Die Reihe „Tipps für angehende Autoren“ von Klaus N. Frick erschien in der Sol, dem Magazin der Perry Rhodan – Fanzentrale. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Klaus Bollhöfener und Klaus N. Frick.

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Einige Tips für angehende Autoren – Teil 1


Bei den Vorarbeiten für die PERRY RHODAN-Fan-Edition hat sich eines gezeigt: Häufig haben junge Autoren einige ganz spezifische Defizite. Das hat nichts damit zu tun, ob diese Autoren gut oder schlecht schreiben, ob sie gute oder schlechte Ideen haben – es hängt häufig mit rein handwerklichen Fertigkeiten zusammen. Deshalb hat sich an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel längst eine Art »Schreibschule« für Autoren etabliert, und deshalb wollen wir in der SOL künftig immer wieder Tips geben.

Generell gilt für die folgende Texte, daß sie natürlich für Autoren gedacht sind, die beispielsweise PERRY RHODAN-Fan-Romane verfassen möchten. Für PERRY RHODAN gelten teilweise andere »Gesetze« als für allgemeine Science Fiction.

Für alle Arten von Literatur gilt aber eines: Wird ein Manuskript eingereicht, in dem es von Rechtschreibfehlern wimmelt, in dem die Zeitenfolge nie stimmt und der Autor ständig zeigt, daß er mit der deutschen Grammatik auf Kriegsfuß steht, hat dieses Manuskript im Normalfall nicht die ge-ringste Chance. Kein Lektor beschäftigt sich mit einem solchen Manuskript intensiv – schließlich muß er davon ausgehen, daß der Autor keine
Ahnung von der Schriftstellerei hat. So kann die beste Idee versanden ...

Die Idee


Und die Idee ist bei vielen Romanen das größte Problem. Viele Fan-Autoren versuchen mit aller Gewalt, hochkomplizierte Ideen zu entwickeln und diese dann zu präsentieren. Kein Witz: Das ist der absolut falsche Weg! Eine gute Idee muß sich notfalls in wenigen Worten erklären lassen – alles andere ist Beiwerk. Ob das nun das Aussehen der Helden sind, die Kosmokraten, die Superintelli-genzen oder die Raumschiffe.
Die Idee einer guten Science-Fiction-Geschichte, die zudem im PERRY RHODAN-Universum spielt, muß klar ersichtlich sein – und die Lösung der SF-Idee muß logischerweise auch mit Science-Fiction-Mitteln geschehen. Wer beispielsweise in seinem Roman einen Planeten mit allerlei ori-ginellen Strukturen schildert, tut gut daran, die Lösung des Problems aus dem planetaren Konzept abzuleiten.

Eine gute Idee heißt nicht, daß sich der Autor hinsetzt und krampfhaft darüber nachdenkt, wie er das komplette PERRY RHODAN-Universum in einen einzigen Roman einarbeitet. An diesem Problem sind schon andere Autoren gescheitert. Eine gute Idee kann bedeuten, daß man sich das PERRY RHODAN-Universum als eine riesengroße Spielwiese vorstellt, aus dieser Spielwiese ein Element herausnimmt und daraus seine Story entwickelt. Das Element kann eine Person ebenso sein wie ein Raumschiff, ein Planet oder ein Volk.

Es geht nicht darum, »offene Fäden« der PERRY RHODAN-Geschichte zu einem Abschluß zu bringen, frei nach dem Motto »was ist denn eigentlich in Gruelfin los, und was machen die Cappins eigentlich?«. Vielmehr geht es darum, eine Handlung zu entwickeln, die Grundelemente der PERRY RHODAN-Geschichte aufnimmt, sie neu variiert und mit eigenen Ideen anreichert. Das hat nichts mit exakter Recherche (die natürlich nichts schadet) zu tun, und noch viel weniger etwas mit Faktenhuberei.

Der Konflikt

Jeder gute Roman hat als Kernthema einen Konflikt. Das gilt für SF natürlich ebenso, und für PERRY RHODAN als Teil der Science Fiction erst recht. Darüber muß sich der Autor vorher konse-quent Gedanken machen – auch deshalb, weil die Lösung des Konflikts logischerweise der Höhe-punkt seines Romans sein sollte, auf den die Handlung zuzusteuern hat. (Das heißt jetzt nicht, daß sich alles auf den letzten Seiten ballen muß, nein, nein!)

Der Konflikt muß zu Beginn des Romans entstehen oder schon vorhanden sein, er muß im Laufe des Romans eskalieren und sich weiter steigern, und er muß sich zu Ende des Romans lösen oder beenden. Sonst macht der Roman keinen Sinn.

Konflikt kann vieles sein; es geht hier nicht darum, den Begriff »Konflikt« auf eine kriegerische Auseinandersetzung etwa in Form einer Raumschlacht zu reduzieren. Diese Art Konflikt ist höchstens ein Beiwerk. Konflikte entstehen zwischen Menschen (oder Außerirdischen, logo), sie verfügen über klare Grundlagen, beispielsweise aus dem kulturellen Hintergrund, und sie können sehr viel mit Gefühlen zu tun haben.

Das Exposé

Zu viele Details schaden einem Exposé nur. Es ist nicht nötig, die Maße der Raumschiffe und das Aussehen der Hauptpersonen aufzulisten. Viel wichtiger ist, der Redaktion eine klare Darstellung dessen zu geben, was der Autor vorhat. Und diese Darstellung sollte auf zwei bis drei Seiten entwickelt werden.

Hier ist wieder der Konflikt wichtig. Aus dem Exposé muß klar hervorgehen, was die Grundlage für die Handlung ist, wie sich diese weiterentwickelt und wie sie auf den Höhepunkt zusteuert. Wo steckt der Konflikt für den Helden und die anderen Beteiligten? Wie wird der Konflikt gelöst?

Klaus N. Frick

 

Einige Tips für angehende Autoren – Teil 2

Nach dem wir im ersten Teil dieser Reihe darauf hingewiesen haben, was grundsätzlich zu beachten ist, bevor man sich an die Ausarbeitung einer Idee oder eines Exposés macht, geht es diesmal erneut um etwas sehr grundsätzlich, um einen allgemeinen Standard nämlich. Dieser ist auch sehr wichtig ...

Natürlich ist bei dieser Folge der Autoren-Tips etwas ganz wichtiges zu beachten: Jede Regel hat ihre Ausnahme – je berühmter und beliebter ein Autor, desto größer sind die Ausnahmen von der Regel, die er sich erlauben kann. Wer allerdings startet, tut gut daran, sich an prinzipielle Regeln zu halten, die in der Branche üblich sind.

Die Vorgeschichte

Ich werde nie vergessen, wie ich 1983 in Bergisch-Gladbach saß, auf einer Science-Fiction-Veranstaltung des Bastei-Lübbe-Verlags. Neben mir saß eine junge blonde Frau, die mir erzählte, sie habe bereits erste Fantasy-Romane geschrieben, von denen einer auch bald bei Heyne erscheinen würde. Ich selbst hatte damals die ersten Geschichten publiziert, träumte von einer Schriftsteller-Karriere. Und auf dem Podium saß ein Mann mit Vollbart, der uns einige Illusionen raubte.

