Die Reihe „Tipps für angehende Autoren“ von Klaus N. Frick erschien in der Sol, dem Magazin der Perry Rhodan – Fanzentrale. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Klaus Bollhöfener und Klaus N. Frick.

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Einige Tips für angehende Autoren – Teil 1


Bei den Vorarbeiten für die PERRY RHODAN-Fan-Edition hat sich eines gezeigt: Häufig haben junge Autoren einige ganz spezifische Defizite. Das hat nichts damit zu tun, ob diese Autoren gut oder schlecht schreiben, ob sie gute oder schlechte Ideen haben – es hängt häufig mit rein handwerklichen Fertigkeiten zusammen. Deshalb hat sich an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel längst eine Art »Schreibschule« für Autoren etabliert, und deshalb wollen wir in der SOL künftig immer wieder Tips geben.

Generell gilt für die folgende Texte, daß sie natürlich für Autoren gedacht sind, die beispielsweise PERRY RHODAN-Fan-Romane verfassen möchten. Für PERRY RHODAN gelten teilweise andere »Gesetze« als für allgemeine Science Fiction.

Für alle Arten von Literatur gilt aber eines: Wird ein Manuskript eingereicht, in dem es von Rechtschreibfehlern wimmelt, in dem die Zeitenfolge nie stimmt und der Autor ständig zeigt, daß er mit der deutschen Grammatik auf Kriegsfuß steht, hat dieses Manuskript im Normalfall nicht die ge-ringste Chance. Kein Lektor beschäftigt sich mit einem solchen Manuskript intensiv – schließlich muß er davon ausgehen, daß der Autor keine
Ahnung von der Schriftstellerei hat. So kann die beste Idee versanden ...

Die Idee


Und die Idee ist bei vielen Romanen das größte Problem. Viele Fan-Autoren versuchen mit aller Gewalt, hochkomplizierte Ideen zu entwickeln und diese dann zu präsentieren. Kein Witz: Das ist der absolut falsche Weg! Eine gute Idee muß sich notfalls in wenigen Worten erklären lassen – alles andere ist Beiwerk. Ob das nun das Aussehen der Helden sind, die Kosmokraten, die Superintelli-genzen oder die Raumschiffe.
Die Idee einer guten Science-Fiction-Geschichte, die zudem im PERRY RHODAN-Universum spielt, muß klar ersichtlich sein – und die Lösung der SF-Idee muß logischerweise auch mit Science-Fiction-Mitteln geschehen. Wer beispielsweise in seinem Roman einen Planeten mit allerlei ori-ginellen Strukturen schildert, tut gut daran, die Lösung des Problems aus dem planetaren Konzept abzuleiten.

Eine gute Idee heißt nicht, daß sich der Autor hinsetzt und krampfhaft darüber nachdenkt, wie er das komplette PERRY RHODAN-Universum in einen einzigen Roman einarbeitet. An diesem Problem sind schon andere Autoren gescheitert. Eine gute Idee kann bedeuten, daß man sich das PERRY RHODAN-Universum als eine riesengroße Spielwiese vorstellt, aus dieser Spielwiese ein Element herausnimmt und daraus seine Story entwickelt. Das Element kann eine Person ebenso sein wie ein Raumschiff, ein Planet oder ein Volk.

Es geht nicht darum, »offene Fäden« der PERRY RHODAN-Geschichte zu einem Abschluß zu bringen, frei nach dem Motto »was ist denn eigentlich in Gruelfin los, und was machen die Cappins eigentlich?«. Vielmehr geht es darum, eine Handlung zu entwickeln, die Grundelemente der PERRY RHODAN-Geschichte aufnimmt, sie neu variiert und mit eigenen Ideen anreichert. Das hat nichts mit exakter Recherche (die natürlich nichts schadet) zu tun, und noch viel weniger etwas mit Faktenhuberei.

Der Konflikt

Jeder gute Roman hat als Kernthema einen Konflikt. Das gilt für SF natürlich ebenso, und für PERRY RHODAN als Teil der Science Fiction erst recht. Darüber muß sich der Autor vorher konse-quent Gedanken machen – auch deshalb, weil die Lösung des Konflikts logischerweise der Höhe-punkt seines Romans sein sollte, auf den die Handlung zuzusteuern hat. (Das heißt jetzt nicht, daß sich alles auf den letzten Seiten ballen muß, nein, nein!)

Der Konflikt muß zu Beginn des Romans entstehen oder schon vorhanden sein, er muß im Laufe des Romans eskalieren und sich weiter steigern, und er muß sich zu Ende des Romans lösen oder beenden. Sonst macht der Roman keinen Sinn.

Konflikt kann vieles sein; es geht hier nicht darum, den Begriff »Konflikt« auf eine kriegerische Auseinandersetzung etwa in Form einer Raumschlacht zu reduzieren. Diese Art Konflikt ist höchstens ein Beiwerk. Konflikte entstehen zwischen Menschen (oder Außerirdischen, logo), sie verfügen über klare Grundlagen, beispielsweise aus dem kulturellen Hintergrund, und sie können sehr viel mit Gefühlen zu tun haben.

Das Exposé

Zu viele Details schaden einem Exposé nur. Es ist nicht nötig, die Maße der Raumschiffe und das Aussehen der Hauptpersonen aufzulisten. Viel wichtiger ist, der Redaktion eine klare Darstellung dessen zu geben, was der Autor vorhat. Und diese Darstellung sollte auf zwei bis drei Seiten entwickelt werden.

Hier ist wieder der Konflikt wichtig. Aus dem Exposé muß klar hervorgehen, was die Grundlage für die Handlung ist, wie sich diese weiterentwickelt und wie sie auf den Höhepunkt zusteuert. Wo steckt der Konflikt für den Helden und die anderen Beteiligten? Wie wird der Konflikt gelöst?

Klaus N. Frick

 

Einige Tips für angehende Autoren – Teil 2

Nach dem wir im ersten Teil dieser Reihe darauf hingewiesen haben, was grundsätzlich zu beachten ist, bevor man sich an die Ausarbeitung einer Idee oder eines Exposés macht, geht es diesmal erneut um etwas sehr grundsätzlich, um einen allgemeinen Standard nämlich. Dieser ist auch sehr wichtig ...

Natürlich ist bei dieser Folge der Autoren-Tips etwas ganz wichtiges zu beachten: Jede Regel hat ihre Ausnahme – je berühmter und beliebter ein Autor, desto größer sind die Ausnahmen von der Regel, die er sich erlauben kann. Wer allerdings startet, tut gut daran, sich an prinzipielle Regeln zu halten, die in der Branche üblich sind.

Die Vorgeschichte

Ich werde nie vergessen, wie ich 1983 in Bergisch-Gladbach saß, auf einer Science-Fiction-Veranstaltung des Bastei-Lübbe-Verlags. Neben mir saß eine junge blonde Frau, die mir erzählte, sie habe bereits erste Fantasy-Romane geschrieben, von denen einer auch bald bei Heyne erscheinen würde. Ich selbst hatte damals die ersten Geschichten publiziert, träumte von einer Schriftsteller-Karriere. Und auf dem Podium saß ein Mann mit Vollbart, der uns einige Illusionen raubte.

Die junge blonde Frau heißt Uschi Zietsch und schreibt heute unter dem Pseudonym Susan Schwartz unter anderem PERRY RHODAN-Romane; was aus mir wurde, ist bekannt; der Mann mit Bart heißt Ronald M. Hahn, ist Übersetzer, Herausgeber, Autor und ein absoluter Kenner des phantastischen Genres.

Und er erzählte uns die Geschichte von dem unglaublich begabten jungen Autor, der ein unglaub-lich gutes Manuskript geschrieben hat. Dieses Manuskript hat der junge Autor natürlich – damals war das so üblich – mit der Schreibmaschine erstellt. Um Platz zu sparen, hat er jedes Blatt auf beiden Seiten beschrieben, und zwar von links oben nach rechts unten, ohne einen größeren Rand zu lassen. »Natürlich« hat er auf Seitenzahlen und jeglichen anderen Luxus verzichtet, er hat es ebenso »selbstverständlich« auch nicht geheftet.

Das Wunder geschieht: Das Manuskript kommt zum richtigen Zeitpunkt in die richtige Abteilung des richtigen Verlage, wird dort sogar von einer Sekretärin geöffnet und dann von dieser in das Zimmer des betreffenden Redakteurs oder der betreffenden Redakteurin getragen. Leider hören die Wunder jetzt auf: Die Dame stolpert, das Manuskript fällt auf den Boden, Kaffee läuft darüber, und es ist völlig unbrauchbar. »Natürlich« ist auf dem Manuskript auch keine Adresse angegeben. Was geschieht, ist klar: Das Manuskript wandert in den Müll (heute immerhin in den Papiercontainer). Und einer der besten Science-Fiction-Romane aller Zeiten bleibt unveröffentlicht, ein unglaublich guter Autor wird nie bekannt.
Was lernen wir daraus? Erstens, daß Ronald M. Hahn so gute Geschichten zu erzählen weiß, daß man sich auch über fünfzehn Jahre danach noch an sie erinnert. Und zweitens, daß es sehr sinnvoll ist, gewisse Regeln einzuhalten.

Das Manuskript

Dazu gehört die Manuskript-Norm. Eine sogenannte Standard-Seite wird mit einer Standard-Schrift mit großzügigem »Durchschuß« beschrieben (früher war das eben die Schreibmaschine, die auf »zweizeilig« eingestellt wurde). Auf diese Weise kommen exakt 30 Zeilen auf ein Blatt Papier – und in jeder Zeile sind rund 60 »Anschläge«. Es können ebenso 58 oder 62 sein, letztlich kommt es auf die durchschnittliche Anzahl an. Ein Anschlag ist beispielsweise ein Buchstabe, aber auch ein Satzzeichen und ein Leerzeichen gehören zu dieser Familie. Wer es geschickt macht, sorgt dafür, daß links ein breiterer Rand ist als rechts – dann kann das Manuskript besser zusammengeheftet werden. Es versteht sich von selbst, daß ein Blatt Papier nur von einer Seite aus beschrieben wird.

Der Grund für diese Norm liegt auf der Hand: Auf einen Blick kann ein Redakteur sehen, wie lange eine Geschichte oder ein Roman ist. Okay, im Zeitalter des Computers und der Diskette kann man das auch ausrechnen lassen (so geschieht das in der PERRY RHODAN-Redaktion); aber die prinzipiellen Regeln sind dieselben wie früher. Vor allem kann der Redakteur (oder die Redakteurin) bei einer solchen Manuskript-Form in den Texten sehr rasch seine Anmerkungen anbringen, die einerseits für ihn und anderseits für den Autoren oder den Bearbeiter bestimmt sind.
Auf dem Manuskript steht bitteschön auf der ersten Seite irgendwo der Name des Autors und ein Titel. Und schön wäre es, wenn es auf der letzten Seite auch eine Adresse geben könnte. Begleitbrief hin, Begleitschreiben her – so etwas geht ebenso leicht verloren wie ein Briefumschlag. Sicher ist immer sicher! Relativ dünne Manuskripte können geheftet oder »getackert« werden; bei einem Roman-Manuskript empfehle ich einen Schnellhefter. Das sieht nicht nur gut aus, das schützt auch noch das Manuskript gegen irgendwelche Transportschäden.
So ist zumindest die Chance gegeben, daß das Manuskript von einem Verlagsmitarbeiter angesehen wird ...

Verstehe das keiner falsch: Das sind keine Schikanen. Aber üblicherweise bekommt ein Verlag jede Woche einige Stapel von sogenannten unverlangt eingeschickten Manuskripten. Ein kluger Verlagsmitarbeiter nimmt sich stets die Zeit für diese Texte – es könnte sich ja der neue Hemingway, der neue Böll oder eben (in PERRY RHODAN-Kreisen) der nächste Voltz dahinter verbergen. Wenn ein Text allerdings völlig leser-unfreundlich gestaltet wird, sinkt die Bereitschaft der Redaktion sehr schnell, sich intensiv mit dem Gebotenen auseinanderzusetzen. Klingt doch logisch, oder?

Sonstiges ...

Fehlt noch was?
Ja, der Brief, das Exposé und der Anfang. Ich will’s in der Folge sehr kurz machen.
Es sollte selbstständlich ein Begleitbrief mitgeschickt werden. Der braucht nicht lang zu sein und kann auf den Versuch verzichten, sich bei der Redaktion »einzuschleimen«. Kurz und knapp und höflich. Es kann nicht schaden, einen Brief mit höflicher Anrede zu beginnen. Kein Witz! Wir be-kamen schon Manuskripte ohne Anschreiben, oder es gab Briefe ohne Anrede und ohne Adresse. Manchmal fragt man sich da ja schon ...
Wenn es sich um einen längeren Text handelt, ist ein kleines Exposé nicht schlecht: Auf zwei Seiten sollte hier der Roman oder die Erzählung skizziert werden. Das ist zwar keine Pflicht, hilft aber durchaus. Wenn sich das Exposé allerdings schon völlig ideenlos liest, hat der Redakteur nicht viel Lust, sich durch 400 Seiten Roman zu kämpfen!

