt Papier nur von einer Seite aus
beschrieben wird.
Der Grund für diese Norm liegt auf
der Hand: Auf einen Blick kann ein Redakteur
sehen, wie lange eine Geschichte oder
ein Roman ist. Okay, im Zeitalter des
Computers und der Diskette kann man das
auch ausrechnen lassen (so geschieht das
in der PERRY RHODAN-Redaktion); aber die
prinzipiellen Regeln sind dieselben wie
früher. Vor allem kann der Redakteur
(oder die Redakteurin) bei einer solchen
Manuskript-Form in den Texten sehr rasch
seine Anmerkungen anbringen, die einerseits
für ihn und anderseits für den
Autoren oder den Bearbeiter bestimmt sind.
Auf dem Manuskript steht bitteschön
auf der ersten Seite irgendwo der Name
des Autors und ein Titel. Und schön
wäre es, wenn es auf der letzten
Seite auch eine Adresse geben könnte.
Begleitbrief hin, Begleitschreiben her
– so etwas geht ebenso leicht verloren
wie ein Briefumschlag. Sicher ist immer
sicher! Relativ dünne Manuskripte
können geheftet oder »getackert«
werden; bei einem Roman-Manuskript empfehle
ich einen Schnellhefter. Das sieht nicht
nur gut aus, das schützt auch noch
das Manuskript gegen irgendwelche Transportschäden.
So ist zumindest die Chance gegeben, daß
das Manuskript von einem Verlagsmitarbeiter
angesehen wird ...
Verstehe das keiner falsch: Das sind keine
Schikanen. Aber üblicherweise bekommt
ein Verlag jede Woche einige Stapel von
sogenannten unverlangt eingeschickten
Manuskripten. Ein kluger Verlagsmitarbeiter
nimmt sich stets die Zeit für diese
Texte – es könnte sich ja der
neue Hemingway, der neue Böll oder
eben (in PERRY RHODAN-Kreisen) der nächste
Voltz dahinter verbergen. Wenn ein Text
allerdings völlig leser-unfreundlich
gestaltet wird, sinkt die Bereitschaft
der Redaktion sehr schnell, sich intensiv
mit dem Gebotenen auseinanderzusetzen.
Klingt doch logisch, oder? Sonstiges
...
Fehlt noch was?
Ja, der Brief, das Exposé und der
Anfang. Ich will’s in der Folge
sehr kurz machen.
Es sollte selbstständlich ein Begleitbrief
mitgeschickt werden. Der braucht nicht
lang zu sein und kann auf den Versuch
verzichten, sich bei der Redaktion »einzuschleimen«.
Kurz und knapp und höflich. Es kann
nicht schaden, einen Brief mit höflicher
Anrede zu beginnen. Kein Witz! Wir be-kamen
schon Manuskripte ohne Anschreiben, oder
es gab Briefe ohne Anrede und ohne Adresse.
Manchmal fragt man sich da ja schon ...
Wenn es sich um einen längeren Text
handelt, ist ein kleines Exposé
nicht schlecht: Auf zwei Seiten sollte
hier der Roman oder die Erzählung
skizziert werden. Das ist zwar keine Pflicht,
hilft aber durchaus. Wenn sich das Exposé
allerdings schon völlig ideenlos
liest, hat der Redakteur nicht viel Lust,
sich durch 400 Seiten Roman zu kämpfen!
Das gilt übrigens auch für den
Einstieg in den Roman. Ist der Anfang
eines Textes gleich schlecht oder langweilig,
liest kein Mensch weiter. Und prasseln
gleich im ersten Absatz die »deutsch-technischen«
Fehler auf einen Leser herunter, hat der
erst recht keine Lust. Um’s fies
zu sagen: Wenn ich im dritten Satz einer
Geschichte schon einen schmerzhaften Rechtschreibfehler
sehe, lege ich das Manuskript zur Seite.
Ich muß nämlich davon ausgehen,
daß ein Autor, der bei solchen Kleinigkeiten
versagt, auch nicht in der Lage ist, einen
längeren Text zu meistern.
Und es wäre doch schade, wenn ein
epochales Werk nur wegen solcher Kleinigkeiten
nicht gedruckt würde. Oder?
Klaus N. Frick
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Einige Tips für angehende
Autoren – Teil 3
Eigentlich ist das mit
dem Schreiben doch ganz einfach: Man setzt
sich an einen Tisch, nimmt sich einen
Block Papier und einen Stift und schreibt
los. Okay, neuerdings nimmt unsereins
einen Computer zu Hilfe – der eigentliche
Vorgang des Schreibens ist aber nach wie
vor primitiv. Woran liegt es dann, daß
so viele Autoren nicht über das Stadium
des weißen Blattes Papier oder des
hilflos vor sich hinflimmernden Bildschirms
am Computer hinauskommen?
Seien wir ehrlich: Oft liegt es daran,
daß sich angehende Autoren nicht
so richtig klar werden, wor-über
sie schreiben wollen. Im Rahmen eines
Autoren-Workshops während der Science-Fiction-Tage
NRW in Dortmund im Frühjahr dieses
Jahres fragte ich die Hobby-Autorinnen
und -Autoren nach ihren spezifischen Problemen.
Genannt wurde beispielsweise: »Ich
weiß nicht so richtig mit meiner
Hauptfigur umzugehen.« Oder eben:
»Mir ist nicht so richtig klar,
wo meine Geschichte hingehen soll.«
Beide Probleme lassen sich leicht in den
Griff bekommen, wenn man sich dafür
ein bißchen auf den Hintern setzt.
Das Datenblatt
Machen wir uns eines klar: Von einer glaubwürdigen
Hauptperson hängt unter anderem der
Verlauf der ganzen Geschichte ab. Glaubwürdig
kann diese Hauptperson aber nur sein,
wenn ich als Autor mehr über meinen
Helden weiß als mein Leser. Nur
dann kann ich schließlich meinen
Leser mit Wendungen meines Helden überzeugen
– weiß der Leser gleich auf
der ersten Seite alles über mei-nen
Helden, kann das ganz schön langweilig
sein.