Die junge blonde Frau heißt Uschi Zietsch und schreibt heute unter dem Pseudonym Susan Schwartz unter anderem PERRY RHODAN-Romane; was aus mir wurde, ist bekannt; der Mann mit Bart heißt Ronald M. Hahn, ist Übersetzer, Herausgeber, Autor und ein absoluter Kenner des phantastischen Genres.

Und er erzählte uns die Geschichte von dem unglaublich begabten jungen Autor, der ein unglaub-lich gutes Manuskript geschrieben hat. Dieses Manuskript hat der junge Autor natürlich – damals war das so üblich – mit der Schreibmaschine erstellt. Um Platz zu sparen, hat er jedes Blatt auf beiden Seiten beschrieben, und zwar von links oben nach rechts unten, ohne einen größeren Rand zu lassen. »Natürlich« hat er auf Seitenzahlen und jeglichen anderen Luxus verzichtet, er hat es ebenso »selbstverständlich« auch nicht geheftet.

Das Wunder geschieht: Das Manuskript kommt zum richtigen Zeitpunkt in die richtige Abteilung des richtigen Verlage, wird dort sogar von einer Sekretärin geöffnet und dann von dieser in das Zimmer des betreffenden Redakteurs oder der betreffenden Redakteurin getragen. Leider hören die Wunder jetzt auf: Die Dame stolpert, das Manuskript fällt auf den Boden, Kaffee läuft darüber, und es ist völlig unbrauchbar. »Natürlich« ist auf dem Manuskript auch keine Adresse angegeben. Was geschieht, ist klar: Das Manuskript wandert in den Müll (heute immerhin in den Papiercontainer). Und einer der besten Science-Fiction-Romane aller Zeiten bleibt unveröffentlicht, ein unglaublich guter Autor wird nie bekannt.
Was lernen wir daraus? Erstens, daß Ronald M. Hahn so gute Geschichten zu erzählen weiß, daß man sich auch über fünfzehn Jahre danach noch an sie erinnert. Und zweitens, daß es sehr sinnvoll ist, gewisse Regeln einzuhalten.

Das Manuskript

Dazu gehört die Manuskript-Norm. Eine sogenannte Standard-Seite wird mit einer Standard-Schrift mit großzügigem »Durchschuß« beschrieben (früher war das eben die Schreibmaschine, die auf »zweizeilig« eingestellt wurde). Auf diese Weise kommen exakt 30 Zeilen auf ein Blatt Papier – und in jeder Zeile sind rund 60 »Anschläge«. Es können ebenso 58 oder 62 sein, letztlich kommt es auf die durchschnittliche Anzahl an. Ein Anschlag ist beispielsweise ein Buchstabe, aber auch ein Satzzeichen und ein Leerzeichen gehören zu dieser Familie. Wer es geschickt macht, sorgt dafür, daß links ein breiterer Rand ist als rechts – dann kann das Manuskript besser zusammengeheftet werden. Es versteht sich von selbst, daß ein Blatt Papier nur von einer Seite aus beschrieben wird.

Der Grund für diese Norm liegt auf der Hand: Auf einen Blick kann ein Redakteur sehen, wie lange eine Geschichte oder ein Roman ist. Okay, im Zeitalter des Computers und der Diskette kann man das auch ausrechnen lassen (so geschieht das in der PERRY RHODAN-Redaktion); aber die prinzipiellen Regeln sind dieselben wie früher. Vor allem kann der Redakteur (oder die Redakteurin) bei einer solchen Manuskript-Form in den Texten sehr rasch seine Anmerkungen anbringen, die einerseits für ihn und anderseits für den Autoren oder den Bearbeiter bestimmt sind.
Auf dem Manuskript steht bitteschön auf der ersten Seite irgendwo der Name des Autors und ein Titel. Und schön wäre es, wenn es auf der letzten Seite auch eine Adresse geben könnte. Begleitbrief hin, Begleitschreiben her – so etwas geht ebenso leicht verloren wie ein Briefumschlag. Sicher ist immer sicher! Relativ dünne Manuskripte können geheftet oder »getackert« werden; bei einem Roman-Manuskript empfehle ich einen Schnellhefter. Das sieht nicht nur gut aus, das schützt auch noch das Manuskript gegen irgendwelche Transportschäden.
So ist zumindest die Chance gegeben, daß das Manuskript von einem Verlagsmitarbeiter angesehen wird ...

Verstehe das keiner falsch: Das sind keine Schikanen. Aber üblicherweise bekommt ein Verlag jede Woche einige Stapel von sogenannten unverlangt eingeschickten Manuskripten. Ein kluger Verlagsmitarbeiter nimmt sich stets die Zeit für diese Texte – es könnte sich ja der neue Hemingway, der neue Böll oder eben (in PERRY RHODAN-Kreisen) der nächste Voltz dahinter verbergen. Wenn ein Text allerdings völlig leser-unfreundlich gestaltet wird, sinkt die Bereitschaft der Redaktion sehr schnell, sich intensiv mit dem Gebotenen auseinanderzusetzen. Klingt doch logisch, oder?

Sonstiges ...

Fehlt noch was?
Ja, der Brief, das Exposé und der Anfang. Ich will’s in der Folge sehr kurz machen.
Es sollte selbstständlich ein Begleitbrief mitgeschickt werden. Der braucht nicht lang zu sein und kann auf den Versuch verzichten, sich bei der Redaktion »einzuschleimen«. Kurz und knapp und höflich. Es kann nicht schaden, einen Brief mit höflicher Anrede zu beginnen. Kein Witz! Wir be-kamen schon Manuskripte ohne Anschreiben, oder es gab Briefe ohne Anrede und ohne Adresse. Manchmal fragt man sich da ja schon ...
Wenn es sich um einen längeren Text handelt, ist ein kleines Exposé nicht schlecht: Auf zwei Seiten sollte hier der Roman oder die Erzählung skizziert werden. Das ist zwar keine Pflicht, hilft aber durchaus. Wenn sich das Exposé allerdings schon völlig ideenlos liest, hat der Redakteur nicht viel Lust, sich durch 400 Seiten Roman zu kämpfen!

Das gilt übrigens auch für den Einstieg in den Roman. Ist der Anfang eines Textes gleich schlecht oder langweilig, liest kein Mensch weiter. Und prasseln gleich im ersten Absatz die »deutsch-technischen« Fehler auf einen Leser herunter, hat der erst recht keine Lust. Um’s fies zu sagen: Wenn ich im dritten Satz einer Geschichte schon einen schmerzhaften Rechtschreibfehler sehe, lege ich das Manuskript zur Seite. Ich muß nämlich davon ausgehen, daß ein Autor, der bei solchen Kleinigkeiten versagt, auch nicht in der Lage ist, einen längeren Text zu meistern.
Und es wäre doch schade, wenn ein epochales Werk nur wegen solcher Kleinigkeiten nicht gedruckt würde. Oder?