Das gilt übrigens auch für den Einstieg in den Roman. Ist der Anfang eines Textes gleich schlecht oder langweilig, liest kein Mensch weiter. Und prasseln gleich im ersten Absatz die »deutsch-technischen« Fehler auf einen Leser herunter, hat der erst recht keine Lust. Um’s fies zu sagen: Wenn ich im dritten Satz einer Geschichte schon einen schmerzhaften Rechtschreibfehler sehe, lege ich das Manuskript zur Seite. Ich muß nämlich davon ausgehen, daß ein Autor, der bei solchen Kleinigkeiten versagt, auch nicht in der Lage ist, einen längeren Text zu meistern.
Und es wäre doch schade, wenn ein epochales Werk nur wegen solcher Kleinigkeiten nicht gedruckt würde. Oder?

Klaus N. Frick

 


Einige Tips für angehende Autoren – Teil 3

Eigentlich ist das mit dem Schreiben doch ganz einfach: Man setzt sich an einen Tisch, nimmt sich einen Block Papier und einen Stift und schreibt los. Okay, neuerdings nimmt unsereins einen Computer zu Hilfe – der eigentliche Vorgang des Schreibens ist aber nach wie vor primitiv. Woran liegt es dann, daß so viele Autoren nicht über das Stadium des weißen Blattes Papier oder des hilflos vor sich hinflimmernden Bildschirms am Computer hinauskommen?

Seien wir ehrlich: Oft liegt es daran, daß sich angehende Autoren nicht so richtig klar werden, wor-über sie schreiben wollen. Im Rahmen eines Autoren-Workshops während der Science-Fiction-Tage NRW in Dortmund im Frühjahr dieses Jahres fragte ich die Hobby-Autorinnen und -Autoren nach ihren spezifischen Problemen. Genannt wurde beispielsweise: »Ich weiß nicht so richtig mit meiner Hauptfigur umzugehen.« Oder eben: »Mir ist nicht so richtig klar, wo meine Geschichte hingehen soll.« Beide Probleme lassen sich leicht in den Griff bekommen, wenn man sich dafür ein bißchen auf den Hintern setzt.

Das Datenblatt

Machen wir uns eines klar: Von einer glaubwürdigen Hauptperson hängt unter anderem der Verlauf der ganzen Geschichte ab. Glaubwürdig kann diese Hauptperson aber nur sein, wenn ich als Autor mehr über meinen Helden weiß als mein Leser. Nur dann kann ich schließlich meinen Leser mit Wendungen meines Helden überzeugen – weiß der Leser gleich auf der ersten Seite alles über mei-nen Helden, kann das ganz schön langweilig sein.
Was mache ich also als erstes? Ich lege mir eine Art Datenblatt für meinen Helden zu. Das geht heute mit dem Computer ganz gut, kann aber auch ganz altmodisch mit einem Blatt Papier geschehen. Wieviel ich auf dem Blatt notiere, hängt allerdings von den Erfordernissen der Geschichte ab. Für eine zwei Seiten umfassende Kurzgeschichten brauche ich sicher weniger Details als für einen 400seitigen Roman.

Der Name

Wie heißt unser Held beispielsweise? Ein Name ist natürlich völlig gleichgültig, und im PERRY RHODAN-Zeitalter des 49. Jahrhunderts kann jeder Name so gut funktionieren wie der andere. Völlig klar. Nur ist mein Held nur dann für den Leser präsent, wenn er einen guten Namen hat, ei-nen Namen, den sich mein Leser merken kann. Das ist im übrigen eh das wichtigste: Ich will, daß mein Leser bei der Stange bleibt und er es bei der Lektüre so einfach wie möglich hat. Dafür muß ich ihm nicht unbedingt mit einem möglichst komplizierten Namen zusätzlich beschäftigen.
Perry Rhodan beispielsweise ist ein hervorragender Name, Atlan sowieso. Bei der Konkurrenz ist wohl Luke Skywalker ungeschlagen. Das kann sich jeder merken, dieser Name schwingt gewisser-maßen im Leser oder Zuschauer nach. Ganz langweilig sollte der Name vielleicht auch nicht gerade sein. »Peter Müller« kann funktionieren, ist bei einer SF-Geschichte aber nicht unbedingt das spannendste.

Vermeiden sollte man übrigens Namen, die mit »s« oder ähnlich lautenden Buchstaben enden. Es sieht immer blöde aus, wenn der Held beispielsweise »Maas« heißt und in einem Roman immer von »Maas‘ Gleiter« oder »Maas‘ Anzug« die Rede ist. Dann doch lieber »Maar«, um einfach einen anderen Buchstaben ans Ende zu setzen.
Ihr seht schon, daß der Name mal gar nicht so unwichtig ist. Da darf der Autor ruhig mal die eine oder andere Minute investieren. Dann paßt das auch viel besser und wirkt nicht ganz so beliebig. Nur Mut!

Das Aussehen

Wenn es für den Fortgang der Geschichte nicht unbedingt nötig ist, muß das Aussehen des Helden keine Rolle spielen. Der Autor aber sollte sehr genau wissen, wie sein Held aussieht: Haarfarbe, Augenfarbe, die Körpergröße und andere Details sind interessant und können eine Geschichte immer wieder lebendig gestalten.
Ist unser Held nämlich durchschnittlich groß, also um die 1,80 Meter, dann muß er zu einem Haluter oder Ertruser aufschauen. Zu einem Überschweren schaut er hinunter – aus solchen Anmerkungen lassen sich unter Umständen hübsche Charakterisierungen erarbeiten. Um so etwas erarbeiten zu können, muß ich aber vorher wissen, wie groß mein Held ist. Ebenso sollte ich wissen, welche Augen- und Haarfarbe er hat – das kann durchaus interessant sein.
Ob dem Helden unbedingt eine Besonderheit angedichtet werden muß, ist die andere Frage. Wegen mir darf er gerne eine Narbe im Gesicht haben oder die Haare gerne in einer bevorzugten Art tragen. Wichtig ist dies aber nicht unbedingt. Es kann die Geschichte abrunden, muß es aber nicht unbedingt.

Der Charakter

Schon vom Aussehen her lassen sich gewisse Charakterzüge herleiten. Hat der Held eine gewisse »Macke«? Reibt er sich über eine kleine Narbe am Nasenflügel? Verzieht er sein narbiges Gesicht, wenn er grinst? Zuckt er beispielsweise mit dem rechten Auge? Beißt er sich auf die Unterlippe, wenn es spannend wird? Sagt er gerne »na also«? Diese kleinen Details können den Verlauf einer Geschichte durchaus beeinflussen. Umso besser, wenn sich der Autor diese Details vorher überlegt hat und sie nicht erst mühsam im Verlauf der Geschichte einbauen muß.
Sammelt unser Held etwas? (Myles Kantor sammelt Uhren, Ronald Tekener sammelt Waffen, Atlan sammelt alte Adelstitel ...) Hat unser Held künstlerische Vorlieben, hört er gerne Musik, oder geht er gerne in Kunstausstellungen? Solche Dinge muß der Leser nicht unbedingt wissen. Schlau ist es aber, wenn der Autor es weiß und solche Dinge bei Gelegenheit und Bedarf in den Roman einarbeitet ...

Die Biographie

Fehlt noch ein bißchen der biographische Hintergrund unseres Helden. Nehmen wir an, die Ge-schichte spielt im Jahr 1290 Neuer Galaktischer Zeitrechnung und unser Held ist durchschnittlich alt – also um die sechzig Jahre. Dann ist er also im Jahr 1230 geboren; behaupten wir einfach mal, auf Terra. Die Folgen, die sich daraus für die Geschichte herleiten, sind ziemlich spannend.
Unser Held wuchs dann nämlich in einer Zeit auf, in der die Aktivatorträger bereits ihr Camelot-Projekt begannen, in der gleichzeitig die Spannungen in der Galaxis anstiegen und sich die Liga Freier Terraner und das Kristallimperium argwöhnisch beäugten. Die Zeiten, in denen alle Galakti-ker versuchten, an einem Strang zu ziehen, hat er nicht mitbekommen. Er wird sich also nie als Galaktiker verstehen, sondern nur als Terraner – das ist schon einmal recht wichtig für den Hintergrund der Person. Zudem hat er die Tolkander-Invasion durch die Medien und die Dscherro durch eigene Anschauung mitbekommen.

Diesen Hintergrund für eine Person sollte jeder Autor erarbeiten, auch wenn er ihn für die Geschich-te nicht unbedingt braucht. Es ist jedoch immer wieder hilfreich, so etwas zu wissen. Dann lassen sich Reaktionen des Helden oder persönliche Gewohnheiten leichter herleiten. Und es lassen sich einige Pannen vermeiden.
So wird beispielsweise ein Held, der im Jahr 1130 NGZ auf der Erde geboren worden ist (bei einer Lebenserwartung von bis zu 200 Jahren ist dies durchaus realistisch!), nie von einer unbeschwerten Kindheit reden können. Zu dieser Zeit lebten die Menschen nämlich nahezu alle in der Simusense, und die Milchstraße wurde von den Cantaro beherrscht. Wer also unbedingt einen Helden in seiner Geschichte haben will, der 160 Jahre alt ist, der sollte sich vorher sehr gründlich dessen Biographie überlegen ...

Die Folgen daraus

Das ist dann das entscheidende daran. Habe ich genügend Hintergründe über meine Figur erarbeitet, um die ich meine Geschichte stricken will, ergibt sich vielleicht schon von selbst die Story – oder der Plot, oder die Handlung, was immer man auch sagen will. Aufgrund der Hintergründe einer Figur erarbeiten sich irgendwelche Spannungen und Konflikte schon von selbst. Und auf deren Basis läßt sich trefflich weiterarbeiten.
Nehmen wir als Beispiel noch mal unseren 160 Jahre alten Helden, der auf der Erde geboren wurde (in vitro?) und die letzten Auswirkungen der Simusense komplett mitbekam. Behaupten wir doch einfach mal, daß dieser Mann daraus eine Marotte entwickelt hat, daß er keine virtuellen Welten mehr betreten möchte. Und auf technische Spielereien verzichtet er so gut wie vollständig; er rechnet beispielsweise lieber etwas auf dem Papier aus, anstatt einen Syntron zu fragen.

Damit haben wir einen wesentlichen Charakterzug von ihm beschrieben – und können uns zahlreiche weiterführende Ideen ausdenken. Kleines Beispiel gefällig? Unser Held muß, um als Detektiv erfolgreich seinen Fall zu lösen, sich der Hilfe eines syntronischen Programms bedienen, mit dessen Hilfe er sich in die Psyche eines möglichen Mörders hineindenken kann. Daraus ließe sich eine spannende Geschichte herleiten, denn natürlich kann unser Held nicht so einfach mit diesem Programm arbeiten ...
Von dieser Sorte ließen sich genügend Ideen entwickeln. Und das ist dann ganz einfach, die Grundlagen sind schließlich gelegt. Jetzt muß nur noch geschrieben werden, oder nicht? Dazu vielleicht beim nächsten Mal mehr ...

Klaus N. Frick

 


Einige Tips für angehende Autoren – Teil 4

Nachdem wir in den bisherigen Teilen dieser Serie einige grundsätzliche Dinge geklärt haben, die ein Autor beherzigen sollte, bevor er mit dem Schreiben beginnt, soll es diesmal einige konkrete Tips geben.
Um es aber gleich im voraus klarzumachen: Die Regeln, die in den folgenden Zeilen aufgestellt werden, sind nicht unbedingt verbindlich. Je besser ein Autor ist und umso besser er sich auf die Feinheiten der deutschen Sprache versteht, umso souveräner kann er sprachliche Hürden umschiffen – und dann eben Dinge tun, die eigentlich als »schlecht« gelten. Wobei das ohnehin häufig schlicht eine Geschmackssache ist ...

Nehmen wir zudem noch mal eines vorneweg: Die Erläuterungen in dieser Reihe dienen Autoren, die unterhalten und ihre Leser erreichen wollen. Wer Lyrik schreibt oder schwerst anspruchsvolle Literatur, ist hier nicht richtig – für diese Art Literatur gelten andere Regeln.
Dasselbe gilt für »Schubladen-Literaten«: Wer in erster Linie für sich selbst schreibt, braucht sich nicht an Regeln zu halten. Es spricht nicht das geringste dagegen, für die Schublade zu schreiben. Solche Literatur hat ihre größte Bedeutung für den Autor oder die Autorin selbst und leidet eigentlich am meisten, wenn man sie mit aller Gewalt ans Licht der Öffentlichkeit zerrt.