Was mache ich also als erstes? Ich lege
mir eine Art Datenblatt für meinen
Helden zu. Das geht heute mit dem Computer
ganz gut, kann aber auch ganz altmodisch
mit einem Blatt Papier geschehen. Wieviel
ich auf dem Blatt notiere, hängt
allerdings von den Erfordernissen der
Geschichte ab. Für eine zwei Seiten
umfassende Kurzgeschichten brauche ich
sicher weniger Details als für einen
400seitigen Roman. Der
Name
Wie heißt unser Held beispielsweise?
Ein Name ist natürlich völlig
gleichgültig, und im PERRY RHODAN-Zeitalter
des 49. Jahrhunderts kann jeder Name so
gut funktionieren wie der andere. Völlig
klar. Nur ist mein Held nur dann für
den Leser präsent, wenn er einen
guten Namen hat, ei-nen Namen, den sich
mein Leser merken kann. Das ist im übrigen
eh das wichtigste: Ich will, daß
mein Leser bei der Stange bleibt und er
es bei der Lektüre so einfach wie
möglich hat. Dafür muß
ich ihm nicht unbedingt mit einem möglichst
komplizierten Namen zusätzlich beschäftigen.
Perry Rhodan beispielsweise ist ein hervorragender
Name, Atlan sowieso. Bei der Konkurrenz
ist wohl Luke Skywalker ungeschlagen.
Das kann sich jeder merken, dieser Name
schwingt gewisser-maßen im Leser
oder Zuschauer nach. Ganz langweilig sollte
der Name vielleicht auch nicht gerade
sein. »Peter Müller«
kann funktionieren, ist bei einer SF-Geschichte
aber nicht unbedingt das spannendste.
Vermeiden sollte man übrigens Namen,
die mit »s« oder ähnlich
lautenden Buchstaben enden. Es sieht immer
blöde aus, wenn der Held beispielsweise
»Maas« heißt und in
einem Roman immer von »Maas‘
Gleiter« oder »Maas‘
Anzug« die Rede ist. Dann doch lieber
»Maar«, um einfach einen anderen
Buchstaben ans Ende zu setzen.
Ihr seht schon, daß der Name mal
gar nicht so unwichtig ist. Da darf der
Autor ruhig mal die eine oder andere Minute
investieren. Dann paßt das auch
viel besser und wirkt nicht ganz so beliebig.
Nur Mut! Das Aussehen
Wenn es für den Fortgang der Geschichte
nicht unbedingt nötig ist, muß
das Aussehen des Helden keine Rolle spielen.
Der Autor aber sollte sehr genau wissen,
wie sein Held aussieht: Haarfarbe, Augenfarbe,
die Körpergröße und andere
Details sind interessant und können
eine Geschichte immer wieder lebendig
gestalten.
Ist unser Held nämlich durchschnittlich
groß, also um die 1,80 Meter, dann
muß er zu einem Haluter oder Ertruser
aufschauen. Zu einem Überschweren
schaut er hinunter – aus solchen
Anmerkungen lassen sich unter Umständen
hübsche Charakterisierungen erarbeiten.
Um so etwas erarbeiten zu können,
muß ich aber vorher wissen, wie
groß mein Held ist. Ebenso sollte
ich wissen, welche Augen- und Haarfarbe
er hat – das kann durchaus interessant
sein.
Ob dem Helden unbedingt eine Besonderheit
angedichtet werden muß, ist die
andere Frage. Wegen mir darf er gerne
eine Narbe im Gesicht haben oder die Haare
gerne in einer bevorzugten Art tragen.
Wichtig ist dies aber nicht unbedingt.
Es kann die Geschichte abrunden, muß
es aber nicht unbedingt. Der
Charakter
Schon vom Aussehen her lassen sich gewisse
Charakterzüge herleiten. Hat der
Held eine gewisse »Macke«?
Reibt er sich über eine kleine Narbe
am Nasenflügel? Verzieht er sein
narbiges Gesicht, wenn er grinst? Zuckt
er beispielsweise mit dem rechten Auge?
Beißt er sich auf die Unterlippe,
wenn es spannend wird? Sagt er gerne »na
also«? Diese kleinen Details können
den Verlauf einer Geschichte durchaus
beeinflussen. Umso besser, wenn sich der
Autor diese Details vorher überlegt
hat und sie nicht erst mühsam im
Verlauf der Geschichte einbauen muß.
Sammelt unser Held etwas? (Myles Kantor
sammelt Uhren, Ronald Tekener sammelt
Waffen, Atlan sammelt alte Adelstitel
...) Hat unser Held künstlerische
Vorlieben, hört er gerne Musik, oder
geht er gerne in Kunstausstellungen? Solche
Dinge muß der Leser nicht unbedingt
wissen. Schlau ist es aber, wenn der Autor
es weiß und solche Dinge bei Gelegenheit
und Bedarf in den Roman einarbeitet ...
Die Biographie
Fehlt noch ein bißchen der biographische
Hintergrund unseres Helden. Nehmen wir
an, die Ge-schichte spielt im Jahr 1290
Neuer Galaktischer Zeitrechnung und unser
Held ist durchschnittlich alt –
also um die sechzig Jahre. Dann ist er
also im Jahr 1230 geboren; behaupten wir
einfach mal, auf Terra. Die Folgen, die
sich daraus für die Geschichte herleiten,
sind ziemlich spannend.
Unser Held wuchs dann nämlich in
einer Zeit auf, in der die Aktivatorträger
bereits ihr Camelot-Projekt begannen,
in der gleichzeitig die Spannungen in
der Galaxis anstiegen und sich die Liga
Freier Terraner und das Kristallimperium
argwöhnisch beäugten. Die Zeiten,
in denen alle Galakti-ker versuchten,
an einem Strang zu ziehen, hat er nicht
mitbekommen. Er wird sich also nie als
Galaktiker verstehen, sondern nur als
Terraner – das ist schon einmal
recht wichtig für den Hintergrund
der Person. Zudem hat er die Tolkander-Invasion
durch die Medien und die Dscherro durch
eigene Anschauung mitbekommen.