Klaus N. Frick

 


Einige Tips für angehende Autoren – Teil 3

Eigentlich ist das mit dem Schreiben doch ganz einfach: Man setzt sich an einen Tisch, nimmt sich einen Block Papier und einen Stift und schreibt los. Okay, neuerdings nimmt unsereins einen Computer zu Hilfe – der eigentliche Vorgang des Schreibens ist aber nach wie vor primitiv. Woran liegt es dann, daß so viele Autoren nicht über das Stadium des weißen Blattes Papier oder des hilflos vor sich hinflimmernden Bildschirms am Computer hinauskommen?

Seien wir ehrlich: Oft liegt es daran, daß sich angehende Autoren nicht so richtig klar werden, wor-über sie schreiben wollen. Im Rahmen eines Autoren-Workshops während der Science-Fiction-Tage NRW in Dortmund im Frühjahr dieses Jahres fragte ich die Hobby-Autorinnen und -Autoren nach ihren spezifischen Problemen. Genannt wurde beispielsweise: »Ich weiß nicht so richtig mit meiner Hauptfigur umzugehen.« Oder eben: »Mir ist nicht so richtig klar, wo meine Geschichte hingehen soll.« Beide Probleme lassen sich leicht in den Griff bekommen, wenn man sich dafür ein bißchen auf den Hintern setzt.

Das Datenblatt

Machen wir uns eines klar: Von einer glaubwürdigen Hauptperson hängt unter anderem der Verlauf der ganzen Geschichte ab. Glaubwürdig kann diese Hauptperson aber nur sein, wenn ich als Autor mehr über meinen Helden weiß als mein Leser. Nur dann kann ich schließlich meinen Leser mit Wendungen meines Helden überzeugen – weiß der Leser gleich auf der ersten Seite alles über mei-nen Helden, kann das ganz schön langweilig sein.
Was mache ich also als erstes? Ich lege mir eine Art Datenblatt für meinen Helden zu. Das geht heute mit dem Computer ganz gut, kann aber auch ganz altmodisch mit einem Blatt Papier geschehen. Wieviel ich auf dem Blatt notiere, hängt allerdings von den Erfordernissen der Geschichte ab. Für eine zwei Seiten umfassende Kurzgeschichten brauche ich sicher weniger Details als für einen 400seitigen Roman.

Der Name

Wie heißt unser Held beispielsweise? Ein Name ist natürlich völlig gleichgültig, und im PERRY RHODAN-Zeitalter des 49. Jahrhunderts kann jeder Name so gut funktionieren wie der andere. Völlig klar. Nur ist mein Held nur dann für den Leser präsent, wenn er einen guten Namen hat, ei-nen Namen, den sich mein Leser merken kann. Das ist im übrigen eh das wichtigste: Ich will, daß mein Leser bei der Stange bleibt und er es bei der Lektüre so einfach wie möglich hat. Dafür muß ich ihm nicht unbedingt mit einem möglichst komplizierten Namen zusätzlich beschäftigen.
Perry Rhodan beispielsweise ist ein hervorragender Name, Atlan sowieso. Bei der Konkurrenz ist wohl Luke Skywalker ungeschlagen. Das kann sich jeder merken, dieser Name schwingt gewisser-maßen im Leser oder Zuschauer nach. Ganz langweilig sollte der Name vielleicht auch nicht gerade sein. »Peter Müller« kann funktionieren, ist bei einer SF-Geschichte aber nicht unbedingt das spannendste.

Vermeiden sollte man übrigens Namen, die mit »s« oder ähnlich lautenden Buchstaben enden. Es sieht immer blöde aus, wenn der Held beispielsweise »Maas« heißt und in einem Roman immer von »Maas‘ Gleiter« oder »Maas‘ Anzug« die Rede ist. Dann doch lieber »Maar«, um einfach einen anderen Buchstaben ans Ende zu setzen.
Ihr seht schon, daß der Name mal gar nicht so unwichtig ist. Da darf der Autor ruhig mal die eine oder andere Minute investieren. Dann paßt das auch viel besser und wirkt nicht ganz so beliebig. Nur Mut!

Das Aussehen

Wenn es für den Fortgang der Geschichte nicht unbedingt nötig ist, muß das Aussehen des Helden keine Rolle spielen. Der Autor aber sollte sehr genau wissen, wie sein Held aussieht: Haarfarbe, Augenfarbe, die Körpergröße und andere Details sind interessant und können eine Geschichte immer wieder lebendig gestalten.
Ist unser Held nämlich durchschnittlich groß, also um die 1,80 Meter, dann muß er zu einem Haluter oder Ertruser aufschauen. Zu einem Überschweren schaut er hinunter – aus solchen Anmerkungen lassen sich unter Umständen hübsche Charakterisierungen erarbeiten. Um so etwas erarbeiten zu können, muß ich aber vorher wissen, wie groß mein Held ist. Ebenso sollte ich wissen, welche Augen- und Haarfarbe er hat – das kann durchaus interessant sein.
Ob dem Helden unbedingt eine Besonderheit angedichtet werden muß, ist die andere Frage. Wegen mir darf er gerne eine Narbe im Gesicht haben oder die Haare gerne in einer bevorzugten Art tragen. Wichtig ist dies aber nicht unbedingt. Es kann die Geschichte abrunden, muß es aber nicht unbedingt.

Der Charakter

Schon vom Aussehen her lassen sich gewisse Charakterzüge herleiten. Hat der Held eine gewisse »Macke«? Reibt er sich über eine kleine Narbe am Nasenflügel? Verzieht er sein narbiges Gesicht, wenn er grinst? Zuckt er beispielsweise mit dem rechten Auge? Beißt er sich auf die Unterlippe, wenn es spannend wird? Sagt er gerne »na also«? Diese kleinen Details können den Verlauf einer Geschichte durchaus beeinflussen. Umso besser, wenn sich der Autor diese Details vorher überlegt hat und sie nicht erst mühsam im Verlauf der Geschichte einbauen muß.
Sammelt unser Held etwas? (Myles Kantor sammelt Uhren, Ronald Tekener sammelt Waffen, Atlan sammelt alte Adelstitel ...) Hat unser Held künstlerische Vorlieben, hört er gerne Musik, oder geht er gerne in Kunstausstellungen? Solche Dinge muß der Leser nicht unbedingt wissen. Schlau ist es aber, wenn der Autor es weiß und solche Dinge bei Gelegenheit und Bedarf in den Roman einarbeitet ...