Wer aber für ein größeres Publikum und nicht nur für die Schublade schreibt, tut gut daran, sich über eines Gedanken zu machen: Wer liest meine Texte? Und wie schaffe ich es, meinen Leser so zu packen, daß er den Text komplett liest und ihn auch komplett versteht? In Zeiten wie diesen, in denen die Informationshäppchen immer kleiner werden und immer schneller auf den Leser oder Betrachter hereinprasseln, ist es mehr als nur sinnvoll, dem Leser den Text mundgerecht zu machen. Das heißt nicht, daß man »dumm« schreiben soll – das ist in erster Linie eine Aufforderung, sauber und präzise zu schreiben!
Eindeutige Formulierungen

Man erkennt schlechte Texte sehr schnell, selbst wenn die Autoren keinen grammatikalischen Fehler begangen haben: Sie »holpern«. Auch der Leser, der sich nicht mit den Feinheiten der deutschen Sprache auskennt, bemerkt das sehr schnell, wenngleich er den Fehler vielleicht nicht klar zu benennen weiß. Die grundsätzlichen Fehler lassen sich auf wenige Punkte reduzieren.Beschreibungen sind ungenau, Sachverhalte werden weit ausschweifend erläutert, Handlungen verlaufen gewisssermaßen »falsch«, und Dialoge entfernen sich meilenweit von dem, was Menschen wirklich sagen.

Entscheidende Übung für jeden Autor ist also, sich genau zu überlegen, ob die Formulierung, die er (oder sie – natürlich!) benutzt, auch so stimmt. Ist die Sprache aussagekräftig genug? Passen die Worte? Welche Worte sind zu viel? Versteht jeder, was ich damit sagen will?
Schlecht ist beispielsweise eine Formulierung wie: »Rainer befand sich hinter dem Busch.« Was tut Rainer denn da? Sitzt Rainer? Steht Rainer? Kratzt sich Rainer an der Nase? Folgende Formulie-rung ist eindeutiger: »Rainer stand hinter dem Busch.« Oder eben: »Rainer kauerte hinter dem Busch.« Mit dem »Kauern« wird dem Leser ganz nebenbei ein Bild vermittelt: Er weiß, daß es dem Helden wahrscheinlich nicht optimal geht, denn »kauern« ist keine sehr bequeme Körperhaltung.
Jederzeit ist eine Formulierung wie »Peter rannte um die Ecke« einem Satz wie »Peter bewegte sich schnell um die Ecke« voranzuziehen. Wobei übrigens »Peter rannte schnell um die Ecke« richtig falsch wäre, geradezu doppelt formuliert, denn jemand, der rennt, ist im allgemeinen auch schnell.

Soweit mal ein kurzer Einblick. Die wichtigste Lektion, die ich vermitteln will, ist, daß man jeden Text gründlich prüfen sollte. Die erste Prüfung sollte sein, ob das Wort überhaupt stimmt und ob es die richtige Bedeutung besitzt – und die zweite Prüfung muß sein, ob der Satz im richtigen Zusammenhang steht.
Kommen beispielsweise viele Sätze, die den gleichen Aufbau besitzen, hintereinander, schleicht sich beim Leser sehr schnell das Gefühl von Langeweile ein. Also bitte gerne mal die »Richtung« wechseln, die der Satz einschlägt. Nicht immer müssen in der deutschen Sprache Subjekt, Prädikat und Objekt so aufeinander folgen wie es hier klingt – hier kann fleißig variiert werden. Mehrere »und«-Konstruktionen hintereinander können echt tödlich sein.

Hilfreich ist dabei übrigens, sich jeden Satz einmal laut vorzulesen. Ich werde nie den Tag vergessen, an dem Joachim Körber, ein bekannter Übersetzer (unter anderem übertrug er Stephen-King-Romane ins Deutsche) aus seinem ersten Buch vorlas. Er las die ersten Seiten seines Horror-Romans, und plötzlich blickte er auf, blickte uns, sein Publikum also, an und lachte kurz. »Mein Gott!« sagte er und lachte erneut. »Ist das schwülstig!« Er hatte seinen Text zum erstenmal laut gehört und prompt einige umständliche Formulierungen bemerkt.

Un- und Füllwörter

Wortwiederholungen sind ebenso schrecklich wie umständliche Formulierungen. Wobei natürlich gewisse Wortwiederholungen in fein dosierter Form zu bestimmten Wirkungen führen können, die der Autor beabsichtigt hat – das ist aber wieder ein Sonderfall. Dabei gibt es neben Wortwiederholungen, die sich schon mit Hilfe eines Synonym-Lexikons bekämpfen lassen, etwas Schlimmes – die sogenannten Unwörter.
Ich nenne diese Wörter gerne »Unwörter«, wobei die Formulierung nicht von mir stammt. Eingebleut wurde sie mir von meinem Chef in der Agentur für Public Relations, in der ich drei Jahre lang arbeitete – der Mann ist heute Chefredakteur der führendsten Zweiradzeitschrift im deutschen Sprachraum. Und von ihm habe ich noch einmal richtig viel lernen können.
Schlimm ist beispielsweise die »Maßnahme«. Es mag sein, daß das Wort bei Schneidereien oder beim Totengräber gut angebracht ist, wenn beispielsweise an einem Menschen oder eben seiner Leiche „Maß genommen“ wird. Ansonsten hat das Wort in erster Linie seinen Ursprung im Beamten-deutsch, wo es auch bleiben sollte. Natürlich will ich das Wort »Maßnahme« nicht komplett verteufeln – aber man sollte es gründlich reduzieren. Vor allem in Zusammenhang mit »durchführen« ist es ganz besonders gräßlich.

Mein liebstes Beispiel: »Sie führen eine Reparaturmaßnahme durch.« Was ist denn gemeint? Gemeint ist: »Sie reparierten etwas.« Das klingt vielleicht schlichter – aber es ist einfach richtiger. Aber was ist mit folgendem Satz gemeint? »Die Regierung will mit einem Bündel von Maßnahmen eine Reduzierung der Steuerlast durchführen.« Könnte man nicht einfach schreiben: »Die Regierung will die Steuern reduzieren.« Noch besser: »... die Steuern senken.« Das versteht jeder, es ist schlicht, aber nicht schlecht.

Die »Maßnahme« hat dieselbe Funktion wie das »durchführen«: Sie bläht Sätze auf, macht sie unübersichtlich und verschleiert häufig, was eigentlich gemeint ist.
Ein anderes Unwort, das ich sehr gerne habe, ist das »ausführen«. »Ausgeführt« werden Waren ins Ausland – da paßt es. Es paßt aber nicht zu Dialogen. »Mir geht es gut, führte er aus«, ist einfach falsch. Hier paßt das schlichte Wort »sagen« viel besser. Auch die »Ausführung« bläht gerne einen Satz auf.

Und wenn wir schon dabei sind: »Erwidern« wird gerne falsch benutzt, auch von honorigen Autoren und Übersetzern. »wider« steht schon die Verneinung, also sollte das Wort »erwidern« am besten nur bei Verneinungen eingesetzt werden. Auf »Wie geht es dir?« kann man eigentlich nicht »erwidern«, sondern höchstens mit einem »gut« oder »schlecht« antworten. Anders ist es mit einer »erwidernden«, also verneinenden Antwort auf eine Frage wie »Hat es dir gefallen?«
Man mag mich jetzt päpstlich schimpfen, wenn ich gegen Worte wie »beinhalten« (Substantive, die zu Verben werden, sind immer schlecht, besonders schlimm ist aber das »beinhalten«) oder das »erklären« (ich kann jemand die Liebe oder den Krieg erklären, ich kann auch meine Steuererklärung abgeben, aber ich erkläre normalerweise nicht ein eine Sache, bei der das »erläutern« die richtige Formulierung wäre) ins Gefecht ziehe.

Vielleicht übertreibe ich auch. Aber es geht mir um eines: Der Autor soll sich bitteschön überlegen, ob das Wort, das er an der betreffenden Stelle benutzt, nun das ideale ist oder nicht. Ein bißchen Nachdenken hat noch niemand geschadet. Manche Autoren indes scheinen wirklich zu meinen, ihnen fliege dank ihrer Genialität alles von selbst zu ... Ein bedauerlicher Irrtum!

Was sich jeder Autor im übrigen zur Pflicht machen sollte, ist ein konsequentes Nacharbeiten seines Textes. Heutzutage ist das ja ganz einfach: Man schreibt seinen Text mit dem Computer, druckt ihn irgendwann aus, kann ihn auf dem Papier bearbeiten, diese Korrekturen in den Computer einhacken und das Werk auf diese Weise gründlich nachbearbeiten. Den Ausdruck auf Papier zum Korrigieren halte ich für wichtig, weil man einen ganz anderen Bezug zu seinem Text bekommt. Das Ausdrucken ist fast so gut wie das laute Vorlesen eines Textes!
Jeder Autor hat Lieblingswörter. Die gilt es zu reduzieren. Ich leide beispielsweise an der »noch-schon-auch«-Krankheit – diese Wörter tauchen in meinen Texten viel zu häufig auf. (Darüber hinaus neige ich dazu, zu viele Gedankenstriche und Doppelpunkte zu setzen. Aber das ist wieder ein anderes Thema ...) Also muß ich bei meinen Texten hinterher speziell nach diesen Wörtern schauen, um sie zu ersetzen oder – noch besser! – einfach zu streichen. Meist kann man solche »Füllwörter« ganz einfach streichen.

Es gibt übrigens auch »Füllsätze«, die dann gerne gesetzt werden, wenn dem Autor nichts besseres einfällt und er seinen Text mit aller Gewalt verlängern will. Ich habe schon Romane und Geschichten gelesen, in denen es von »Er nickte« oder »Er zuckte mit den Achseln« oder »Er blickte sie an« nur so wimmelte, größtenteils an Stellen, wo ebendiese Formulierungen völlig überflüssig waren. Raus mit dem Zeug! Das ist Zeilenschinderei!

Und das schlimmste, was ein Autor tun darf, ist meiner Meinung nach Zeilenschinderei. Womit diese Predigt auch zu Ende wäre ...

Klaus N. Frick
 


Einige Tips für angehende Autoren – Teil 5

Die Inhalte dieser Fortsetzungsreihe variieren ein bißchen. Irgendwann werde ich wohl eine Folge liefern, die nur aus dem Wort »Üben!« in beliebig häufiger Wiederholung besteht. Denn das ist das wichtigste, was man einem Autor oder einer Autorin sagen muß: »Üben!« Und nachdem bei der letzten Folge ein bißchen über Stil referiert wurde, soll es diesmal wieder um allgemeinere Dinge gehen.
Schon in der ersten Folge dieser Reihe habe ich darüber geschrieben, wie wichtig es ist, einen guten Einstieg in einen Text zu finden. Daran halte ich nach wie vor fest: Der Anfang eines Artikels, einer Geschichte oder eines Romans entscheidet darüber, ob der Leser am Thema bleibt.

Der Anfang

Nehmen wir beispielsweise eine schon klassische Geschichte von Ernst Vlcek – der PERRY RHO-DAN-Autor kassierte in seiner Jugend mehrere Preise für Kurzgeschichten. Die Story heißt »Gib mir Menschen« und beginnt mit folgender Formulierung: »Martin Korner, letzter Mann auf Erden.« Sofort ist der Leser gefesselt, sofort will er weiterlesen und mehr wissen über diesen Martin Korner und warum zum Teufel er der letzte Mann ist.

Nicht ganz so knapp und eher an eine Krimi-Geschichte erinnernd ist Ernst Vlceks Anfang bei »Das Mädchen Zeitlos«. Hier lautet die Formulierung: »Wenn man von einem Mann sagt, daß drei Frauen in seinem Leben eine Rolle gespielt haben, dann meint man für gewöhnlich seine Mutter, seine Ehefrau und seine Geliebte. Bei mir ist das etwas komplizierter.«
Sieht man davon ab, daß man das »dann« in diesem Satz problemlos streichen kann oder es sogar streichen sollte, weil es überflüssig ist, kann der Anfang der Geschichte nur als geglückt betrachtet werde. Sofort erwartet der Leser nämlich einen interessanten Handlungsablauf, was ihn unweigerlich in die Geschichte hineinzieht.