Diesen Hintergrund für eine Person
sollte jeder Autor erarbeiten, auch wenn
er ihn für die Geschich-te nicht
unbedingt braucht. Es ist jedoch immer
wieder hilfreich, so etwas zu wissen.
Dann lassen sich Reaktionen des Helden
oder persönliche Gewohnheiten leichter
herleiten. Und es lassen sich einige Pannen
vermeiden.
So wird beispielsweise ein Held, der im
Jahr 1130 NGZ auf der Erde geboren worden
ist (bei einer Lebenserwartung von bis
zu 200 Jahren ist dies durchaus realistisch!),
nie von einer unbeschwerten Kindheit reden
können. Zu dieser Zeit lebten die
Menschen nämlich nahezu alle in der
Simusense, und die Milchstraße wurde
von den Cantaro beherrscht. Wer also unbedingt
einen Helden in seiner Geschichte haben
will, der 160 Jahre alt ist, der sollte
sich vorher sehr gründlich dessen
Biographie überlegen ...
Die Folgen daraus
Das ist dann das entscheidende daran.
Habe ich genügend Hintergründe
über meine Figur erarbeitet, um die
ich meine Geschichte stricken will, ergibt
sich vielleicht schon von selbst die Story
– oder der Plot, oder die Handlung,
was immer man auch sagen will. Aufgrund
der Hintergründe einer Figur erarbeiten
sich irgendwelche Spannungen und Konflikte
schon von selbst. Und auf deren Basis
läßt sich trefflich weiterarbeiten.
Nehmen wir als Beispiel noch mal unseren
160 Jahre alten Helden, der auf der Erde
geboren wurde (in vitro?) und die letzten
Auswirkungen der Simusense komplett mitbekam.
Behaupten wir doch einfach mal, daß
dieser Mann daraus eine Marotte entwickelt
hat, daß er keine virtuellen Welten
mehr betreten möchte. Und auf technische
Spielereien verzichtet er so gut wie vollständig;
er rechnet beispielsweise lieber etwas
auf dem Papier aus, anstatt einen Syntron
zu fragen.
Damit haben wir einen wesentlichen Charakterzug
von ihm beschrieben – und können
uns zahlreiche weiterführende Ideen
ausdenken. Kleines Beispiel gefällig?
Unser Held muß, um als Detektiv
erfolgreich seinen Fall zu lösen,
sich der Hilfe eines syntronischen Programms
bedienen, mit dessen Hilfe er sich in
die Psyche eines möglichen Mörders
hineindenken kann. Daraus ließe
sich eine spannende Geschichte herleiten,
denn natürlich kann unser Held nicht
so einfach mit diesem Programm arbeiten
...
Von dieser Sorte ließen sich genügend
Ideen entwickeln. Und das ist dann ganz
einfach, die Grundlagen sind schließlich
gelegt. Jetzt muß nur noch geschrieben
werden, oder nicht? Dazu vielleicht beim
nächsten Mal mehr ...
Klaus N. Frick
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Einige
Tips für angehende Autoren –
Teil 4
Nachdem wir in den bisherigen
Teilen dieser Serie einige grundsätzliche
Dinge geklärt haben, die ein Autor
beherzigen sollte, bevor er mit dem Schreiben
beginnt, soll es diesmal einige konkrete
Tips geben.
Um es aber gleich im voraus klarzumachen:
Die Regeln, die in den folgenden Zeilen
aufgestellt werden, sind nicht unbedingt
verbindlich. Je besser ein Autor ist und
umso besser er sich auf die Feinheiten
der deutschen Sprache versteht, umso souveräner
kann er sprachliche Hürden umschiffen
– und dann eben Dinge tun, die eigentlich
als »schlecht« gelten. Wobei
das ohnehin häufig schlicht eine
Geschmackssache ist ...
Nehmen wir zudem noch mal eines vorneweg:
Die Erläuterungen in dieser Reihe
dienen Autoren, die unterhalten und ihre
Leser erreichen wollen. Wer Lyrik schreibt
oder schwerst anspruchsvolle Literatur,
ist hier nicht richtig – für
diese Art Literatur gelten andere Regeln.
Dasselbe gilt für »Schubladen-Literaten«:
Wer in erster Linie für sich selbst
schreibt, braucht sich nicht an Regeln
zu halten. Es spricht nicht das geringste
dagegen, für die Schublade zu schreiben.
Solche Literatur hat ihre größte
Bedeutung für den Autor oder die
Autorin selbst und leidet eigentlich am
meisten, wenn man sie mit aller Gewalt
ans Licht der Öffentlichkeit zerrt.
Wer aber für ein größeres
Publikum und nicht nur für die Schublade
schreibt, tut gut daran, sich über
eines Gedanken zu machen: Wer liest meine
Texte? Und wie schaffe ich es, meinen
Leser so zu packen, daß er den Text
komplett liest und ihn auch komplett versteht?
In Zeiten wie diesen, in denen die Informationshäppchen
immer kleiner werden und immer schneller
auf den Leser oder Betrachter hereinprasseln,
ist es mehr als nur sinnvoll, dem Leser
den Text mundgerecht zu machen. Das heißt
nicht, daß man »dumm«
schreiben soll – das ist in erster
Linie eine Aufforderung, sauber und präzise
zu schreiben!
Eindeutige Formulierungen
Man erkennt schlechte Texte sehr schnell,
selbst wenn die Autoren keinen grammatikalischen
Fehler begangen haben: Sie »holpern«.
Auch der Leser, der sich nicht mit den
Feinheiten der deutschen Sprache auskennt,
bemerkt das sehr schnell, wenngleich er
den Fehler vielleicht nicht klar zu benennen
weiß. Die grundsätzlichen Fehler
lassen sich auf wenige Punkte reduzieren.Beschreibungen
sind ungenau, Sachverhalte werden weit
ausschweifend erläutert, Handlungen
verlaufen gewisssermaßen »falsch«,
und Dialoge entfernen sich meilenweit
von dem, was Menschen wirklich sagen.