Die Biographie

Fehlt noch ein bißchen der biographische Hintergrund unseres Helden. Nehmen wir an, die Ge-schichte spielt im Jahr 1290 Neuer Galaktischer Zeitrechnung und unser Held ist durchschnittlich alt – also um die sechzig Jahre. Dann ist er also im Jahr 1230 geboren; behaupten wir einfach mal, auf Terra. Die Folgen, die sich daraus für die Geschichte herleiten, sind ziemlich spannend.
Unser Held wuchs dann nämlich in einer Zeit auf, in der die Aktivatorträger bereits ihr Camelot-Projekt begannen, in der gleichzeitig die Spannungen in der Galaxis anstiegen und sich die Liga Freier Terraner und das Kristallimperium argwöhnisch beäugten. Die Zeiten, in denen alle Galakti-ker versuchten, an einem Strang zu ziehen, hat er nicht mitbekommen. Er wird sich also nie als Galaktiker verstehen, sondern nur als Terraner – das ist schon einmal recht wichtig für den Hintergrund der Person. Zudem hat er die Tolkander-Invasion durch die Medien und die Dscherro durch eigene Anschauung mitbekommen.

Diesen Hintergrund für eine Person sollte jeder Autor erarbeiten, auch wenn er ihn für die Geschich-te nicht unbedingt braucht. Es ist jedoch immer wieder hilfreich, so etwas zu wissen. Dann lassen sich Reaktionen des Helden oder persönliche Gewohnheiten leichter herleiten. Und es lassen sich einige Pannen vermeiden.
So wird beispielsweise ein Held, der im Jahr 1130 NGZ auf der Erde geboren worden ist (bei einer Lebenserwartung von bis zu 200 Jahren ist dies durchaus realistisch!), nie von einer unbeschwerten Kindheit reden können. Zu dieser Zeit lebten die Menschen nämlich nahezu alle in der Simusense, und die Milchstraße wurde von den Cantaro beherrscht. Wer also unbedingt einen Helden in seiner Geschichte haben will, der 160 Jahre alt ist, der sollte sich vorher sehr gründlich dessen Biographie überlegen ...

Die Folgen daraus

Das ist dann das entscheidende daran. Habe ich genügend Hintergründe über meine Figur erarbeitet, um die ich meine Geschichte stricken will, ergibt sich vielleicht schon von selbst die Story – oder der Plot, oder die Handlung, was immer man auch sagen will. Aufgrund der Hintergründe einer Figur erarbeiten sich irgendwelche Spannungen und Konflikte schon von selbst. Und auf deren Basis läßt sich trefflich weiterarbeiten.
Nehmen wir als Beispiel noch mal unseren 160 Jahre alten Helden, der auf der Erde geboren wurde (in vitro?) und die letzten Auswirkungen der Simusense komplett mitbekam. Behaupten wir doch einfach mal, daß dieser Mann daraus eine Marotte entwickelt hat, daß er keine virtuellen Welten mehr betreten möchte. Und auf technische Spielereien verzichtet er so gut wie vollständig; er rechnet beispielsweise lieber etwas auf dem Papier aus, anstatt einen Syntron zu fragen.

Damit haben wir einen wesentlichen Charakterzug von ihm beschrieben – und können uns zahlreiche weiterführende Ideen ausdenken. Kleines Beispiel gefällig? Unser Held muß, um als Detektiv erfolgreich seinen Fall zu lösen, sich der Hilfe eines syntronischen Programms bedienen, mit dessen Hilfe er sich in die Psyche eines möglichen Mörders hineindenken kann. Daraus ließe sich eine spannende Geschichte herleiten, denn natürlich kann unser Held nicht so einfach mit diesem Programm arbeiten ...
Von dieser Sorte ließen sich genügend Ideen entwickeln. Und das ist dann ganz einfach, die Grundlagen sind schließlich gelegt. Jetzt muß nur noch geschrieben werden, oder nicht? Dazu vielleicht beim nächsten Mal mehr ...

Klaus N. Frick

 


Einige Tips für angehende Autoren – Teil 4

Nachdem wir in den bisherigen Teilen dieser Serie einige grundsätzliche Dinge geklärt haben, die ein Autor beherzigen sollte, bevor er mit dem Schreiben beginnt, soll es diesmal einige konkrete Tips geben.
Um es aber gleich im voraus klarzumachen: Die Regeln, die in den folgenden Zeilen aufgestellt werden, sind nicht unbedingt verbindlich. Je besser ein Autor ist und umso besser er sich auf die Feinheiten der deutschen Sprache versteht, umso souveräner kann er sprachliche Hürden umschiffen – und dann eben Dinge tun, die eigentlich als »schlecht« gelten. Wobei das ohnehin häufig schlicht eine Geschmackssache ist ...

Nehmen wir zudem noch mal eines vorneweg: Die Erläuterungen in dieser Reihe dienen Autoren, die unterhalten und ihre Leser erreichen wollen. Wer Lyrik schreibt oder schwerst anspruchsvolle Literatur, ist hier nicht richtig – für diese Art Literatur gelten andere Regeln.
Dasselbe gilt für »Schubladen-Literaten«: Wer in erster Linie für sich selbst schreibt, braucht sich nicht an Regeln zu halten. Es spricht nicht das geringste dagegen, für die Schublade zu schreiben. Solche Literatur hat ihre größte Bedeutung für den Autor oder die Autorin selbst und leidet eigentlich am meisten, wenn man sie mit aller Gewalt ans Licht der Öffentlichkeit zerrt.

Wer aber für ein größeres Publikum und nicht nur für die Schublade schreibt, tut gut daran, sich über eines Gedanken zu machen: Wer liest meine Texte? Und wie schaffe ich es, meinen Leser so zu packen, daß er den Text komplett liest und ihn auch komplett versteht? In Zeiten wie diesen, in denen die Informationshäppchen immer kleiner werden und immer schneller auf den Leser oder Betrachter hereinprasseln, ist es mehr als nur sinnvoll, dem Leser den Text mundgerecht zu machen. Das heißt nicht, daß man »dumm« schreiben soll – das ist in erster Linie eine Aufforderung, sauber und präzise zu schreiben!
Eindeutige Formulierungen

Man erkennt schlechte Texte sehr schnell, selbst wenn die Autoren keinen grammatikalischen Fehler begangen haben: Sie »holpern«. Auch der Leser, der sich nicht mit den Feinheiten der deutschen Sprache auskennt, bemerkt das sehr schnell, wenngleich er den Fehler vielleicht nicht klar zu benennen weiß. Die grundsätzlichen Fehler lassen sich auf wenige Punkte reduzieren.Beschreibungen sind ungenau, Sachverhalte werden weit ausschweifend erläutert, Handlungen verlaufen gewisssermaßen »falsch«, und Dialoge entfernen sich meilenweit von dem, was Menschen wirklich sagen.