Ein wenig klischeehaft ging Ernst Vlcek bei der Geschichte »Der tiefgekühlte Alptraum« vor. Die Story hat einen geradezu genialen Titel und einen Anfang, der zwar spannend ist – aber eben klischeehaft: »Ich bin ein Verdammter, rettungslos verloren.«

Alle drei Beispiele zeigen sehr gut, wie ein guter Autor seine Geschichten anfangen sollte: mit ei-nem Satz, der neugierig macht und dem Leser den Eindruck vermittelt, er müsse unbedingt weiterlesen, weil er sonst etwas wichtiges verpassen könnte.

Der Anfang muß nicht notgedrungenerweise mit einem kurzen Satz eingeleitet werden. Es kann auch eine Beschreibung sein. Wer eine stimmungsvolle Geschichte schreiben will, tut wohl gut daran, auf eine Action-Szene am Anfang zu verzichten – man würde beim Leser einen falschen Eindruck erwecken. Wer eine lakonische Krimi-Geschichte schreiben möchte, sollte im Normalfall nicht von den schönen Blumen am Bachrand schreiben. Außer er erwähnt im zweiten Satz, wie die Leiche mitten zwischen den schönen Blumen liegt ...
Direkt einsteigen!

Häufig vertändeln Autoren ihre Zeit. Sie verbringen zu viel Zeit – oder eben zu viele Worte – damit, die Szenerie zu beschreiben oder die Hintergründe zu schildern.

Ich muß beim Anfang einer Geschichte oder eines Romans nicht wissen, wie der Held der Geschichte aussieht. Weitaus wichtiger ist die Szene an sich, die den Leser ansprechen soll. Erst in den folgenden Szenen können Hintergründe eingearbeitet werden. Vor allem können solche Enthüllun-gen, wenn sie dosiert eingesetzt werden, einer Geschichte oder einem Roman zusätzliche Spannung verleihen.

Bei Seminaren gebe ich immer wieder den Tip, konzentriert Kurzgeschichtensammlungen durchzuschauen, um zu erkennen, wie bekannte Autoren ihre Anfänge setzen. Welche Stilmittel benutzen sie? Wie setzen sie die Aussagen? Wie pontiert schreiben sie? Jeder Autor hat seine Vorzüge, und es hat noch nie geschadet, sich bei diesen Vorzügen schonungslos zu bedienen.

Ein gutes Hilfsmittel ist dabei übrigens eh die Kriminalgeschichte, die meist stärker auf Pointen setzt. Die Erkenntnisse einer solchen Untersuchung, die jeder für sich selbst machen kann und soll, sind leicht auf die Science Fiction zu übertragen. Übrigens auch auf jede andere Literaturrichtung.

Wobei es noch einen wesentlichen Unterschied verschiedener Richtungen gibt: Bei der Kurzgeschichte muß der Einstieg in den Text wesentlich prägnanter und kürzer sein als der Roman. Hier muß noch sorgfältiger gearbeitet werden.

Stilübungen

Im übrigen ist es ein ganz interessanter Ansatz, bei anderen Autoren zu schauen, wie sie was gemacht haben. Am besten übrigens von Autoren, die einem vielleicht nicht so liegen. Und natürlich von Autoren, die richtig gut sind.

Dialoge beispielsweise würde ich anhand von Hemingway-Texten üben. Wie der amerikanische Nobelpreisträger in seinen Kurzgeschichten die Menschen sprechen läßt, ist nach wie vor sagenhaft. Mit wenigen Sätzen werden Menschen plastisch, werden ihre Handlungen nachvollziehbar, wird von Satz zu Satz klarer, warum sich wer wie verhält.

Bei der Science Fiction die Auswahl an Autoren ebenfalls groß. Im deutschen Sprachraum kann beispielsweise Hans Kneifel mit seinen Beschreibungen genannt werden. Man muß das nicht unbedingt mögen – die Art und Weise aber, wie der PERRY RHODAN- und ATLAN-Autor höfische Szenen in Ägypten oder auf Arkon lebendig gemacht, ist faszinierend. Diese Technik nachzumachen dürfte allerdings nicht gerade sehr einfach sein. Gerade angehende Autoren, die Hans-Kneifel-Beschreibungen nicht mögen, sollen aber eben dies einmal versuchen. Und werden feststellen, wie verdammt schwer es ist, so etwas einfach »nachzumachen«.

Es geht hier nicht darum, zum Plagiat aufzurufen. Es geht darum, zur Übung aufzurufen. Mal einige Tage lang Kneifel-Stil üben – das kann nicht schaden.

Oder Dialoge schreiben. Mal einen Dialog zwischen Ermittler und Täter erfinden. Oder ein Gespräch zwischen zwei Außerirdischen, die eine grundsätzlich andere Denkweise haben. Oder eben eine Diskussion zwischen einem Roboter und einem Menschen. Möglichkeiten gibt es unendlich viel.

In den Literatur-Seminaren in Wolfenbüttel üben die Dozenten mit den Teilnehmern gerne einzelne Dinge wie Dialoge, Anfänge oder »Begegnungen«. Solche Übungen können als Fingerübung auch zu Hause vorgenommen werden. Dabei lassen sich immer wieder schöne Erkenntnisse nachweisen. Das empfehle ich allen angehenden Autoren.

Üben! Üben! Üben!

»Übung macht den Meister« ist einer der ältesten Sprüche überhaupt. Viel zu wenige beziehen diesen Satz auf die Schriftstellerei. Die meisten Autoren gehen davon aus, daß ihnen das Talent nur so zufliegen würde. Leider ist diese Denkweise völliger Unfug.

Das Schreiben von Kurzgeschichten und Romanen ist knallharte Arbeit. Natürlich sollte man ein gewisses Talent mitbringen, um richtig gut schreiben zu können. Viel wichtiger aber erscheint mir immer wieder eine ausreichende handwerkliche Basis.

Bei jedem Schreiner, Maurer oder Bankkaufmann gehe ich davon aus, daß der Mann oder die Frau eine mehrjährige Ausbildung hinter sich gebracht hat, bevor man ihn auf die Menschheit losließ. Autoren scheinen jedoch zu glauben, diese Ausbildung nicht leisten zu müssen. Entsprechend sind die Ergebnisse, die einem manchmal vor die Augen geknallt werden.
Warum wohl hat eine Reihe von PERRY RHODAN-Autoren jahrelang in Fan-Zeitschriften publiziert? Warum sind die besten amerikanischen Science-Fiction-Autoren jahrelang als Studenten bei den Clarion Workshops gewesen, um sich dort grundlegende Arbeitstechniken vermitteln lassen?

Es hat noch keinem geschadet, möglichst viel zu lernen – vor allem nicht dem Autor oder Redakteur. Und mit diesen salbungsvollen Worten soll dieser Beitrag auch enden ...

Klaus N. Frick

 

Einige Tips für angehende Autoren– Teil 6

Schuld an dieser Folge ist Martin Marheinecke aus Hamburg. Der Mann schreibt selbst Geschichten für Fanzines, ist damit eine potentielle Zielgruppe für diese Artikelreihe. Aber er hat mich im vierten Teil der Reihe bei einem peinlichen Fehler ertappt. Grund genug, auf zwei andere grundsätzliche Dinge hinzuweisen ...

Wie es sich für einen guten Leserbriefschreiber gehört, beginnt der Autor mit einem Lob. »Die wahrscheinlich nützlichste Reihe in der SOL (zumindest für Möchtegern-Schreiberlinge) dürften Klaus N. Fricks Tips für angehende Autoren sein«, schmeichelt mit der gerissene Schurke aus Hamburg, um gleich darauf mit einem Blattschuß zu landen. Ich zitiere: »Allerdings birgt KNFs Text einige Überraschungen für den stilbewußten Leser: ... der Mann ist heute Chefredakteur der führendsten Zweiradzeitschrift im deutschen Sprachraum.« Und während ich noch innehielt und tief Luft holte, streute Martin H. noch ein bißchen Salz in meine Wunden. »Bisher war ich der Ansicht, führend ließe sich nicht mehr steigern, da es ja schließlich nur eine führende deutsche Motorradpostille geben kann. Tja, man lernt nie aus!«

Natürlich hat Martin Marheinecke völlig recht, und ebenso natürlich hatte ich sofort einen Schuldigen für das Debakel gefunden. Was zu dem eigentlichen Thema dieses Artikels führt ...

Kritiker und so

Seltsamerweise gehen die meisten Autoren, vor allem die unerfahrenen, davon aus, daß ihre Texte schon gut sind, so wie sie sind, und daß man sie deshalb nicht sonderlich überarbeiten muß. Andere – darunter ich – verlassen sich gelegentlich darauf, daß ihr Text schon noch von irgend jemand Korrektur gelesen, redigiert oder sonstwie bearbeitet wird. In meinem Fall war der Schuldige natürlich Klaus Bollhöfener. Dieser Herr ist Redakteur der SOL, damit für den Inhalt verantwortlich und damit schuld an dem Fehler. Letztlich gilt ja die eiserne Regel. »Ist ein Text gut, war’s der Autor. Ist ein Text schlecht, war’s der Redakteur. Sind Fehler enthalten, war’s der Lektor.«

Genug geblödelt. Tatsache ist, daß wirklich jeder Text überarbeitungswürdig ist. Sogar Nobelpreis-träger wie Heinrich Böll ließen ihre Texte von der sorgsamen Arbeit eines Lektors glätten; Unter-haltungsautoren wie Johannes Mario Simmel bekennen bei jeder Gelegenheit, daß ihr Lektor ihnen viel hilft. Bei PERRY RHODAN gibt es zwei bis drei Menschen, die sich jeden Roman vornehmen und auf Fehler überprüfen.

Daß dennoch manchmal Fehler übersehen werden, liegt an der Natur der Sache. Kein Mensch ist vollkommen. Manche Kritiker übersehen das gelegentlich ...

Aber darum soll es ja gar nicht gehen. Viel wichtiger ist eine kontinuierliche Textarbeit. Ich empfehle nicht, halbfertige Texte rumzuzeigen. Sinnvoller ist es, einfach abzuwarten, bis ein Text richtig fertig ist, sei es nun eine Kurzgeschichte, ein Artikel oder gar ein Roman. (Außer man will wissen, ob die Richtung stimmt, aber das ist wieder eine Ausnahme.)
Ich empfehle auch nicht unbedingt, den Text den besten Freunden, dem Lebenspartner oder den Eltern zu zeigen. Das ist nur dann zu empfehlen, wenn diese Menschen die entsprechende Distanz zu dem Text entwickeln können und nicht kritiklos damit umgehen. Es ist niemanden damit gedient, wenn er auf einen Text ein »Na ja, nicht schlecht« bekommt und sonst nichts ... Sinnvoll ist stets ein Mensch, der ein Text kritisch untersucht, der die Schwachpunkte offenlegt, der aber auch sagt, was ihm gefällt und was nicht.

Man muß übrigens nicht alle Kritikpunkte, die man in einem solchen Fall zu hören kriegt, in seinen Text einarbeiten. Letzten Endes wird eh jeder Kritiker etwas anderes vorschlagen. Aber es schadet nichts, sich aus mehreren Richtungen die entsprechende Kritik zu holen und dann das umzusetzen, was man für sinnvoll erachtet.

Überarbeiten!

Kein Text ist heilig. Wenn die Geschichte geschrieben ist, der Artikel verfaßt oder der Roman abgeschlossen, ist die Sache noch lange nicht erledigt. Sinnvoll ist eigentlich, den Text einige Tage lang liegenzulassen und ihn dann erneut zu untersuchen, ihn gewissermaßen als »fremde Arbeit« zu be-trachten und gründlich durchzuschauen. Man erhält dabei ganz andere Einblicke in seine eigene Arbeit. Wenn diese Zeit nicht vorhanden ist, muß eben gründlich und mehrfach gelesen werden ...

Ein guter Trick, sich seinen eigenen Text »fremder« zu machen, ist übrigens, ihn sich laut vorzulesen. Unglaubliche Tiefen können sich da auftun. Plötzlich bemerkt der Autor selbst, daß sein Text nicht stimmt; beim Vorlesen stolpert man leichter über stilistische Holpereien und unsaubere Formulierungen. Das gewissermaßen natürliche Sprachgefühl reagiert wie ein Sensor auf solche Dinge, die einfach nicht stimmen.
Und dann gibt es nur eines: noch mal auf den Hosenboden setzen und alles noch einmal durcharbeiten. Bitte gründlich! Braucht man wirklich jedes Adjektiv, müssen die Dialoge so verfaßt sein, sind die Beschreibungen in der Geschichte zu lang? Gute Autoren denken sich in solchen Fällen gewissermaßen in ihre Leser hinein, versuchen ihren eigenen Text aus der Sicht eines anderen Menschen zu betrachten.
Hm. Fehler lassen sich trotzdem nicht ausschließen. Dafür ist letztlich der Lektor da. Aber trotzdem sollte ein Autor ein so gut wie möglich geschriebenes Werk abliefern, keine Erstversion, an der noch alles korrigiert und verändert werden muß ...