Entscheidende Übung für jeden
Autor ist also, sich genau zu überlegen,
ob die Formulierung, die er (oder sie
– natürlich!) benutzt, auch
so stimmt. Ist die Sprache aussagekräftig
genug? Passen die Worte? Welche Worte
sind zu viel? Versteht jeder, was ich
damit sagen will?
Schlecht ist beispielsweise eine Formulierung
wie: »Rainer befand sich hinter
dem Busch.« Was tut Rainer denn
da? Sitzt Rainer? Steht Rainer? Kratzt
sich Rainer an der Nase? Folgende Formulie-rung
ist eindeutiger: »Rainer stand hinter
dem Busch.« Oder eben: »Rainer
kauerte hinter dem Busch.« Mit dem
»Kauern« wird dem Leser ganz
nebenbei ein Bild vermittelt: Er weiß,
daß es dem Helden wahrscheinlich
nicht optimal geht, denn »kauern«
ist keine sehr bequeme Körperhaltung.
Jederzeit ist eine Formulierung wie »Peter
rannte um die Ecke« einem Satz wie
»Peter bewegte sich schnell um die
Ecke« voranzuziehen. Wobei übrigens
»Peter rannte schnell um die Ecke«
richtig falsch wäre, geradezu doppelt
formuliert, denn jemand, der rennt, ist
im allgemeinen auch schnell.
Soweit mal ein kurzer Einblick. Die wichtigste
Lektion, die ich vermitteln will, ist,
daß man jeden Text gründlich
prüfen sollte. Die erste Prüfung
sollte sein, ob das Wort überhaupt
stimmt und ob es die richtige Bedeutung
besitzt – und die zweite Prüfung
muß sein, ob der Satz im richtigen
Zusammenhang steht.
Kommen beispielsweise viele Sätze,
die den gleichen Aufbau besitzen, hintereinander,
schleicht sich beim Leser sehr schnell
das Gefühl von Langeweile ein. Also
bitte gerne mal die »Richtung«
wechseln, die der Satz einschlägt.
Nicht immer müssen in der deutschen
Sprache Subjekt, Prädikat und Objekt
so aufeinander folgen wie es hier klingt
– hier kann fleißig variiert
werden. Mehrere »und«-Konstruktionen
hintereinander können echt tödlich
sein.
Hilfreich ist dabei übrigens, sich
jeden Satz einmal laut vorzulesen. Ich
werde nie den Tag vergessen, an dem Joachim
Körber, ein bekannter Übersetzer
(unter anderem übertrug er Stephen-King-Romane
ins Deutsche) aus seinem ersten Buch vorlas.
Er las die ersten Seiten seines Horror-Romans,
und plötzlich blickte er auf, blickte
uns, sein Publikum also, an und lachte
kurz. »Mein Gott!« sagte er
und lachte erneut. »Ist das schwülstig!«
Er hatte seinen Text zum erstenmal laut
gehört und prompt einige umständliche
Formulierungen bemerkt. Un-
und Füllwörter
Wortwiederholungen sind ebenso schrecklich
wie umständliche Formulierungen.
Wobei natürlich gewisse Wortwiederholungen
in fein dosierter Form zu bestimmten Wirkungen
führen können, die der Autor
beabsichtigt hat – das ist aber
wieder ein Sonderfall. Dabei gibt es neben
Wortwiederholungen, die sich schon mit
Hilfe eines Synonym-Lexikons bekämpfen
lassen, etwas Schlimmes – die sogenannten
Unwörter.
Ich nenne diese Wörter gerne »Unwörter«,
wobei die Formulierung nicht von mir stammt.
Eingebleut wurde sie mir von meinem Chef
in der Agentur für Public Relations,
in der ich drei Jahre lang arbeitete –
der Mann ist heute Chefredakteur der führendsten
Zweiradzeitschrift im deutschen Sprachraum.
Und von ihm habe ich noch einmal richtig
viel lernen können.
Schlimm ist beispielsweise die »Maßnahme«.
Es mag sein, daß das Wort bei Schneidereien
oder beim Totengräber gut angebracht
ist, wenn beispielsweise an einem Menschen
oder eben seiner Leiche „Maß
genommen“ wird. Ansonsten hat das
Wort in erster Linie seinen Ursprung im
Beamten-deutsch, wo es auch bleiben sollte.
Natürlich will ich das Wort »Maßnahme«
nicht komplett verteufeln – aber
man sollte es gründlich reduzieren.
Vor allem in Zusammenhang mit »durchführen«
ist es ganz besonders gräßlich.
Mein liebstes Beispiel: »Sie führen
eine Reparaturmaßnahme durch.«
Was ist denn gemeint? Gemeint ist: »Sie
reparierten etwas.« Das klingt vielleicht
schlichter – aber es ist einfach
richtiger. Aber was ist mit folgendem
Satz gemeint? »Die Regierung will
mit einem Bündel von Maßnahmen
eine Reduzierung der Steuerlast durchführen.«
Könnte man nicht einfach schreiben:
»Die Regierung will die Steuern
reduzieren.« Noch besser: »...
die Steuern senken.« Das versteht
jeder, es ist schlicht, aber nicht schlecht.
Die »Maßnahme« hat dieselbe
Funktion wie das »durchführen«:
Sie bläht Sätze auf, macht sie
unübersichtlich und verschleiert
häufig, was eigentlich gemeint ist.
Ein anderes Unwort, das ich sehr gerne
habe, ist das »ausführen«.
»Ausgeführt« werden Waren
ins Ausland – da paßt es.
Es paßt aber nicht zu Dialogen.
»Mir geht es gut, führte er
aus«, ist einfach falsch. Hier paßt
das schlichte Wort »sagen«
viel besser. Auch die »Ausführung«
bläht gerne einen Satz auf.