Entscheidende Übung für jeden Autor ist also, sich genau zu überlegen, ob die Formulierung, die er (oder sie – natürlich!) benutzt, auch so stimmt. Ist die Sprache aussagekräftig genug? Passen die Worte? Welche Worte sind zu viel? Versteht jeder, was ich damit sagen will?
Schlecht ist beispielsweise eine Formulierung wie: »Rainer befand sich hinter dem Busch.« Was tut Rainer denn da? Sitzt Rainer? Steht Rainer? Kratzt sich Rainer an der Nase? Folgende Formulie-rung ist eindeutiger: »Rainer stand hinter dem Busch.« Oder eben: »Rainer kauerte hinter dem Busch.« Mit dem »Kauern« wird dem Leser ganz nebenbei ein Bild vermittelt: Er weiß, daß es dem Helden wahrscheinlich nicht optimal geht, denn »kauern« ist keine sehr bequeme Körperhaltung.
Jederzeit ist eine Formulierung wie »Peter rannte um die Ecke« einem Satz wie »Peter bewegte sich schnell um die Ecke« voranzuziehen. Wobei übrigens »Peter rannte schnell um die Ecke« richtig falsch wäre, geradezu doppelt formuliert, denn jemand, der rennt, ist im allgemeinen auch schnell.

Soweit mal ein kurzer Einblick. Die wichtigste Lektion, die ich vermitteln will, ist, daß man jeden Text gründlich prüfen sollte. Die erste Prüfung sollte sein, ob das Wort überhaupt stimmt und ob es die richtige Bedeutung besitzt – und die zweite Prüfung muß sein, ob der Satz im richtigen Zusammenhang steht.
Kommen beispielsweise viele Sätze, die den gleichen Aufbau besitzen, hintereinander, schleicht sich beim Leser sehr schnell das Gefühl von Langeweile ein. Also bitte gerne mal die »Richtung« wechseln, die der Satz einschlägt. Nicht immer müssen in der deutschen Sprache Subjekt, Prädikat und Objekt so aufeinander folgen wie es hier klingt – hier kann fleißig variiert werden. Mehrere »und«-Konstruktionen hintereinander können echt tödlich sein.

Hilfreich ist dabei übrigens, sich jeden Satz einmal laut vorzulesen. Ich werde nie den Tag vergessen, an dem Joachim Körber, ein bekannter Übersetzer (unter anderem übertrug er Stephen-King-Romane ins Deutsche) aus seinem ersten Buch vorlas. Er las die ersten Seiten seines Horror-Romans, und plötzlich blickte er auf, blickte uns, sein Publikum also, an und lachte kurz. »Mein Gott!« sagte er und lachte erneut. »Ist das schwülstig!« Er hatte seinen Text zum erstenmal laut gehört und prompt einige umständliche Formulierungen bemerkt.

Un- und Füllwörter

Wortwiederholungen sind ebenso schrecklich wie umständliche Formulierungen. Wobei natürlich gewisse Wortwiederholungen in fein dosierter Form zu bestimmten Wirkungen führen können, die der Autor beabsichtigt hat – das ist aber wieder ein Sonderfall. Dabei gibt es neben Wortwiederholungen, die sich schon mit Hilfe eines Synonym-Lexikons bekämpfen lassen, etwas Schlimmes – die sogenannten Unwörter.
Ich nenne diese Wörter gerne »Unwörter«, wobei die Formulierung nicht von mir stammt. Eingebleut wurde sie mir von meinem Chef in der Agentur für Public Relations, in der ich drei Jahre lang arbeitete – der Mann ist heute Chefredakteur der führendsten Zweiradzeitschrift im deutschen Sprachraum. Und von ihm habe ich noch einmal richtig viel lernen können.
Schlimm ist beispielsweise die »Maßnahme«. Es mag sein, daß das Wort bei Schneidereien oder beim Totengräber gut angebracht ist, wenn beispielsweise an einem Menschen oder eben seiner Leiche „Maß genommen“ wird. Ansonsten hat das Wort in erster Linie seinen Ursprung im Beamten-deutsch, wo es auch bleiben sollte. Natürlich will ich das Wort »Maßnahme« nicht komplett verteufeln – aber man sollte es gründlich reduzieren. Vor allem in Zusammenhang mit »durchführen« ist es ganz besonders gräßlich.

Mein liebstes Beispiel: »Sie führen eine Reparaturmaßnahme durch.« Was ist denn gemeint? Gemeint ist: »Sie reparierten etwas.« Das klingt vielleicht schlichter – aber es ist einfach richtiger. Aber was ist mit folgendem Satz gemeint? »Die Regierung will mit einem Bündel von Maßnahmen eine Reduzierung der Steuerlast durchführen.« Könnte man nicht einfach schreiben: »Die Regierung will die Steuern reduzieren.« Noch besser: »... die Steuern senken.« Das versteht jeder, es ist schlicht, aber nicht schlecht.

Die »Maßnahme« hat dieselbe Funktion wie das »durchführen«: Sie bläht Sätze auf, macht sie unübersichtlich und verschleiert häufig, was eigentlich gemeint ist.
Ein anderes Unwort, das ich sehr gerne habe, ist das »ausführen«. »Ausgeführt« werden Waren ins Ausland – da paßt es. Es paßt aber nicht zu Dialogen. »Mir geht es gut, führte er aus«, ist einfach falsch. Hier paßt das schlichte Wort »sagen« viel besser. Auch die »Ausführung« bläht gerne einen Satz auf.

Und wenn wir schon dabei sind: »Erwidern« wird gerne falsch benutzt, auch von honorigen Autoren und Übersetzern. »wider« steht schon die Verneinung, also sollte das Wort »erwidern« am besten nur bei Verneinungen eingesetzt werden. Auf »Wie geht es dir?« kann man eigentlich nicht »erwidern«, sondern höchstens mit einem »gut« oder »schlecht« antworten. Anders ist es mit einer »erwidernden«, also verneinenden Antwort auf eine Frage wie »Hat es dir gefallen?«
Man mag mich jetzt päpstlich schimpfen, wenn ich gegen Worte wie »beinhalten« (Substantive, die zu Verben werden, sind immer schlecht, besonders schlimm ist aber das »beinhalten«) oder das »erklären« (ich kann jemand die Liebe oder den Krieg erklären, ich kann auch meine Steuererklärung abgeben, aber ich erkläre normalerweise nicht ein eine Sache, bei der das »erläutern« die richtige Formulierung wäre) ins Gefecht ziehe.

Vielleicht übertreibe ich auch. Aber es geht mir um eines: Der Autor soll sich bitteschön überlegen, ob das Wort, das er an der betreffenden Stelle benutzt, nun das ideale ist oder nicht. Ein bißchen Nachdenken hat noch niemand geschadet. Manche Autoren indes scheinen wirklich zu meinen, ihnen fliege dank ihrer Genialität alles von selbst zu ... Ein bedauerlicher Irrtum!