Dumme Wörter

Nochmal zurück zum Anfang. Jeder Autor weist bei seiner Schreibe charakteristische Schwächen auf, die er normalerweise nicht bemerkt. Es ist sehr hilfreich, sich eine Liste seiner eigenen Schwächen anzufertigen (natürlich geht das nur, wenn jemand auf diese Schwächen hingewiesen hat ...) und damit anschließend den Text noch einmal durchzugehen.
Wörter wie »führendst« sind trotzdem schrecklich und dürfen in einem Text nicht enthalten sein. Es handelt sich hier um stilistische Schlampereien, die man unbarmherzig aus dem Text streichen muß. Das Wort »führend« läßt sich ebensowenig steigern wie die Wörter »voll« oder »leer«. »Voller als voll« kann kein Glas werden ... Hier heißt es aufpassen. Im normalen Sprachgebrauch werden sol-che Formulierungen gerne benutzt – hier stören sie auch nicht. Im Text dürfen sie einfach nicht stehen!

Jeder Mensch neigt dazu, gewisse Wörter überproportional zu benutzen. Ich leide beispielsweise an der »noch-schon-auch«-Krankheit, das heißt, daß ich diese Wörter ständig in Texten einarbeite. Ähnlich häufig benutze ich Doppelpunkte und Gedankenstriche, um meine Texte zu gliedern. Liest die PERRY RHODAN-Redakteurin Sabine Bretzinger meine Texte, bemängelt sie das stets; mir selbst fällt das kaum ins Auge. Habe ich allerdings die Zeit, meinen eigenen Text gründlich durchzuschauen, kann ich auffällige Wiederholungen rasch streichen und meinen Text dadurch besser und lesbarer machen.

Kurzum: Kein Text ist heilig. Jede Bearbeitung hilft. Und kein Autor ist fehlerfrei! (Übrigens auch kein Leser, aber das ist eine andere Geschichte ...)

Klaus N. Frick
 
Einige Tips für angehende Autoren– Teil 7

Nachdem ich schon in der letzten Folge auf stilistischen Details geradezu herumgeritten bin, folgt diesmal ein kleiner »Nachschlag«. Grund ist ein Manuskript, das dieser Tage bei mir eintraf und eigentlich eine ganz spannende Geschichte zu erzählen wußte. Eigentlich ... Der Autor sorgte nämlich durch stilistische Kapriolen dafür, daß die Geschichte keinen Deut mehr gefallen konnte.

Solche Kapriolen lassen sich meiner Meinung nach leicht vermeiden. Es gibt eine Reihe von deutschsprachigen Büchern, die sich mit dem Stil beschäftigen; dazu kommen Sachbücher für Jour-nalisten, Drehbuchautoren und Schriftsteller. Es kann nicht schaden, sich solche Bücher anzuschau-en. Nicht jedes Buch ist für jeden angehenden Autor sinnvoll und nachvollziehbar, deshalb empfehle ich einen »Blick zuvor«. Und als kleine Einstiegshilfe gibt es in dieser Folge meiner Reihe gleich die angekündigten kleinen Hinweise.

Die Koppel-Falle

Diesen Fehler begehen sinnigerweise vor allem jene Autoren, die schon geübt sind in der deutschen Sprache, die sich seit längerem mit ihrem Stil beschäftigen und die sich deshalb bemühen, einen möglichst großen Wortschatz zu benutzen. Dummerweise rutschen sie dann gleich wieder ins ande-re Extrem: Sie benutzen zu viele Adjektive – und diese koppeln sie in manchmal unerträglicher Art und Weise mit Verben oder Substantiven.
Das Manuskript, das ich dieser Tage bekam, war ein schönes Beispiel dafür. Der Autor ließ bereits auf der ersten Seite kein erdenkliches sprachliches Klischee aus. Der Held setzt sich auf einen Klappstuhl, und dieser ist ... na? ... dieser Klappstuhl ist natürlich hölzern. Unser Held hebt seinen speckigen Filzhut zu einem kecken Gruß, er nimmt sein angeschmutztes Taschentuch zur Hand, wischt damit über die schweißnasse Stirn und blickt in die grelle Sonne. Daß der Sand der Wüste, in der er sich aufhält, hell ist und die wenigen Palmen am Horizont grüne Blätter besitzen, verschweigt der freundliche Autor ebensowenig.
Was ich damit meine: Die Koppelung von Hauptwort und Adjektiv birgt derart viele Koppel-Fallen in sich, daß man sehr wohl aufpassen muß, daß nicht ein Klischee auf das andere folgt ... Mit zielsicherem Instinkt finden zahlreiche Autoren genau die »richtigen« Koppel-Fallen, die ihr Manuskript letztlich unlesbar machen.

Fast noch schlimmer ist aber die andere Unsitte, die sich leider auch bei professionellen Schriftstel-lern zu häufig findet. (Und Redakteuren, keine Sorge ...) In diesem Fall werden Verben mit Adjektiven bzw. Adverben gekoppelt. Die Personen entrüsten sich – natürlich »gespielt«. Sie lachen – na-türlich »schallend«. Sie schauen jemanden an – natürlich »erschrocken«. Sie krächzen – natürlich »erregt«. Oder sie murren – logischerweise »unwillig«. Ganz zu schweigen von Helden, die »laut« rufen, »leise« flüstern oder gar »schnell« rennen. Zwei Drittel dieser Verb-Ergänzungen kann ersatzlos gestrichen werden, und es sind im Normalfall immer noch zuviel dieser Konstruktionen im Text vorhanden!

Die Steigerung ist das sogenannte Doppelmoppeln: Ich will schon gar nicht vom »weißen Schimmel« anfangen, solche Fehler dürften eigentlich niemandem mehr passieren, der sich kritisch mit dem eigenen Text beschäftigt. Wenn aber eine im Roman geschilderte Landschaft »öde« ist, gehe ich davon aus, daß sie auch »abwechslungslos« ist. Das zweite Adjektiv ist bei einer solchen Aufzählung problemlos zu streichen; im Zweifelsfall muß der Autor das stärkere nehmen, das, welches am besten paßt. Sehr oft benutzen Autoren »doppelt gemoppelte« Formulierungen, bei denen das zweite Adjektiv das erste nur in anderer Form wiederholt.
Abschließend kann zu diesem Thema nur die Tageszeitung zitiert werden, für die ich früher gearbeitet habe. Dort gab es einen geflügelten Spruch, den der Redakteur auch aus einem schlauen Buch geklaut hatte: »Wenn du ein Adjektiv in deinem Artikel brauchst, geh hoch zum Chefredakteur und frag bei dem nach, ob es überhaupt nötig ist.«

Wobei zu einem guten Text natürlich gut gewählte Adjektive gehören. Aber das wiederum ist ein ganz anderes Thema ...

Das Bestiarium

Dieser Abschnitt paßt gut. In vielen Romanen kommt man sich nämlich vor, als halte man sich in einem Zoo auf. Die jeweiligen Personen krächzen und brummen, sie murren und schnaufen, sie brüllen und grollen, sie murmeln und schauen wölfisch. Auf die Dauer wirkt das mehr als albern; man hat als Lektor oder als Leser das Gefühl, der Autor wolle vor allem beweisen, wie gut er den Griff ins Synonym-Lexikon beherrscht oder wie gut er in punkto Wortschatz ist.

Ein schlichtes »er sagte« ist häufig einer Formulierung wie »er schnaufte« vorzuziehen, wenn es keinen Grund gibt, wie ein Walroß zu schnauben. In den meisten Fällen »sagt« man nämlich wirklich etwas, oder man »spricht« etwas. Selbst wenn jemand entsetzt in die Wäsche guckt, ist sein Kommentar zu irgendwelchen Enthüllungen selten »geröchelt«. Bei solchen Szenen ist häufig ein bißchen »weniger« deutlich mehr.

Die »und«-Langweiler

Eine Falle, in die auch professionelle Autoren gerne tappen: Sie wollen Spannung erzeugen und hängen zusammengesetzte Hauptsätze aneinander. Oder, noch besser: Sie reihen Nebensätze anein-ander, die sie durch »und«-Konstruktionen verbinden. Je nach Text, sind die Folgen häufig fatal. Anstatt daß der Text spannender wird, endet er in Langeweile. Nicht gut ... das will ja kein Autor.

Konkretes Beispiel gefällig? »Der Raumfahrer blickte auf und sah in die Ferne. Langsam erhob sich dort das Raumschiff vom Landefeld und verschwand in der dichten Wolkendecke. Der Raumfahrer hob die Hand und schickte seinen Freunden einen letzten Gruß hinterher.« Jeder Satz für sich ist richtig, insgesamt ergibt sich ein kreuzlangweiliger Text. Warum? Weil dreimal hintereinander dieselbe Konstruktion kommt – für den Leser wird die sprachliche Abfolge somit nicht mehr interessant und fesselnd, er verliert sehr schnell den Faden. Ein schlichter Trick ist hier, einfach einmal ein »und« wegfallen zu lassen und durch ein Komma zu ersetzen. Besser wäre allerdings, zwei der drei Sätze so umzustellen, daß der Schwerpunkt des Satzes ein anderer wird und die »und«-Konstruktion ganz verschwindet.

Dasselbe gilt selbstverständlich für zusammengesetzte Hauptsätze. Über die neue deutsche Rechtschreibung, nach der in solchen Fällen nicht einmal mehr ein Komma vor dem »und« gesetzt werden soll, muß ich mich an dieser Stelle hoffentlich nicht auslassen; zu diesem sprachlichen Unsinn wurde an anderer Stelle schon genug geschrieben. Ein solcher Satz kann nämlich durchaus unterhaltsam sein: »Die Stimmung in der Arena schien zu kochen, und Atlan spürte, wie seine Anspannung wuchs. Sein Gegner wagte einen neuen Angriff, er hob sein Schwert, die Waffe raste von schräg oben auf den Arkoniden zu, und Atlan konnte sich im letzten Augenblick zur Seite rollen, sprang auf, und dann stand er auf den Beinen und konnte nun seinerseits den Gegner angreifen.« Das geht, das ist in Ordnung – aber dann bitteschön nach einer solchen Abfolge von mehreren »und«-Konstruktionen den Blickwinkel und den Stil der jeweiligen Sätze wechseln. Sonst wird aus der spannenden Action-Szene ganz schnell ein Langweiler.

Einige Kleinigkeiten

Vermeiden sollte man übrigens allgemein, Formulierungen zu wiederholen. Das bezieht sich auch auf Sätze mit reflexiven Verben wie »er duckte sich« oder »er bewegte sich«. Dreimal »sich« in einem Satz zu benutzen ist definitiv zu viel – davon lassen sich zwei ohne Problem streichen.

Beim nächsten Mal sollte ich vielleicht einmal von den sprachlichen Klischees auf die rein inhaltli-chen Klischees überwechseln. Auch hier gibt es einiges zu beachten, und das bezieht sich nicht nur auf Texte aus den Bereichen Science Fiction und Fantasy, sondern ebenso auf Texte der sogenannten allgemeinen Literatur oder des Krimis.

Klaus N. Frick
 


Einige Tips für angehende Autoren– Teil 8


Diese Folge entsteht unter mörderischem Zeitdruck. Man muß sich gewissermaßen vorstellen, der Redakteur der SOL steht hinter dem Autor dieser Zeilen, schwingt die Zeilen und ruft immer wieder »Ich will den Artikel!« Die Entschuldigung, man habe doch erst gerade die Frankfurter Buchmesse hinter sich gebracht und sei permanent im Zeitdruck, bringt hier leider nicht viel ...

Aus diesem Grund ist diese Folge von »Einige Tips für angehende Autoren« eine eher kurze Abhandlung mit einigen kürzeren stilistischen Einzelheiten. Häufig handelt es sich hier um Geschmackssache, selbstverständlich, aber es schadet nichts, sich über solche geschmäcklerischen Dinge auch zu kümmern. Ein Autor, der seine Formulierungen gut bis sehr gut wählt, hat es stets leichter, sich mit seinen eigenen stilistischen Mitteln gegen einen Lektor durchzusetzen, auch wenn diese Mittel haarscharf an den Regeln der Grammatik vorbeigleiten könnten.