Und wenn wir schon dabei sind: »Erwidern«
wird gerne falsch benutzt, auch von honorigen
Autoren und Übersetzern. »wider«
steht schon die Verneinung, also sollte
das Wort »erwidern« am besten
nur bei Verneinungen eingesetzt werden.
Auf »Wie geht es dir?« kann
man eigentlich nicht »erwidern«,
sondern höchstens mit einem »gut«
oder »schlecht« antworten.
Anders ist es mit einer »erwidernden«,
also verneinenden Antwort auf eine Frage
wie »Hat es dir gefallen?«
Man mag mich jetzt päpstlich schimpfen,
wenn ich gegen Worte wie »beinhalten«
(Substantive, die zu Verben werden, sind
immer schlecht, besonders schlimm ist
aber das »beinhalten«) oder
das »erklären« (ich kann
jemand die Liebe oder den Krieg erklären,
ich kann auch meine Steuererklärung
abgeben, aber ich erkläre normalerweise
nicht ein eine Sache, bei der das »erläutern«
die richtige Formulierung wäre) ins
Gefecht ziehe.
Vielleicht übertreibe ich auch. Aber
es geht mir um eines: Der Autor soll sich
bitteschön überlegen, ob das
Wort, das er an der betreffenden Stelle
benutzt, nun das ideale ist oder nicht.
Ein bißchen Nachdenken hat noch
niemand geschadet. Manche Autoren indes
scheinen wirklich zu meinen, ihnen fliege
dank ihrer Genialität alles von selbst
zu ... Ein bedauerlicher Irrtum!
Was sich jeder Autor im übrigen zur
Pflicht machen sollte, ist ein konsequentes
Nacharbeiten seines Textes. Heutzutage
ist das ja ganz einfach: Man schreibt
seinen Text mit dem Computer, druckt ihn
irgendwann aus, kann ihn auf dem Papier
bearbeiten, diese Korrekturen in den Computer
einhacken und das Werk auf diese Weise
gründlich nachbearbeiten. Den Ausdruck
auf Papier zum Korrigieren halte ich für
wichtig, weil man einen ganz anderen Bezug
zu seinem Text bekommt. Das Ausdrucken
ist fast so gut wie das laute Vorlesen
eines Textes!
Jeder Autor hat Lieblingswörter.
Die gilt es zu reduzieren. Ich leide beispielsweise
an der »noch-schon-auch«-Krankheit
– diese Wörter tauchen in meinen
Texten viel zu häufig auf. (Darüber
hinaus neige ich dazu, zu viele Gedankenstriche
und Doppelpunkte zu setzen. Aber das ist
wieder ein anderes Thema ...) Also muß
ich bei meinen Texten hinterher speziell
nach diesen Wörtern schauen, um sie
zu ersetzen oder – noch besser!
– einfach zu streichen. Meist kann
man solche »Füllwörter«
ganz einfach streichen.
Es gibt übrigens auch »Füllsätze«,
die dann gerne gesetzt werden, wenn dem
Autor nichts besseres einfällt und
er seinen Text mit aller Gewalt verlängern
will. Ich habe schon Romane und Geschichten
gelesen, in denen es von »Er nickte«
oder »Er zuckte mit den Achseln«
oder »Er blickte sie an« nur
so wimmelte, größtenteils an
Stellen, wo ebendiese Formulierungen völlig
überflüssig waren. Raus mit
dem Zeug! Das ist Zeilenschinderei!
Und das schlimmste, was ein Autor tun
darf, ist meiner Meinung nach Zeilenschinderei.
Womit diese Predigt auch zu Ende wäre
...
Klaus N. Frick
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Einige Tips für angehende
Autoren – Teil 5
Die Inhalte dieser Fortsetzungsreihe
variieren ein bißchen. Irgendwann
werde ich wohl eine Folge liefern, die
nur aus dem Wort »Üben!«
in beliebig häufiger Wiederholung
besteht. Denn das ist das wichtigste,
was man einem Autor oder einer Autorin
sagen muß: »Üben!«
Und nachdem bei der letzten Folge ein
bißchen über Stil referiert
wurde, soll es diesmal wieder um allgemeinere
Dinge gehen.
Schon in der ersten Folge dieser Reihe
habe ich darüber geschrieben, wie
wichtig es ist, einen guten Einstieg
in einen Text zu finden. Daran halte
ich nach wie vor fest: Der Anfang eines
Artikels, einer Geschichte oder eines
Romans entscheidet darüber, ob
der Leser am Thema bleibt.
Der Anfang
Nehmen wir beispielsweise eine schon
klassische Geschichte von Ernst Vlcek
– der PERRY RHO-DAN-Autor kassierte
in seiner Jugend mehrere Preise für
Kurzgeschichten. Die Story heißt
»Gib mir Menschen« und beginnt
mit folgender Formulierung: »Martin
Korner, letzter Mann auf Erden.«
Sofort ist der Leser gefesselt, sofort
will er weiterlesen und mehr wissen
über diesen Martin Korner und warum
zum Teufel er der letzte Mann ist.
Nicht ganz so knapp und eher an eine
Krimi-Geschichte erinnernd ist Ernst
Vlceks Anfang bei »Das Mädchen
Zeitlos«. Hier lautet die Formulierung:
»Wenn man von einem Mann sagt,
daß drei Frauen in seinem Leben
eine Rolle gespielt haben, dann meint
man für gewöhnlich seine Mutter,
seine Ehefrau und seine Geliebte. Bei
mir ist das etwas komplizierter.«
Sieht man davon ab, daß man das
»dann« in diesem Satz problemlos
streichen kann oder es sogar streichen
sollte, weil es überflüssig
ist, kann der Anfang der Geschichte
nur als geglückt betrachtet werde.
Sofort erwartet der Leser nämlich
einen interessanten Handlungsablauf,
was ihn unweigerlich in die Geschichte
hineinzieht.