Was sich jeder Autor im übrigen zur Pflicht machen sollte, ist ein konsequentes Nacharbeiten seines Textes. Heutzutage ist das ja ganz einfach: Man schreibt seinen Text mit dem Computer, druckt ihn irgendwann aus, kann ihn auf dem Papier bearbeiten, diese Korrekturen in den Computer einhacken und das Werk auf diese Weise gründlich nachbearbeiten. Den Ausdruck auf Papier zum Korrigieren halte ich für wichtig, weil man einen ganz anderen Bezug zu seinem Text bekommt. Das Ausdrucken ist fast so gut wie das laute Vorlesen eines Textes!
Jeder Autor hat Lieblingswörter. Die gilt es zu reduzieren. Ich leide beispielsweise an der »noch-schon-auch«-Krankheit – diese Wörter tauchen in meinen Texten viel zu häufig auf. (Darüber hinaus neige ich dazu, zu viele Gedankenstriche und Doppelpunkte zu setzen. Aber das ist wieder ein anderes Thema ...) Also muß ich bei meinen Texten hinterher speziell nach diesen Wörtern schauen, um sie zu ersetzen oder – noch besser! – einfach zu streichen. Meist kann man solche »Füllwörter« ganz einfach streichen.

Es gibt übrigens auch »Füllsätze«, die dann gerne gesetzt werden, wenn dem Autor nichts besseres einfällt und er seinen Text mit aller Gewalt verlängern will. Ich habe schon Romane und Geschichten gelesen, in denen es von »Er nickte« oder »Er zuckte mit den Achseln« oder »Er blickte sie an« nur so wimmelte, größtenteils an Stellen, wo ebendiese Formulierungen völlig überflüssig waren. Raus mit dem Zeug! Das ist Zeilenschinderei!

Und das schlimmste, was ein Autor tun darf, ist meiner Meinung nach Zeilenschinderei. Womit diese Predigt auch zu Ende wäre ...

Klaus N. Frick
 


Einige Tips für angehende Autoren – Teil 5

Die Inhalte dieser Fortsetzungsreihe variieren ein bißchen. Irgendwann werde ich wohl eine Folge liefern, die nur aus dem Wort »Üben!« in beliebig häufiger Wiederholung besteht. Denn das ist das wichtigste, was man einem Autor oder einer Autorin sagen muß: »Üben!« Und nachdem bei der letzten Folge ein bißchen über Stil referiert wurde, soll es diesmal wieder um allgemeinere Dinge gehen.
Schon in der ersten Folge dieser Reihe habe ich darüber geschrieben, wie wichtig es ist, einen guten Einstieg in einen Text zu finden. Daran halte ich nach wie vor fest: Der Anfang eines Artikels, einer Geschichte oder eines Romans entscheidet darüber, ob der Leser am Thema bleibt.

Der Anfang

Nehmen wir beispielsweise eine schon klassische Geschichte von Ernst Vlcek – der PERRY RHO-DAN-Autor kassierte in seiner Jugend mehrere Preise für Kurzgeschichten. Die Story heißt »Gib mir Menschen« und beginnt mit folgender Formulierung: »Martin Korner, letzter Mann auf Erden.« Sofort ist der Leser gefesselt, sofort will er weiterlesen und mehr wissen über diesen Martin Korner und warum zum Teufel er der letzte Mann ist.

Nicht ganz so knapp und eher an eine Krimi-Geschichte erinnernd ist Ernst Vlceks Anfang bei »Das Mädchen Zeitlos«. Hier lautet die Formulierung: »Wenn man von einem Mann sagt, daß drei Frauen in seinem Leben eine Rolle gespielt haben, dann meint man für gewöhnlich seine Mutter, seine Ehefrau und seine Geliebte. Bei mir ist das etwas komplizierter.«
Sieht man davon ab, daß man das »dann« in diesem Satz problemlos streichen kann oder es sogar streichen sollte, weil es überflüssig ist, kann der Anfang der Geschichte nur als geglückt betrachtet werde. Sofort erwartet der Leser nämlich einen interessanten Handlungsablauf, was ihn unweigerlich in die Geschichte hineinzieht.

Ein wenig klischeehaft ging Ernst Vlcek bei der Geschichte »Der tiefgekühlte Alptraum« vor. Die Story hat einen geradezu genialen Titel und einen Anfang, der zwar spannend ist – aber eben klischeehaft: »Ich bin ein Verdammter, rettungslos verloren.«

Alle drei Beispiele zeigen sehr gut, wie ein guter Autor seine Geschichten anfangen sollte: mit ei-nem Satz, der neugierig macht und dem Leser den Eindruck vermittelt, er müsse unbedingt weiterlesen, weil er sonst etwas wichtiges verpassen könnte.

Der Anfang muß nicht notgedrungenerweise mit einem kurzen Satz eingeleitet werden. Es kann auch eine Beschreibung sein. Wer eine stimmungsvolle Geschichte schreiben will, tut wohl gut daran, auf eine Action-Szene am Anfang zu verzichten – man würde beim Leser einen falschen Eindruck erwecken. Wer eine lakonische Krimi-Geschichte schreiben möchte, sollte im Normalfall nicht von den schönen Blumen am Bachrand schreiben. Außer er erwähnt im zweiten Satz, wie die Leiche mitten zwischen den schönen Blumen liegt ...
Direkt einsteigen!

Häufig vertändeln Autoren ihre Zeit. Sie verbringen zu viel Zeit – oder eben zu viele Worte – damit, die Szenerie zu beschreiben oder die Hintergründe zu schildern.

Ich muß beim Anfang einer Geschichte oder eines Romans nicht wissen, wie der Held der Geschichte aussieht. Weitaus wichtiger ist die Szene an sich, die den Leser ansprechen soll. Erst in den folgenden Szenen können Hintergründe eingearbeitet werden. Vor allem können solche Enthüllun-gen, wenn sie dosiert eingesetzt werden, einer Geschichte oder einem Roman zusätzliche Spannung verleihen.

Bei Seminaren gebe ich immer wieder den Tip, konzentriert Kurzgeschichtensammlungen durchzuschauen, um zu erkennen, wie bekannte Autoren ihre Anfänge setzen. Welche Stilmittel benutzen sie? Wie setzen sie die Aussagen? Wie pontiert schreiben sie? Jeder Autor hat seine Vorzüge, und es hat noch nie geschadet, sich bei diesen Vorzügen schonungslos zu bedienen.

Ein gutes Hilfsmittel ist dabei übrigens eh die Kriminalgeschichte, die meist stärker auf Pointen setzt. Die Erkenntnisse einer solchen Untersuchung, die jeder für sich selbst machen kann und soll, sind leicht auf die Science Fiction zu übertragen. Übrigens auch auf jede andere Literaturrichtung.

Wobei es noch einen wesentlichen Unterschied verschiedener Richtungen gibt: Bei der Kurzgeschichte muß der Einstieg in den Text wesentlich prägnanter und kürzer sein als der Roman. Hier muß noch sorgfältiger gearbeitet werden.

Stilübungen

Im übrigen ist es ein ganz interessanter Ansatz, bei anderen Autoren zu schauen, wie sie was gemacht haben. Am besten übrigens von Autoren, die einem vielleicht nicht so liegen. Und natürlich von Autoren, die richtig gut sind.