Problemfall Präsens

Gelegentlich muß ein Autor, will er seine Geschichte in einer passenden Umgebung ansiedeln, Beschreibungen liefern. Dabei kommt es häufig zu Beschreibungen im Präsens. Konkretes Beispiel gefällig?
»Während Peter Müller im Flugzeug seine Akten durchblätterte, rief er sich noch einmal in Erinnerung, was er alles über Uganda wußte. Das Land grenzt an den Sudan, an das vom Bürgerkrieg verwüstete Kongo, an Kenia und Ruanda. Seine Hauptstadt heißt Kampala, und einen großen Teil ihres Proteinbedarfs deckt die Bevölkerung aus den Fischen, die in den großen Seen gefangen werden. Müller schaute nachdenklich zum Fenster hinaus. Das war es. Fische ... Er lächelte leicht.«

So kann man es machen, es ist eigentlich nicht falsch. Denn natürlich ist das, was in diesem Text beschrieben wird, faktisch richtig. Man kann es also tatsächlich in der Gegenwartsform schreiben. Ganz ehrlich: Ich finde, das liest sich gräßlich. Wenn der ganze Roman in der Vergangenheitsform erzählt ist, sind Landschaftsbeschreibungen und allgemeine Informationen, die auch »jetzt« gelten, trotzdem in dieser Vergangenheitsform zu bringen. Vor allem, wenn es um Informationen geht, die zur Geschichte gehören, die sie vorantreiben sollen.
Vielleicht sollte man als Autor deshalb die eine Regel beherzigen: Bitte bleib in der Zeitform, die zu Deiner Geschichte gehört.

Aber natürlich hat jede Regel auch ihre Ausnahme. In diesem Fall geht es wieder um das Präsens. In spannenden Geschichten kann es nämlich durchaus ein interessanter Kunstgriff sein, bei Action-Szenen von der Vergangenheits- in die Gegenwartsform zu wechseln. Das ist mit Filmen vergleichbar, in denen die Zeitlupe eingesetzt wird. Die Gegenwartsform liest sich in diesem Fall ebenso wie eine Zeitlupe, macht die Geschehnisse der Action-Szene unter Umständen stärker erfahrbar, erhöht die Anteilnahme des Lesers am Schicksal des Helden.
Aber eins darf hier nicht übersehen werden: Solche Präsens-Szenen dürfen nicht zum Selbstzweck werden. Wer sie einsetzt, muß genau wissen, was er mit ihnen vorhat. Und mehr als nötig darf er sie ebenfalls nicht benutzen, denn sonst werden sie in einer Häufung ganz schnell langweilig!

»Völkische« Klischees

Vor allem in schlechten Romanen auch professioneller Autoren finden sich Klischees zuhauf. Albanische Männer fuchteln bei jeder Gelegenheit mit dem Messer, afrikanische Männer sind wahre Sex-Wunder, und türkische Männer neigen zur Sentimentalität. Asiatische Frauen werden als »an-schmiegsam« beschrieben, Russinnen besitzen schwarze Haare und sagen bei jeder Gelegenheit »Towarischtsch«, während Amerikanerinnen zickig sind und mit lackierten Fingernägeln durch die Luft wedeln. Will der Autor dann zu allem Überfluß noch seine politische Korrektheit beweisen, führt er einen Deutschen ein, der sich wie ein Nazi verhält, seine Haare streng scheitelt und einen Deutschen Schäferhund besitzt.

Ganz ehrlich: Ich will so etwas nicht lesen. Und man sollte die Leser nicht so einschätzen, daß sie so etwas lesen wollen. Mag sein, daß die Boulevard-Presse die Klischeebildung bei den Menschen verstärkt. Als Schriftsteller hat man jedoch die Ausgabe, solchen Klischees entgegenzuwirken. In jedem Volk gibt es »solche und solche«, um es plump zu sagen. Also sollte man die Menschen entsprechend schildern.
Das heißt aber jetzt bitteschön nicht in vorauseilendem Gehorsam aus jedem Fremden, der in einer Geschichte vorkommt, sofort einen »Gutmenschen« zu machen. Wenn es für eine Geschichte oder einen Roman wichtig ist, daß ein Arkonide ein arroganter Pinsel ist, darf der Autor das selbstverständlich tun. Wer für eine Kriminalgeschichte, die in Hamburg spielt, unbedingt einen schwarzen Drogenhändler braucht, kann diesen als Figur in seiner Geschichte verwenden. Es geht letzten Endes darum, für den Leser eine Welt zu erschaffen, die glaubhaft ist – ob es sich nun um eine Krimi-Geschichte in Deutschland oder einen Science-Fiction-Roman in den Tiefen der Milchstraße handelt.

Klischees kann man so und so vermeiden. Je vielfältiger die Ausdrucksweise eines Autors ist, je mehr er sich darum bemüht, die Stärken und Schwächen all seiner Figuren zu erkennen und sie bei Bedarf auch einzusetzen, um so weniger tappt er in die Klischee-Falle.


Klaus N. Frick

 

Einige Tips für angehende Autoren – Teil 9

Nachdem ich es nicht geschafft habe, in der letzten SOL einen Text mit Tips für Autoren zu schreiben, gibt es diesmal wieder eine Folge. Heute geht es mehr um die »Stilschule«, sprich um kleine Hinweise darauf, wie man einen Text durch kleine Änderungen verbessern kann. Wobei auch hier gilt, daß nur Übung erst den Meister macht ...

Immer wieder stelle ich fest, daß ich bei der Lektüre von Geschichten schon sehr schnell über die ersten Sätze stolpere und dann keine Lust mehr habe. Das ist nicht unbedingt mein Fehler, vielleicht ein Fehler meiner Ungeduld – es ist ein Fehler des Autors oder der Autorin. Ziel eines Schriftstellers sollte ja schließlich sein, seine Leser so zu fesserln, daß diese nicht mehr aufhören können, an seinem Text weiterzulesen.
Dazu benötigt man natürlich eine spannende Geschichte. Hilfreich ist aber ebenso, wenn der Text so gut aufgebaut ist, daß jeder Satz für sich spannend und passend ist. Stimmen der Stil und die grammatische Richtung nicht, kann sich der Autor noch so viel Mühe geben und niemand wird seinen Text interessant finden. Um es fies zu sagen: Wenn ich gleich im ersten Satz über grammatikalische Fallen und stilistische Pannen stolpere, verliere ich die Lust am Weiterlesen. Dann muß ich nämlich davon ausgehen, daß der Autor – wenn er schon solche Kleinigkeiten nicht beherrscht – nicht in der Lage ist, seinen Text ausreichend professionell und interessant zu gestalten.

Die folgenden Tips können nur Hinweise geben. Auf dem deutschsprachigen Markt existieren eini-ge Sachbücher, die sich mit stilistischen Fragen beschäftigen. Zu empfehlen sind unter anderem die mehrfach nachgedruckten und in verschiedenen Verlagen publizierten Bücher von Wolf Schneider, die so schöne Titel wie »Deutsch fürs Leben« und »Deutsch für Profis« tragen. Deren Lektüre wird von mir dringlich ans Herz gelegt!

Das passende Wort

Wie wichtig es ist, das ideale Wort zu finden, habe ich im Rahmen meiner Artikelserie schon gele-gentlich erwähnt. Mein schönstes Beispiel ist stets der folgende Satz: »Peter befand sich hinter dem Busch.« Das Beispiel bringe ich immer wieder, weil es so schön einleuchtend ist. Wie einfach wäre es, hier einfach zu schreiben: »Peter saß hinter dem Busch.« Oder eben auch: »Peter stand hinter dem Busch.« Oder noch besser: »Peter kauerte hinter dem Busch.« Mit dem Wort »kauern« assoziiert der Leser nämlich gleich eine gewisse Heimlichkeit, als ob Peter etwas zu verbergen hätte. Das weckt Interesse, da will man doch eher weiterlesen, als wenn sich Peter einfach irgendwo »befindet«.

Oft kann man ein starkes oder ein schwaches Verb benutzen. Natürlich kann man beispielsweise »Gewinn machen«, besser ist allerdings die Formulierung »Gewinn erzielen« oder gar »Gewinn erwirtschaften«. Fröhliche Familien können »Reisen machen«, sie können aber auch »Reisen unter-nehmen« oder gar »auf Reisen gehen«. Alles nur eine Frage der Perspektive – und vor allem eine Frage des passenden Wortes.
Nicht nur Verben müssen passen, auch bei Adjektiven – sofern sie überhaupt sinnvoll sind – ist es nötig, daß sie »stimmig« sind. Natürlich kann ich schreiben, daß jemand »groß« ist. Will ich aber beispielsweise schreiben, welchen Eindruck ein Haluter auf einen Menschen hat, wäre das Wort »riesig« angebracht, vielleicht auch das Wort »gigantisch« (was eh dasselbe ausdrückt), vielleicht sogar das Wort »erdrückend« oder »überwältigend« - dann nämlich, wenn sich der Haluter in eine Raumschiffzentrale hineinbewegt, in der er eigentlich keinen Platz haben dürfte.

Es geht jetzt nicht darum, bei jeder Gelegenheit auf den Putz zu hauen und Wörter zu finden, die das normale Wort übertreffen. Ein schlichtes »groß« kann genügen, ein harmloses »sagte« viel mehr bedeuten als ein »grummelte« oder gar »antwortete«.

Indirekte Aussagen

Am besten ist es ohnehin, gewisse starke Worte durch indirekte Aussagen zu unterstreichen. Die Tatsache, daß jemand »groß« ist, läßt sich doch auch so formulieren: »Um dem Haluter in die Augen sehen zu können, mußte Perry den Kopf in den Nacken legen.« Oder gerne auch: »Die Finger des Ertrusers waren dicker als Atlans Unterarme.« In einem solchen Fall muß ich erst gar nicht mehr dazu schreiben, daß der Ertruser mit einiger Sicherheit kräftiger ist als unser so schwächlich wirkender Arkonide ... da ist die indirekte Beschreibung um einiges aussagekräftiger.

Eine direkte Aussage ist: »Er war nervös.« Kann man stehen lassen, stimmt ja sicher auch. Warum aber nicht einfach umschreiben? Kleines Beispiel: »Myles Kantor wischte sich seine widerstrebende Strähne aus der Stirn, nagte mit den Zähnen auf der Unterlippe. Mit den Fingern der rechten Hand kratzte er seinen linken Handrücken.« Das Verhalten des Wissenschaftlers sagt aus, daß mit ihm etwas nicht stimmt; da muß man dann nicht mehr schreiben, daß er nervös ist. Für den Leser ist das nachvollziehbar, und der Autor kann mit solchen einfachen Konstruktionen dem Leser die Person seines Textes weitaus besser nahebringen.
Bewegungen machen einen Text lebendiger. Ich empfehle in meinen Seminaren in Wolfenbüttel den Autoren gerne, sie sollen lieber Handlungen darstellen als nüchtern zu beschreiben. Ich will nicht vom Autor als Tatsache hingestellt bekommen, was er sieht, sondern ich möchte es selbst #sehen#, möchte auf diese Weise selbst einen Eindruck vom Geschehen bekommen. Werde ich als Leser zum Mitfühlenden und Mitleidenden, wird mein Eindruck vom Geschehen ganz anders.
Es nützt mir wenig, wenn der Autor mir sagt, seine Hauptperson habe Angst. Lese ich aber, wie sich diese Angst auswirkt, wie die Person schwitzt, wie ihre Zähne klappern, wie sie sich nervös umschaut und wie sie bei jedem Geräusch zusammenzuckt, wird das Geschehen für mich wesentlich intensiver und der Text dadurch spannender.

Partizipialkonstruktionen

Bei allen Sätzen warten schöne Fallen auf den Leser, die in der deutschen Grammatik ihren Ursprung haben. Im englischen klingt manches ja schön: »Walking down the street he talked about ...« Auf deutsch kann man das nicht wörtlich übertragen: »Die Straße hinuntergehend sprach er über ...« Also dann doch bitteschön: »Während er die Straße hinunterging, sprach er über ...« Das leuchtet jedem ein, das lernt man normalerweise auch im Schulunterricht.

Warum dann so viele Autoren trotzdem Konstruktionen benutzen, in denen es von umständlichen Partizipien und anderem nur so wimmelt, ist mir schleierhaft. »Während Atlan, sich auf dem Boden abrollend, seinen Strahler abfeuerte, teleportierte Gucky.« Nicht unbedingt genial, aber schlicht und ergreifend besser ist doch: »Während Atlan sich auf dem Boden abrollte und seinen Strahler abfeuerte, teleportierte Gucky.« Daß beide Handlungen, das Abrollen und das Schießen, gleichzeitig pas-sieren, belegt das schöne Wörtchen »und«, da brauche ich keine
Partizipialkonstruktion.