Ein wenig klischeehaft ging Ernst Vlcek
bei der Geschichte »Der tiefgekühlte
Alptraum« vor. Die Story hat einen
geradezu genialen Titel und einen Anfang,
der zwar spannend ist – aber eben
klischeehaft: »Ich bin ein Verdammter,
rettungslos verloren.«
Alle drei Beispiele zeigen sehr gut,
wie ein guter Autor seine Geschichten
anfangen sollte: mit ei-nem Satz, der
neugierig macht und dem Leser den Eindruck
vermittelt, er müsse unbedingt
weiterlesen, weil er sonst etwas wichtiges
verpassen könnte.
Der Anfang muß nicht notgedrungenerweise
mit einem kurzen Satz eingeleitet werden.
Es kann auch eine Beschreibung sein.
Wer eine stimmungsvolle Geschichte schreiben
will, tut wohl gut daran, auf eine Action-Szene
am Anfang zu verzichten – man
würde beim Leser einen falschen
Eindruck erwecken. Wer eine lakonische
Krimi-Geschichte schreiben möchte,
sollte im Normalfall nicht von den schönen
Blumen am Bachrand schreiben. Außer
er erwähnt im zweiten Satz, wie
die Leiche mitten zwischen den schönen
Blumen liegt ...
Direkt einsteigen!
Häufig vertändeln Autoren
ihre Zeit. Sie verbringen zu viel Zeit
– oder eben zu viele Worte –
damit, die Szenerie zu beschreiben oder
die Hintergründe zu schildern.
Ich muß beim Anfang einer Geschichte
oder eines Romans nicht wissen, wie
der Held der Geschichte aussieht. Weitaus
wichtiger ist die Szene an sich, die
den Leser ansprechen soll. Erst in den
folgenden Szenen können Hintergründe
eingearbeitet werden. Vor allem können
solche Enthüllun-gen, wenn sie
dosiert eingesetzt werden, einer Geschichte
oder einem Roman zusätzliche Spannung
verleihen.
Bei Seminaren gebe ich immer wieder
den Tip, konzentriert Kurzgeschichtensammlungen
durchzuschauen, um zu erkennen, wie
bekannte Autoren ihre Anfänge setzen.
Welche Stilmittel benutzen sie? Wie
setzen sie die Aussagen? Wie pontiert
schreiben sie? Jeder Autor hat seine
Vorzüge, und es hat noch nie geschadet,
sich bei diesen Vorzügen schonungslos
zu bedienen.
Ein gutes Hilfsmittel ist dabei übrigens
eh die Kriminalgeschichte, die meist
stärker auf Pointen setzt. Die
Erkenntnisse einer solchen Untersuchung,
die jeder für sich selbst machen
kann und soll, sind leicht auf die Science
Fiction zu übertragen. Übrigens
auch auf jede andere Literaturrichtung.
Wobei es noch einen wesentlichen Unterschied
verschiedener Richtungen gibt: Bei der
Kurzgeschichte muß der Einstieg
in den Text wesentlich prägnanter
und kürzer sein als der Roman.
Hier muß noch sorgfältiger
gearbeitet werden.
Stilübungen
Im übrigen ist es ein ganz interessanter
Ansatz, bei anderen Autoren zu schauen,
wie sie was gemacht haben. Am besten
übrigens von Autoren, die einem
vielleicht nicht so liegen. Und natürlich
von Autoren, die richtig gut sind.
Dialoge beispielsweise würde ich
anhand von Hemingway-Texten üben.
Wie der amerikanische Nobelpreisträger
in seinen Kurzgeschichten die Menschen
sprechen läßt, ist nach wie
vor sagenhaft. Mit wenigen Sätzen
werden Menschen plastisch, werden ihre
Handlungen nachvollziehbar, wird von
Satz zu Satz klarer, warum sich wer
wie verhält.
Bei der Science Fiction die Auswahl
an Autoren ebenfalls groß. Im
deutschen Sprachraum kann beispielsweise
Hans Kneifel mit seinen Beschreibungen
genannt werden. Man muß das nicht
unbedingt mögen – die Art
und Weise aber, wie der PERRY RHODAN-
und ATLAN-Autor höfische Szenen
in Ägypten oder auf Arkon lebendig
gemacht, ist faszinierend. Diese Technik
nachzumachen dürfte allerdings
nicht gerade sehr einfach sein. Gerade
angehende Autoren, die Hans-Kneifel-Beschreibungen
nicht mögen, sollen aber eben dies
einmal versuchen. Und werden feststellen,
wie verdammt schwer es ist, so etwas
einfach »nachzumachen«.
Es geht hier nicht darum, zum Plagiat
aufzurufen. Es geht darum, zur Übung
aufzurufen. Mal einige Tage lang Kneifel-Stil
üben – das kann nicht schaden.
Oder Dialoge schreiben. Mal einen Dialog
zwischen Ermittler und Täter erfinden.
Oder ein Gespräch zwischen zwei
Außerirdischen, die eine grundsätzlich
andere Denkweise haben. Oder eben eine
Diskussion zwischen einem Roboter und
einem Menschen. Möglichkeiten gibt
es unendlich viel.
In den Literatur-Seminaren in Wolfenbüttel
üben die Dozenten mit den Teilnehmern
gerne einzelne Dinge wie Dialoge, Anfänge
oder »Begegnungen«. Solche
Übungen können als Fingerübung
auch zu Hause vorgenommen werden. Dabei
lassen sich immer wieder schöne
Erkenntnisse nachweisen. Das empfehle
ich allen angehenden Autoren.
Üben! Üben! Üben!
»Übung macht den Meister«
ist einer der ältesten Sprüche
überhaupt. Viel zu wenige beziehen
diesen Satz auf die Schriftstellerei.
Die meisten Autoren gehen davon aus,
daß ihnen das Talent nur so zufliegen
würde. Leider ist diese Denkweise
völliger Unfug.
Das Schreiben von Kurzgeschichten und
Romanen ist knallharte Arbeit. Natürlich
sollte man ein gewisses Talent mitbringen,
um richtig gut schreiben zu können.