Dialoge beispielsweise würde ich anhand von Hemingway-Texten üben. Wie der amerikanische Nobelpreisträger in seinen Kurzgeschichten die Menschen sprechen läßt, ist nach wie vor sagenhaft. Mit wenigen Sätzen werden Menschen plastisch, werden ihre Handlungen nachvollziehbar, wird von Satz zu Satz klarer, warum sich wer wie verhält.

Bei der Science Fiction die Auswahl an Autoren ebenfalls groß. Im deutschen Sprachraum kann beispielsweise Hans Kneifel mit seinen Beschreibungen genannt werden. Man muß das nicht unbedingt mögen – die Art und Weise aber, wie der PERRY RHODAN- und ATLAN-Autor höfische Szenen in Ägypten oder auf Arkon lebendig gemacht, ist faszinierend. Diese Technik nachzumachen dürfte allerdings nicht gerade sehr einfach sein. Gerade angehende Autoren, die Hans-Kneifel-Beschreibungen nicht mögen, sollen aber eben dies einmal versuchen. Und werden feststellen, wie verdammt schwer es ist, so etwas einfach »nachzumachen«.

Es geht hier nicht darum, zum Plagiat aufzurufen. Es geht darum, zur Übung aufzurufen. Mal einige Tage lang Kneifel-Stil üben – das kann nicht schaden.

Oder Dialoge schreiben. Mal einen Dialog zwischen Ermittler und Täter erfinden. Oder ein Gespräch zwischen zwei Außerirdischen, die eine grundsätzlich andere Denkweise haben. Oder eben eine Diskussion zwischen einem Roboter und einem Menschen. Möglichkeiten gibt es unendlich viel.

In den Literatur-Seminaren in Wolfenbüttel üben die Dozenten mit den Teilnehmern gerne einzelne Dinge wie Dialoge, Anfänge oder »Begegnungen«. Solche Übungen können als Fingerübung auch zu Hause vorgenommen werden. Dabei lassen sich immer wieder schöne Erkenntnisse nachweisen. Das empfehle ich allen angehenden Autoren.

Üben! Üben! Üben!

»Übung macht den Meister« ist einer der ältesten Sprüche überhaupt. Viel zu wenige beziehen diesen Satz auf die Schriftstellerei. Die meisten Autoren gehen davon aus, daß ihnen das Talent nur so zufliegen würde. Leider ist diese Denkweise völliger Unfug.

Das Schreiben von Kurzgeschichten und Romanen ist knallharte Arbeit. Natürlich sollte man ein gewisses Talent mitbringen, um richtig gut schreiben zu können. Viel wichtiger aber erscheint mir immer wieder eine ausreichende handwerkliche Basis.

Bei jedem Schreiner, Maurer oder Bankkaufmann gehe ich davon aus, daß der Mann oder die Frau eine mehrjährige Ausbildung hinter sich gebracht hat, bevor man ihn auf die Menschheit losließ. Autoren scheinen jedoch zu glauben, diese Ausbildung nicht leisten zu müssen. Entsprechend sind die Ergebnisse, die einem manchmal vor die Augen geknallt werden.
Warum wohl hat eine Reihe von PERRY RHODAN-Autoren jahrelang in Fan-Zeitschriften publiziert? Warum sind die besten amerikanischen Science-Fiction-Autoren jahrelang als Studenten bei den Clarion Workshops gewesen, um sich dort grundlegende Arbeitstechniken vermitteln lassen?

Es hat noch keinem geschadet, möglichst viel zu lernen – vor allem nicht dem Autor oder Redakteur. Und mit diesen salbungsvollen Worten soll dieser Beitrag auch enden ...

Klaus N. Frick

 

Einige Tips für angehende Autoren– Teil 6

Schuld an dieser Folge ist Martin Marheinecke aus Hamburg. Der Mann schreibt selbst Geschichten für Fanzines, ist damit eine potentielle Zielgruppe für diese Artikelreihe. Aber er hat mich im vierten Teil der Reihe bei einem peinlichen Fehler ertappt. Grund genug, auf zwei andere grundsätzliche Dinge hinzuweisen ...

Wie es sich für einen guten Leserbriefschreiber gehört, beginnt der Autor mit einem Lob. »Die wahrscheinlich nützlichste Reihe in der SOL (zumindest für Möchtegern-Schreiberlinge) dürften Klaus N. Fricks Tips für angehende Autoren sein«, schmeichelt mit der gerissene Schurke aus Hamburg, um gleich darauf mit einem Blattschuß zu landen. Ich zitiere: »Allerdings birgt KNFs Text einige Überraschungen für den stilbewußten Leser: ... der Mann ist heute Chefredakteur der führendsten Zweiradzeitschrift im deutschen Sprachraum.« Und während ich noch innehielt und tief Luft holte, streute Martin H. noch ein bißchen Salz in meine Wunden. »Bisher war ich der Ansicht, führend ließe sich nicht mehr steigern, da es ja schließlich nur eine führende deutsche Motorradpostille geben kann. Tja, man lernt nie aus!«

Natürlich hat Martin Marheinecke völlig recht, und ebenso natürlich hatte ich sofort einen Schuldigen für das Debakel gefunden. Was zu dem eigentlichen Thema dieses Artikels führt ...

Kritiker und so

Seltsamerweise gehen die meisten Autoren, vor allem die unerfahrenen, davon aus, daß ihre Texte schon gut sind, so wie sie sind, und daß man sie deshalb nicht sonderlich überarbeiten muß. Andere – darunter ich – verlassen sich gelegentlich darauf, daß ihr Text schon noch von irgend jemand Korrektur gelesen, redigiert oder sonstwie bearbeitet wird. In meinem Fall war der Schuldige natürlich Klaus Bollhöfener. Dieser Herr ist Redakteur der SOL, damit für den Inhalt verantwortlich und damit schuld an dem Fehler. Letztlich gilt ja die eiserne Regel. »Ist ein Text gut, war’s der Autor. Ist ein Text schlecht, war’s der Redakteur. Sind Fehler enthalten, war’s der Lektor.«

Genug geblödelt. Tatsache ist, daß wirklich jeder Text überarbeitungswürdig ist. Sogar Nobelpreis-träger wie Heinrich Böll ließen ihre Texte von der sorgsamen Arbeit eines Lektors glätten; Unter-haltungsautoren wie Johannes Mario Simmel bekennen bei jeder Gelegenheit, daß ihr Lektor ihnen viel hilft. Bei PERRY RHODAN gibt es zwei bis drei Menschen, die sich jeden Roman vornehmen und auf Fehler überprüfen.

Daß dennoch manchmal Fehler übersehen werden, liegt an der Natur der Sache. Kein Mensch ist vollkommen. Manche Kritiker übersehen das gelegentlich ...