Manchmal kann diese ja schön sein, manchmal erzielt sie auch eine Wirkung. In der direkten Rede lasse ich sie mir beispielsweise durchaus gefallen – da kann sie ja eine Figur entsprechend charakterisieren. Unpassend sind solche Konstruktionen jedoch in beschreibenden Texten, vor allem dann, wenn Tempo erzeugt werden.

Synchronesisch

Noch einige Sätze zum Vormarsch der englischen Sprache, gegen den ich nichts habe. Begriffe wie »Internet« kommen aus gutem Grund aus dem Englischen, und es ist meiner Meinung nach Unsinn, einen Kampf um die Reinhaltung der deutschen Sprache zu führen. Wovor man sich als Autor je-doch hüten sollte, ist, zu viele unverständliche Fremdwörter zu benutzen (dazu sicher ein andermal) oder gar auf Synchronesisch umzusteigen.
Dieser Fachbegriff stammt von Ronald M. Hahn, dem Autor, Übersetzer und Herausgeber. Er führt gewisse Formulierungen, die mittlerweile von vielen Autoren benutzt werden, darauf zurück, daß man schlechtes Deutsch ständig im Fernsehen hört. Dann nämlich, wenn Fernsehserien schnell und billig ins Deutsche synchronisiert werden.

Da entstehen dann eben lustige Konstruktionen. Aus »not really« wird nicht – wie es richtig wäre – ein »eigentlich nicht«, sondern ein »nicht wirklich«. Und ein »no idea« bedeutet nicht »keine Idee«, sondern natürlich »keine Ahnung«. Von einem »nervösen Zusammenbruch«, einem »nervous break-down«, der in Wirklichkeit natürlich ein »Nervenzusammenbruch« ist, wollen wir schon gar nicht reden.

Das schlimme: Nicht nur in schlecht synchronisierten amerikanischen Fernsehserien finde ich solche Formulierungen, sondern eben auch in deutschen Texten. Da haben die Autoren einfach das falsche Deutsch aus dem Fernsehen im Kopf, und das ist häufig peinlich.

Wer die Formulierung »es macht keinen Sinn« benutzt, guckt meiner Meinung nach zu viel fern. »It makes no sense« gibt es natürlich im Englischen, im Deutschen würde ich aber lieber ein »es ergibt keinen Sinn« oder gar ein »es ist sinnlos« lesen. Manchmal ist die deutsche Sprache nämlich tat-sächlich kürzer und prägnanter als die englische.
Und mit diesen schönen Worten möchte ich diese Predigt für diese SOL-Ausgabe beenden.

Klaus N. Frick
 


Einige Tips für angehende Autoren – Teil 10

Vorspann:

In dieser Folge geht’s um das heikle Thema Ausbildung. Erstaunlicherweise scheinen viele Schriftsteller im deutschsprachigen Raum nämlich zu glauben, sie müßten ihr Handwerk nicht lernen, sondern könnten einfach »drauflos schreiben«, um nach dem Motto »Learning By Doing« irgendwie schon ihre epochalen Romane zustande zu bringen. Aus persönlicher Anschauung will ich diesmal über potentielle Ausbildungsmöglichkeiten schreiben.

Bei jeder Gelegenheit wird immerhin darüber gejammert, wie ach so überlegen die amerikanischen Schriftsteller den deutschen seien. Jeder Verlag sei nur noch daran interessiert, die leicht verkäuflichen amerikanischen Romane in die deutsche Sprache zu übersetzen, um sie hier zu veröffentlichen. Sieht man davon ab, daß es ganz so einfach nicht ist, daß es schließlich auch ein Publikum gibt, das nach amerikanisch klingenden Helden lechzt und eben nicht nach Romanen, die in Senegal oder in Vietnam spielen und von den dort lebenden Autoren geschrieben werden, ist die Aussage nicht falsch: Die deutschsprachigen Verlage publizieren gerne Autoren aus dem englischsprachigen Ausland.
Warum denn? Sicher nicht, weil Verleger und Lektoren es besonders schätzen, neben den Autoren und deren Agenten auch noch die Übersetzer zu bezahlen. Sondern aus dem ganz profanen Grund, weil die angloamerikanischen Autoren professioneller arbeiten, weil sie in einem höheren Maße gut gemachte Unterhaltungsliteratur liefern als deutschsprachige Schriftsteller. Das gilt im übrigen ebenso für die Musik-Industrie oder die Computerspiel-Branche – aber um die soll es in diesem Artikel nicht geben.

Anscheinend gibt es irgend etwas, was amerikanische Autoren ganz fundamental von deutschsprachigen unterscheidet. Ist es vielleicht die Ausbildung? Ist es die Tatsache, daß es an amerikanischen Universitäten mit einer Selbstverständlichkeit ohnegleichen Kurse in »Creative Writing« gibt, die von honorigen Profi-Autoren geleitet werden? Ist es die Tatsache, daß an ebenjenen Universitäten in den sogenannten University Press-Verlagen die Erstlingwerke junger Schriftsteller publiziert werden? Ist es die Tatsache, daß es zu allem Überfluß auch noch eine Reihe von Ausbildungsstätten gibt wie die sogenannten Clarion Workshops, in denen junge Autoren das Handwerkszeugs auf pro-fessionelle Weise beigebracht wird?

Mag sein, daß es daran liegt. Ebenso sicher liegt es daran, daß der englischsprachige Markt eben einfach viel größer ist als der deutschsprachige. Punktum. Und daß Hollywood mittlerweile zu einer amerikanisierten Weltkultur geführt hat.

Trotzdem ist es für deutschsprachige Autoren von großer Bedeutung, sich fortzubilden. Es nutzt nichts, über die augenscheinliche Überlegenheit der Amerikaner zu jammern und gleichzeitig im Status halbseidener Betroffenheitsliteratur zu verharren, die ihre 3000 subventionierten Leser findet, aber keinen echten Markt. Es gibt hier auch entsprechende Möglichkeiten

Die Volkshochschulen

An zahlreichen deutschen Volkshochschulen gibt es sie bereits: Literaturwerkstätten, Kurse für kreatives Schreiben, Schriftstellertreffen – wie immer man es nennen mag. Häufig handelt es sich um Treffen gleichgesinnter Autoren, die sich gemeinsam über ihre Werke unterhalten und dann darüber reden, was gut und was schlecht ist. Manchmal gibt es Vorträge in solchen Werkstätten, manchmal werden gemeinsame Lesungen veranstaltet, manchmal gibt es sogar ein einmal im Jahr erscheinendes kleines Büchlein, das die wichtigsten Texte zusammenfaßt und für ein größeres Publikum herausbringt.

Da ich jahrelang in einer solchen »Literarischen Werkstatt«, wie das damals in Freudenstadt hieß, mitgemacht habe, verfüge ich über gewisse Erfahrungen. Prinzipiell gilt, so meine ich, daß eine solche Werkstatt sehr wohl etwas nutzt: Man lernt, sich über seinen eigenen Text mit anderen Autoren zu unterhalten, vor allem mit Autoren, die nicht nur im Genre Science Fiction zu Hause sind; man lernt darüber hinaus Kritik zu üben, die nicht zu sehr weh tun darf.

Als ich selbst mit 16 oder 17 Jahren in dieser Werkstatt anfing, half mir das ungemein. Ich war der einzige, der unter 30 war, wahrscheinlich sogar der einzige Teilnehmer unter 40. Es war sehr interessant für mich, die Auseinandersetzung mit »älteren Menschen« zu suchen, die naturgemäß mit meiner Denkweise und meinen Texten nicht so viel anzufangen wußten. Nach wenigen Jahren hörte ich allerdings auf; ich merkte, daß mir die ganze Sache nicht mehr weiterhalf. Ich stieß an die Gren-zen dieser Werkstatt, die in einem sehr hohen Umfang »im eigenen Saft schmorte«: Der eine Autor schrieb am liebsten Aphorismen und wollte nichts anderes haben, die andere Autorin verfaßte Kindergedichte mit holpernden Reimen, die man nicht kritisieren durfte, »weil sich das nun mal so abgespielt hat«, ein weiterer Autor verstieg sich in Satzgebilden, die niemand verstand, die er aber für besonders gebildet hielt. Und keiner dieser Autoren hatte den Ansatz, sich ernsthaft fortzubilden, sie alle nutzten die Werkstatt nur als Bühne für sich selbst.

Gegen eine solche Bühne ist nichts zu sagen, sie kann einem schließlich helfen. Sie wird einem aber nicht #weiter#helfen.
Wer schreiben will, dem empfehle ich also ernsthaft, nach einer solchen Werkstatt oder einer art-verwandten Einrichtung bei der örtlichen Volkshochschule zu suchen und daran teilzunehmen. Aussteigen kann man schnell, wenn es dem eigenen Vorankommen nicht dient. In diesem Fall #sollte# man sogar aussteigen – es könnte den eigenen Fortschritt zu einem besseren Stil und zu besseren Geschichten behindern!

Fernkurse für Schriftsteller

Immer wieder werden sogenannte Fernkurse für angehende Autoren angeboten, die vor allem ziemlich viel Geld kosten. Ich kenne Menschen, die haben an solchen Kursen teilgenommen; diese berichteten mir durchaus von guten Erfolgen. Man lerne viel in solchen Kursen, das Lernmaterial sei hervorragend, und auch die Dozenten würden sich viel Mühe geben. Einige solcher Unterrichtsmaterialien wurden mir in den 80er Jahren auch zur Verfügung gestellt (eine Frau aus unserer Volks-hochschule hatte an einem solchen Fernkurs teilgenommen); diese Materialien sind nicht schlecht.

Inwiefern ein solcher Kurs sinnvoll ist oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen. Letzten Endes ist es eine Frage des Geldes: Will man die entsprechende Summe investieren oder nicht? Reicht vielleicht nicht ein gutes Handbuch aus? Oder ist nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit anderen Autoren besser, wie am Beispiel der Volkshochschulen genannt?

Der Story-Schieber-Ring

Am sinnvollsten erscheint mir allerdings die Zusammenarbeit mit anderen Hobby-Autoren, die möglichst dieselben Ziele und Ambitionen verfolgen sollten. In den 80er Jahren gab es in der deutschsprachigen Fan-Szene eine Reihe von Hobby-Autoren, die sich gegenseitig ihre Geschichten zuschickten und sie intern besprachen. Sie nannten das gesamte Gebilde den Story-Schieber-Ring, weil die Stories von einem Autoren zum anderen geschickt wurden und jeder seine Anmerkungen auf dem Manuskript hinterließ.

Im Zeitalter von Internet und E-Mail dürfte das noch viel einfacher sein. Sinnvoll ist auf jeden Fall, daß hier Fans zusammenarbeiten, die sich gut verstehen. Kritik ist bei einer solchen Zusammenarbeit sicher das wichtigste; diese sollte sachkundig und direkt sein, aber eben nicht verletzen. Hier das richtige Maß zu finden ist garantiert nicht einfach.
Machen wir uns einfach nichts vor: Ein Fan-Autor, der nur gelobt wird, kann sich nicht weiter ent-wickeln, vor allem, wenn ihm nie jemand sagt, was er falsch macht. Andauernder Tadel macht einen Autor allerdings auch nicht besser. Schon aus diesen Gründen ist es sinnvoll, in einem Story-Schieber-Ring mit solchen Autoren zusammenzuarbeiten, die man kennt – dann können die Ergebnisse eigentlich nur gut sein. Wahrscheinlich besser als bei einem Schriftsteller-Seminar per Post, das viel Geld kostet, und wahrscheinlich besser als bei einem Volkshochschulkurs in kreativem Schreiben.

Wolfenbüttel und die Folgen

Seit einigen Jahren werden an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel Seminare für angehende SF-Schriftsteller angeboten. Neben ambitionierten »Laien« nehmen daran auch Autoren teil, die schon sehr gut schreiben können, die aber von dem Gedankenaustausch profitieren wollen: Die PERRY RHODAN-»Dauergastautoren« Andreas Findig und Leo Lukas besuchten schon Seminare in Wolfenbüttel, junge und erfolgversprechende Schriftsteller wie Andreas Gruber, Frank Borsch und Bernd Frenz waren ebenfalls zugegen.

In Wolfenbüttel referieren meist bekannte SF-Autoren wie Andreas Eschbach, Robert Feldhoff und Uwe Anton, ergänzt durch mich – allerdings sind die teilnehmenden Autorinnen und Autoren als Mit-Kritiker und Diskussionspartner ebenso wichtig. Die allgemeine Diskussion ist befruchtend; bisher fuhr jeder Seminarteilnehmer mit einigen neuen Erfahrungen und Erkenntnissen nach Hause. Die Seminarleiter und Dozenten übrigens auch ...