Viel wichtiger aber erscheint mir immer
wieder eine ausreichende handwerkliche
Basis.
Bei jedem Schreiner, Maurer oder Bankkaufmann
gehe ich davon aus, daß der Mann
oder die Frau eine mehrjährige
Ausbildung hinter sich gebracht hat,
bevor man ihn auf die Menschheit losließ.
Autoren scheinen jedoch zu glauben,
diese Ausbildung nicht leisten zu müssen.
Entsprechend sind die Ergebnisse, die
einem manchmal vor die Augen geknallt
werden.
Warum wohl hat eine Reihe von PERRY
RHODAN-Autoren jahrelang in Fan-Zeitschriften
publiziert? Warum sind die besten amerikanischen
Science-Fiction-Autoren jahrelang als
Studenten bei den Clarion Workshops
gewesen, um sich dort grundlegende Arbeitstechniken
vermitteln lassen?
Es hat noch keinem geschadet, möglichst
viel zu lernen – vor allem nicht
dem Autor oder Redakteur. Und mit diesen
salbungsvollen Worten soll dieser Beitrag
auch enden ...
Klaus N. Frick
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Einige Tips
für angehende Autoren– Teil
6
Schuld an dieser Folge ist Martin Marheinecke
aus Hamburg. Der Mann schreibt selbst
Geschichten für Fanzines, ist damit
eine potentielle Zielgruppe für diese
Artikelreihe. Aber er hat mich im vierten
Teil der Reihe bei einem peinlichen Fehler
ertappt. Grund genug, auf zwei andere
grundsätzliche Dinge hinzuweisen
...
Wie es sich für einen guten Leserbriefschreiber
gehört, beginnt der Autor mit einem
Lob. »Die wahrscheinlich nützlichste
Reihe in der SOL (zumindest für Möchtegern-Schreiberlinge)
dürften Klaus N. Fricks Tips für
angehende Autoren sein«, schmeichelt
mit der gerissene Schurke aus Hamburg,
um gleich darauf mit einem Blattschuß
zu landen. Ich zitiere: »Allerdings
birgt KNFs Text einige Überraschungen
für den stilbewußten Leser:
... der Mann ist heute Chefredakteur der
führendsten Zweiradzeitschrift im
deutschen Sprachraum.« Und während
ich noch innehielt und tief Luft holte,
streute Martin H. noch ein bißchen
Salz in meine Wunden. »Bisher war
ich der Ansicht, führend ließe
sich nicht mehr steigern, da es ja schließlich
nur eine führende deutsche Motorradpostille
geben kann. Tja, man lernt nie aus!«
Natürlich hat Martin Marheinecke
völlig recht, und ebenso natürlich
hatte ich sofort einen Schuldigen für
das Debakel gefunden. Was zu dem eigentlichen
Thema dieses Artikels führt ...
Kritiker und so
Seltsamerweise gehen die meisten Autoren,
vor allem die unerfahrenen, davon aus,
daß ihre Texte schon gut sind, so
wie sie sind, und daß man sie deshalb
nicht sonderlich überarbeiten muß.
Andere – darunter ich – verlassen
sich gelegentlich darauf, daß ihr
Text schon noch von irgend jemand Korrektur
gelesen, redigiert oder sonstwie bearbeitet
wird. In meinem Fall war der Schuldige
natürlich Klaus Bollhöfener.
Dieser Herr ist Redakteur der SOL, damit
für den Inhalt verantwortlich und
damit schuld an dem Fehler. Letztlich
gilt ja die eiserne Regel. »Ist
ein Text gut, war’s der Autor. Ist
ein Text schlecht, war’s der Redakteur.
Sind Fehler enthalten, war’s der
Lektor.«
Genug geblödelt. Tatsache ist, daß
wirklich jeder Text überarbeitungswürdig
ist. Sogar Nobelpreis-träger wie
Heinrich Böll ließen ihre Texte
von der sorgsamen Arbeit eines Lektors
glätten; Unter-haltungsautoren wie
Johannes Mario Simmel bekennen bei jeder
Gelegenheit, daß ihr Lektor ihnen
viel hilft. Bei PERRY RHODAN gibt es zwei
bis drei Menschen, die sich jeden Roman
vornehmen und auf Fehler überprüfen.
Daß dennoch manchmal Fehler übersehen
werden, liegt an der Natur der Sache.
Kein Mensch ist vollkommen. Manche Kritiker
übersehen das gelegentlich ...
Aber darum soll es ja gar nicht gehen.
Viel wichtiger ist eine kontinuierliche
Textarbeit. Ich empfehle nicht, halbfertige
Texte rumzuzeigen. Sinnvoller ist es,
einfach abzuwarten, bis ein Text richtig
fertig ist, sei es nun eine Kurzgeschichte,
ein Artikel oder gar ein Roman. (Außer
man will wissen, ob die Richtung stimmt,
aber das ist wieder eine Ausnahme.)
Ich empfehle auch nicht unbedingt, den
Text den besten Freunden, dem Lebenspartner
oder den Eltern zu zeigen. Das ist nur
dann zu empfehlen, wenn diese Menschen
die entsprechende Distanz zu dem Text
entwickeln können und nicht kritiklos
damit umgehen. Es ist niemanden damit
gedient, wenn er auf einen Text ein »Na
ja, nicht schlecht« bekommt und
sonst nichts ... Sinnvoll ist stets ein
Mensch, der ein Text kritisch untersucht,
der die Schwachpunkte offenlegt, der aber
auch sagt, was ihm gefällt und was
nicht.
Man muß übrigens nicht alle
Kritikpunkte, die man in einem solchen
Fall zu hören kriegt, in seinen Text
einarbeiten. Letzten Endes wird eh jeder
Kritiker etwas anderes vorschlagen. Aber
es schadet nichts, sich aus mehreren Richtungen
die entsprechende Kritik zu holen und
dann das umzusetzen, was man für
sinnvoll erachtet. Überarbeiten!