Aber darum soll es ja gar nicht gehen. Viel wichtiger ist eine kontinuierliche Textarbeit. Ich empfehle nicht, halbfertige Texte rumzuzeigen. Sinnvoller ist es, einfach abzuwarten, bis ein Text richtig fertig ist, sei es nun eine Kurzgeschichte, ein Artikel oder gar ein Roman. (Außer man will wissen, ob die Richtung stimmt, aber das ist wieder eine Ausnahme.)
Ich empfehle auch nicht unbedingt, den Text den besten Freunden, dem Lebenspartner oder den Eltern zu zeigen. Das ist nur dann zu empfehlen, wenn diese Menschen die entsprechende Distanz zu dem Text entwickeln können und nicht kritiklos damit umgehen. Es ist niemanden damit gedient, wenn er auf einen Text ein »Na ja, nicht schlecht« bekommt und sonst nichts ... Sinnvoll ist stets ein Mensch, der ein Text kritisch untersucht, der die Schwachpunkte offenlegt, der aber auch sagt, was ihm gefällt und was nicht.

Man muß übrigens nicht alle Kritikpunkte, die man in einem solchen Fall zu hören kriegt, in seinen Text einarbeiten. Letzten Endes wird eh jeder Kritiker etwas anderes vorschlagen. Aber es schadet nichts, sich aus mehreren Richtungen die entsprechende Kritik zu holen und dann das umzusetzen, was man für sinnvoll erachtet.

Überarbeiten!

Kein Text ist heilig. Wenn die Geschichte geschrieben ist, der Artikel verfaßt oder der Roman abgeschlossen, ist die Sache noch lange nicht erledigt. Sinnvoll ist eigentlich, den Text einige Tage lang liegenzulassen und ihn dann erneut zu untersuchen, ihn gewissermaßen als »fremde Arbeit« zu be-trachten und gründlich durchzuschauen. Man erhält dabei ganz andere Einblicke in seine eigene Arbeit. Wenn diese Zeit nicht vorhanden ist, muß eben gründlich und mehrfach gelesen werden ...

Ein guter Trick, sich seinen eigenen Text »fremder« zu machen, ist übrigens, ihn sich laut vorzulesen. Unglaubliche Tiefen können sich da auftun. Plötzlich bemerkt der Autor selbst, daß sein Text nicht stimmt; beim Vorlesen stolpert man leichter über stilistische Holpereien und unsaubere Formulierungen. Das gewissermaßen natürliche Sprachgefühl reagiert wie ein Sensor auf solche Dinge, die einfach nicht stimmen.
Und dann gibt es nur eines: noch mal auf den Hosenboden setzen und alles noch einmal durcharbeiten. Bitte gründlich! Braucht man wirklich jedes Adjektiv, müssen die Dialoge so verfaßt sein, sind die Beschreibungen in der Geschichte zu lang? Gute Autoren denken sich in solchen Fällen gewissermaßen in ihre Leser hinein, versuchen ihren eigenen Text aus der Sicht eines anderen Menschen zu betrachten.
Hm. Fehler lassen sich trotzdem nicht ausschließen. Dafür ist letztlich der Lektor da. Aber trotzdem sollte ein Autor ein so gut wie möglich geschriebenes Werk abliefern, keine Erstversion, an der noch alles korrigiert und verändert werden muß ...

Dumme Wörter

Nochmal zurück zum Anfang. Jeder Autor weist bei seiner Schreibe charakteristische Schwächen auf, die er normalerweise nicht bemerkt. Es ist sehr hilfreich, sich eine Liste seiner eigenen Schwächen anzufertigen (natürlich geht das nur, wenn jemand auf diese Schwächen hingewiesen hat ...) und damit anschließend den Text noch einmal durchzugehen.
Wörter wie »führendst« sind trotzdem schrecklich und dürfen in einem Text nicht enthalten sein. Es handelt sich hier um stilistische Schlampereien, die man unbarmherzig aus dem Text streichen muß. Das Wort »führend« läßt sich ebensowenig steigern wie die Wörter »voll« oder »leer«. »Voller als voll« kann kein Glas werden ... Hier heißt es aufpassen. Im normalen Sprachgebrauch werden sol-che Formulierungen gerne benutzt – hier stören sie auch nicht. Im Text dürfen sie einfach nicht stehen!

Jeder Mensch neigt dazu, gewisse Wörter überproportional zu benutzen. Ich leide beispielsweise an der »noch-schon-auch«-Krankheit, das heißt, daß ich diese Wörter ständig in Texten einarbeite. Ähnlich häufig benutze ich Doppelpunkte und Gedankenstriche, um meine Texte zu gliedern. Liest die PERRY RHODAN-Redakteurin Sabine Bretzinger meine Texte, bemängelt sie das stets; mir selbst fällt das kaum ins Auge. Habe ich allerdings die Zeit, meinen eigenen Text gründlich durchzuschauen, kann ich auffällige Wiederholungen rasch streichen und meinen Text dadurch besser und lesbarer machen.

Kurzum: Kein Text ist heilig. Jede Bearbeitung hilft. Und kein Autor ist fehlerfrei! (Übrigens auch kein Leser, aber das ist eine andere Geschichte ...)

Klaus N. Frick
 
Einige Tips für angehende Autoren– Teil 7

Nachdem ich schon in der letzten Folge auf stilistischen Details geradezu herumgeritten bin, folgt diesmal ein kleiner »Nachschlag«. Grund ist ein Manuskript, das dieser Tage bei mir eintraf und eigentlich eine ganz spannende Geschichte zu erzählen wußte. Eigentlich ... Der Autor sorgte nämlich durch stilistische Kapriolen dafür, daß die Geschichte keinen Deut mehr gefallen konnte.

Solche Kapriolen lassen sich meiner Meinung nach leicht vermeiden. Es gibt eine Reihe von deutschsprachigen Büchern, die sich mit dem Stil beschäftigen; dazu kommen Sachbücher für Jour-nalisten, Drehbuchautoren und Schriftsteller. Es kann nicht schaden, sich solche Bücher anzuschau-en. Nicht jedes Buch ist für jeden angehenden Autor sinnvoll und nachvollziehbar, deshalb empfehle ich einen »Blick zuvor«. Und als kleine Einstiegshilfe gibt es in dieser Folge meiner Reihe gleich die angekündigten kleinen Hinweise.

Die Koppel-Falle

Diesen Fehler begehen sinnigerweise vor allem jene Autoren, die schon geübt sind in der deutschen Sprache, die sich seit längerem mit ihrem Stil beschäftigen und die sich deshalb bemühen, einen möglichst großen Wortschatz zu benutzen. Dummerweise rutschen sie dann gleich wieder ins ande-re Extrem: Sie benutzen zu viele Adjektive – und diese koppeln sie in manchmal unerträglicher Art und Weise mit Verben oder Substantiven.
Das Manuskript, das ich dieser Tage bekam, war ein schönes Beispiel dafür. Der Autor ließ bereits auf der ersten Seite kein erdenkliches sprachliches Klischee aus. Der Held setzt sich auf einen Klappstuhl, und dieser ist ... na? ... dieser Klappstuhl ist natürlich hölzern. Unser