Wolfenbüttel kann nur ein Anfang sein. Im Prinzip fehlt es an solchen Einrichtungen an allen Ecken und Enden. Schreibschulen für angehende SF-Autoren werden die Misere der deutschsprachigen Science Fiction sicher nicht sofort beheben können – schließlich sind die bisherigen Profis auch ohne solche Schulen zu erfolgreichen Schriftstellern geworden –, sie können aber einen Teil der Misere mildern. Und das wäre nicht das schlechteste, wie ich finde ...

Klaus N. Frick

 

Einige Tips für angehende Autoren – Teil 11

Vorspann:

In verschiedenen Folgen dieser Serie habe ich über einzelne Wörter geschrieben, aber auch mal über ganze Texte. Den »Zwischenbereich« habe ich fast schamhaft ausgeklammert. Sätze braucht man nämlich in der Tat, um eine Kurzgeschichte oder einen Roman zu schreiben –und häufig scheitern angehende Autoren genau an der Hürde, aus vielen gut gelungenen Worten gut zu lesende Sätze zu machen, die dann wiederum einen flotten Roman oder eine schöne Geschichte ergeben ... Diesmal nur zwei Beispiele, denen man Dutzende weiterer hinzufügen könnte.

Lauftext:

Sätze sollen Informationen vermitteln und möglichst auch unterhalten. Kurz und knapp sollen sie mal sein, mal lang und ausführlich; das alles unter einen Hut zu bringen, ist gar nicht so einfach. Vielleicht sei deshalb eine Faustformel vorgeschickt: Da die meisten Menschen erstaunlich gut sprechen, also tatsächlich ein Gefühl für gutes Deutsch haben, empfiehlt es sich für Autoren, sich ihre Sätze einfach einmal laut vorzulesen. Ganz schnell wird man in einem solchen Fall feststellen, wo der Satz verschraubt oder langweilig, kompliziert oder einfach nur schlecht klingt.
Und dann sollte man daran gehen, den Satz besser zu gestalten. Das ist übrigens zu schaffen ... Man muss eben einige Regeln beachten und sich vor allem immer vergegenwärtigen, dass man ja den Leser erreichen will und nicht sich selbst.

Die richtige Satzlänge

Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen glauben viele Autoren, einen besonders guten Stil zu benutzen, wenn sie möglichst lange Sätze formulieren. Das ist ein Irrtum. Häufig sind lange Sätze, vor allem, wenn sie zahlreiche Informationen auf einmal transportieren wollen, eher hinderlich. Sie machen eine gute Geschichte manchmal sogar kaputt, zerstören jeglichen Rhythmus und verhindern Spannung. Wer das nicht glaubt, schaue sich Kurzgeschichten von Autoren an, die zu recht gelobt wurden: Hemingway in der allgemeinen Literatur oder Bradbury in der Science Fiction. Die Sätze dieser Autoren sind kurz und prägnant, beschränken sich auf das nötigste, und trotzdem hat der Leser stets das Gefühl mitten in der Geschichte zu sein.

Natürlich bestehen Unterschiede zwischen einem Roman, der gerne in die Breite – und auch in die Länge - gehen darf, und einer Kurzgeschichte, bei der es nun einmal auf prägnante Aussagen ankommt. Trotzdem sind kurze Sätze verständlicher, treiben die Handlung voran. Wobei aufzählende Sätze wie in dem vorherigen Satz dies ebenso tun können: Da aber funktionieren die Teilsätze zwischen den Kommas wie einzelne Sätze, die sich gewissermaßen jagen und so auf ihre eigene Weise eine Spannung aufbauen.

Das ist jetzt keine eiserne Regel. Kurze Sätze können ebenso schlecht sein, lange Sätze können eine brillante Wirkung erzeugen. Wer aber eine spannende Handlung erzählen will, soll sich überlegen, wie er sie vorantreibt, und in einem solchen Fall ist ein kurzer Satz stets einem langen vorzuziehen. Knappe Informationsvermittlung erhöht meist die Spannung und hält die Leser bei der Stange. Die Kollegen bei der BILD-Zeitung, deren politisch-inhaltliche Ausrichtung man nun wirklich nicht zu schätzen braucht, exerzieren das Tag für Tag vor. Es sind beileibe nicht nur die »dummen Leute«, die diese Zeitung und andere Boulevardblätter lesen, sondern auch und vor allem Menschen, die sich kurz und knapp informieren wollen.

Am sinnvollsten ist übrigens eine gute Mischung, die für einen gewissen Sprachrhythmus sorgt: Auf zwei, drei kurze Sätze kann hier beispielsweise ein langer Satz folgen. Dann wird der Leser nicht eingelullt, sondern durch den Stil des Autors ebenso überrascht wie durch die Geschehnisse. Wobei das, was erzählt wird, natürlich ebenso die Satzlänge beeinflusst: Action zeichnet sich durch kurze Sätze oder aufzählende Sätze aus, welche die Geschwindigkeit beim Lesen erhöhen, während es bei Beschreibungen durchaus ein bisschen behäbiger beim Lesetempo und damit auch bei der Satzlänge zugehen kann.

Substantivistischer Stil

»Die Analyse der Arbeitslosenstatistik führte zur Erkenntnis einer rapiden Zunahme.« Solche und noch viel schlimmere Sätze lassen sich in Tageszeitungen lesen und in den Fernsehnachrichten hören. Kein Wunder, dass die meisten Menschen hierzulande gerade komplizierte Zusammenhänge schnell vergessen. Der substantivistische Stil, bei dem ein Hauptwort an das andere gereiht wird, ist leider nicht nur bei Beamten und deren Verlautbarungen beliebt, sondern auch bei Journalisten und Autoren.

Dabei nützen diese Konstruktionen niemandem. Dem Leser nicht, weil er sie nicht versteht, dem Autor aber auch nicht, weil er sich viel zu viel Mühe macht. Dabei wäre es doch viel klüger, einfach mal darüber nachzudenken, wie man die komplexe Aussage denn dem »normalen Menschen« erklären würde. Auch hier seien die Kollegen von der BILD-Zeitung für ihren Stil gerühmt: Solche Sätze wie das oben genannte Beispiel finden sich in ihren Texten nicht. Aus Platz- und Zeitgründen wird hier knapp und gut geschrieben.

Der oben genannte Satz lässt sich im wesentlichen auf die Aussage »Es gab mehr Arbeitslose« zusammen fassen. Wer unbedingt die Statistik im Satz haben möchte, muss anders formulieren: »Nach der jüngsten Statistik hat die Zahl der Arbeitslosen zugenommen.« Das ist nicht unbedingt eine geschickte Formulierung, sagt aber klarer, was gemeint ist.
Substantivistische Formulierungen dienen häufig dazu, Sachverhalte zu verschleiern, unangenehme Dinge gewissermaßen hinter einem Wust umständlicher Sätze zu verstecken. Kein Wunder, dass sie gerne von Behörden und Politikern benutzt werden. Wer als Autor seine Leser unterhalten möchte, muss auf solche Formulierungen verzichten: Er will nicht nur verstanden werden, er will schließlich auch, dass seine Leser den Text zu Ende lesen und – wenn möglich – auch den darauf folgenden lesen möchten.

Klaus N. Frick
 

Einige Tips für angehende Autoren – Teil 12

Vorspann:

Über Jahre hinweg lief in der SOL die Serie »Tipps für angehende Autoren« – anfangs mit einem »p«, mittlerweile im Zuge der Rechtschreibreform mit zweien. Dies hier ist die letzte Folge. Verwiesen sei noch einmal auf Fachliteratur wie »Deutsch für Profis«, das jedem ange-henden Autor nur als Grundlagenlektüre empfohlen werden kann. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Bücher, die Hilfestellungen fürs Schreiben vermitteln. Letztlich muss jeder selbst herausfinden, welches Buch für ihn »taugt«, weshalb ich auf eine ausführliche Titelliste verzichte.

Lauftext:

Die letzte Folge soll deshalb etwas amüsanter sein und einige »Take-outs« präsentieren, Textstellen, die in den veröffentlichten PERRY RHODAN-Romanen deshalb nicht auftauchten, weil sie von mir gestrichen oder verändert wurden. Wenn ich jetzt diese Textstellen auflisten, soll das zeigen, dass auch Profi-Autoren, die seit Jahren vom Schreiben leben, immer noch Fehler begehen. Fehler zu machen ist schließlich keine Schande!

Gut wiederholt

Gerne geschieht auch professionellen Autoren das, was jedem Anfänger unter die Nase gerieben wird – die Wortwiederholung nämlich. Selten geschieht es so hübsch wie in diesem Beispiel von Susan Schwartz:
»Hoffentlich geht alles gut«, wiederholte die Xenopsychologin zum wiederholten Mal.

Wobei das folgende Beispiel von Uwe Anton aus Band 2069 ebenfalls sehr hübsch ist:
Offensichtlich stand dem Sinn der Sinn nach Smalltalk.
Anzunehmen ist, dass er den Extrasinn Atlans meint, also dessen Logiksektor. Wobei die Formulierung in der hier stehenden Form nicht ohne Reiz ist ...

Pathetisch gesprochen

Mancher Autor greift gelegentlich zu stilistischen Hilfsmitteln, die zwar gut gemeint sind, beim laut Vorlesen allerdings nicht so richtig gut klingen. Ein schönes Beispiel stammt aus dem Roman 1904 von Arndt Ellmer:
Ihre Worte klangen wie Orakel aus den Tiefen des Universums.
Großartiger ist das folgende Beispiel von Uwe Anton aus Band 2035:
Das Entsetzen zerrte mit allgegenwärtigen Tentakeln an mir, schien mich in alle Richtungen zugleich reißen zu wollen, bis ich unter seinem Ansturm zerfetzt wurde.

Holpernde Bilder

Ich will jetzt keine Autoren nennen, sondern überlasse die Auswahl der folgenden Beispiele der Fantasie der Leser:
... genoß es, daß sich das Gesicht seines neuen Freundes mehr und mehr in ein Fragezeichen verwandelte.

Und wir fragen uns, ob das derart verzerrte Gesicht dann nicht ein Fall für den Chirurgen wird ... Ein Fall für den Chirurgen ist sicher der nächste Fall, wo mir die Augen schon beim Lesen wehtun.
Ihre Augen klebten wie gebannt am Holo.

Gemeint ist natürlich nicht, daß die Augen an einem Stiel aus dem Gesicht wachsen und sich in das Hologramm bohren ... Wobei der nächste Vergleich auch nicht schlecht ist:
Die Stadt ähnelte einem Moloch, einer gewaltigen Kröte, die sich zum Sprung duckte. Gleichzeitig wirkte sie aber auch wie eine etwas zu groß geratene Ausgabe einer kurvenreichen und üppigen Menschenfrau, die es sich auf ihrem Sofa bequem gemacht hatte.

Terranische Technik

PERRY RHODAN-Autoren haben gelegentlich ihre Probleme mit dem technischen Inventar der Serie. Das gibt immer wieder Anlass für amüsante »Ausrutscher«. Beispielsweise im folgenden Beispiel:
Rhodan holte ein Holo aus seiner Tasche und hielt es ihm vor die Augen.
Leider verzichtet unser Held im folgenden Satz darauf, das Gegenüber zu fragen: »Kennen Sie diesen Verdächtigen?« Aber Perry ist immer wieder gut dabei, sich um seine Ausrüstung zu kümmern:

Perry Rhodan rieb sich die Schläfen, das heißt, er massierte völlig nutzlos die Helmscheibe des Schutzanzugs.

Großartige Übertreibung

Für knallige Sätze ist immer wieder Robert Feldhoff gut. In seinem PERRY RHODAN-Roman 1965 schrieb er folgenden Satz, den ich »leicht« verändern musste:

Die Botschafterin von Camelot, Gret Zafkahar, war eine dickbusige Blondine mit dem Gesichtsausdruck einer ejakulierenden Heuschrecke.
Gelegentlich bedient er sich bei der Weltliteratur, in diesem Fall beim »Kleinen Arschloch« von Walter Moers. Wobei ich mir sicher bin, dass Robert solche Stellen deshalb in die Romane hineinschreibt, damit ich auch was zum Lachen habe – das Zitat ist aus dem ansonsten nicht so lustigen Band 1867:
»Es hat keinen Sinn, Alaska«, lamentierte die Haut. »Wir werden es niemals schaffen.« – »Sei still«, schalt er sie. »das männliche Glied ist der Mercedes unter den Geschlechtsteilen.« – »Alaska, ich habe Hunger.«

Fazit

Fehler machen alle, die Geschmäcker sind verschieden, und letztlich wollen alle nur möglichst gute Romane bieten. Dass dies nicht immer klappen kann, weiß jeder, der selbst schreibt und sein Werk einigermaßen selbstkritisch betrachtet ...

Klaus N. Frick