Kein Text ist heilig. Wenn die Geschichte
geschrieben ist, der Artikel verfaßt
oder der Roman abgeschlossen, ist die
Sache noch lange nicht erledigt. Sinnvoll
ist eigentlich, den Text einige Tage lang
liegenzulassen und ihn dann erneut zu
untersuchen, ihn gewissermaßen als
»fremde Arbeit« zu be-trachten
und gründlich durchzuschauen. Man
erhält dabei ganz andere Einblicke
in seine eigene Arbeit. Wenn diese Zeit
nicht vorhanden ist, muß eben gründlich
und mehrfach gelesen werden ...
Ein guter Trick, sich seinen eigenen Text
»fremder« zu machen, ist übrigens,
ihn sich laut vorzulesen. Unglaubliche
Tiefen können sich da auftun. Plötzlich
bemerkt der Autor selbst, daß sein
Text nicht stimmt; beim Vorlesen stolpert
man leichter über stilistische Holpereien
und unsaubere Formulierungen. Das gewissermaßen
natürliche Sprachgefühl reagiert
wie ein Sensor auf solche Dinge, die einfach
nicht stimmen.
Und dann gibt es nur eines: noch mal auf
den Hosenboden setzen und alles noch einmal
durcharbeiten. Bitte gründlich! Braucht
man wirklich jedes Adjektiv, müssen
die Dialoge so verfaßt sein, sind
die Beschreibungen in der Geschichte zu
lang? Gute Autoren denken sich in solchen
Fällen gewissermaßen in ihre
Leser hinein, versuchen ihren eigenen
Text aus der Sicht eines anderen Menschen
zu betrachten.
Hm. Fehler lassen sich trotzdem nicht
ausschließen. Dafür ist letztlich
der Lektor da. Aber trotzdem sollte ein
Autor ein so gut wie möglich geschriebenes
Werk abliefern, keine Erstversion, an
der noch alles korrigiert und verändert
werden muß ... Dumme
Wörter
Nochmal zurück zum Anfang. Jeder
Autor weist bei seiner Schreibe charakteristische
Schwächen auf, die er normalerweise
nicht bemerkt. Es ist sehr hilfreich,
sich eine Liste seiner eigenen Schwächen
anzufertigen (natürlich geht das
nur, wenn jemand auf diese Schwächen
hingewiesen hat ...) und damit anschließend
den Text noch einmal durchzugehen.
Wörter wie »führendst«
sind trotzdem schrecklich und dürfen
in einem Text nicht enthalten sein. Es
handelt sich hier um stilistische Schlampereien,
die man unbarmherzig aus dem Text streichen
muß. Das Wort »führend«
läßt sich ebensowenig steigern
wie die Wörter »voll«
oder »leer«. »Voller
als voll« kann kein Glas werden
... Hier heißt es aufpassen. Im
normalen Sprachgebrauch werden sol-che
Formulierungen gerne benutzt – hier
stören sie auch nicht. Im Text dürfen
sie einfach nicht stehen!
Jeder Mensch neigt dazu, gewisse Wörter
überproportional zu benutzen. Ich
leide beispielsweise an der »noch-schon-auch«-Krankheit,
das heißt, daß ich diese Wörter
ständig in Texten einarbeite. Ähnlich
häufig benutze ich Doppelpunkte und
Gedankenstriche, um meine Texte zu gliedern.
Liest die PERRY RHODAN-Redakteurin Sabine
Bretzinger meine Texte, bemängelt
sie das stets; mir selbst fällt das
kaum ins Auge. Habe ich allerdings die
Zeit, meinen eigenen Text gründlich
durchzuschauen, kann ich auffällige
Wiederholungen rasch streichen und meinen
Text dadurch besser und lesbarer machen.
Kurzum: Kein Text ist heilig. Jede Bearbeitung
hilft. Und kein Autor ist fehlerfrei!
(Übrigens auch kein Leser, aber das
ist eine andere Geschichte ...)
Klaus N. Frick
|
Einige Tips für
angehende Autoren– Teil 7
Nachdem ich schon in der letzten Folge
auf stilistischen Details geradezu herumgeritten
bin, folgt diesmal ein kleiner »Nachschlag«.
Grund ist ein Manuskript, das dieser Tage
bei mir eintraf und eigentlich eine ganz
spannende Geschichte zu erzählen
wußte. Eigentlich ... Der Autor
sorgte nämlich durch stilistische
Kapriolen dafür, daß die Geschichte
keinen Deut mehr gefallen konnte.
Solche Kapriolen lassen sich meiner Meinung
nach leicht vermeiden. Es gibt eine Reihe
von deutschsprachigen Büchern, die
sich mit dem Stil beschäftigen; dazu
kommen Sachbücher für Jour-nalisten,
Drehbuchautoren und Schriftsteller. Es
kann nicht schaden, sich solche Bücher
anzuschau-en. Nicht jedes Buch ist für
jeden angehenden Autor sinnvoll und nachvollziehbar,
deshalb empfehle ich einen »Blick
zuvor«. Und als kleine Einstiegshilfe
gibt es in dieser Folge meiner Reihe gleich
die angekündigten kleinen Hinweise.
Die Koppel-Falle
Diesen Fehler begehen sinnigerweise vor
allem jene Autoren, die schon geübt
sind in der deutschen Sprache, die sich
seit längerem mit ihrem Stil beschäftigen
und die sich deshalb bemühen, einen
möglichst großen Wortschatz
zu benutzen. Dummerweise rutschen sie
dann gleich wieder ins ande-re Extrem:
Sie benutzen zu viele Adjektive –
und diese koppeln sie in manchmal unerträglicher
Art und Weise mit Verben oder Substantiven.
Das Manuskript, das ich dieser Tage bekam,
war ein schönes Beispiel dafür.
Der Autor ließ bereits auf der ersten
Seite kein erdenkliches sprachliches Klischee
aus. Der Held setzt sich auf einen Klappstuhl,
und dieser ist ... na? ... dieser Klappstuhl
ist natürlich hölzern. Unser
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