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Die Reihe „Tipps für angehende
Autoren“ von Klaus N. Frick erschien
in der Sol, dem Magazin der Perry Rhodan –
Fanzentrale. Veröffentlichung mit freundlicher
Genehmigung von Klaus Bollhöfener und
Klaus N. Frick.
Einige Tips für angehende Autoren
– Teil 1
Bei den Vorarbeiten für die PERRY
RHODAN-Fan-Edition hat sich eines gezeigt:
Häufig haben junge Autoren einige
ganz spezifische Defizite. Das hat nichts
damit zu tun, ob diese Autoren gut oder
schlecht schreiben, ob sie gute oder schlechte
Ideen haben – es hängt häufig
mit rein handwerklichen Fertigkeiten zusammen.
Deshalb hat sich an der Bundesakademie
für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel
längst eine Art »Schreibschule«
für Autoren etabliert, und deshalb
wollen wir in der SOL künftig immer
wieder Tips geben.
Generell gilt für die folgende Texte,
daß sie natürlich für
Autoren gedacht sind, die beispielsweise
PERRY RHODAN-Fan-Romane verfassen möchten.
Für PERRY RHODAN gelten teilweise
andere »Gesetze« als für
allgemeine Science Fiction.
Für alle Arten von Literatur gilt
aber eines: Wird ein Manuskript eingereicht,
in dem es von Rechtschreibfehlern wimmelt,
in dem die Zeitenfolge nie stimmt und
der Autor ständig zeigt, daß
er mit der deutschen Grammatik auf Kriegsfuß
steht, hat dieses Manuskript im Normalfall
nicht die ge-ringste Chance. Kein Lektor
beschäftigt sich mit einem solchen
Manuskript intensiv – schließlich
muß er davon ausgehen, daß
der Autor keine
Ahnung von der Schriftstellerei hat. So
kann die beste Idee versanden ...
Die Idee
Und die Idee ist bei vielen Romanen das
größte Problem. Viele Fan-Autoren
versuchen mit aller Gewalt, hochkomplizierte
Ideen zu entwickeln und diese dann zu
präsentieren. Kein Witz: Das ist
der absolut falsche Weg! Eine gute Idee
muß sich notfalls in wenigen Worten
erklären lassen – alles andere
ist Beiwerk. Ob das nun das Aussehen der
Helden sind, die Kosmokraten, die Superintelli-genzen
oder die Raumschiffe.
Die Idee einer guten Science-Fiction-Geschichte,
die zudem im PERRY RHODAN-Universum spielt,
muß klar ersichtlich sein –
und die Lösung der SF-Idee muß
logischerweise auch mit Science-Fiction-Mitteln
geschehen. Wer beispielsweise in seinem
Roman einen Planeten mit allerlei ori-ginellen
Strukturen schildert, tut gut daran, die
Lösung des Problems aus dem planetaren
Konzept abzuleiten.
Eine gute Idee heißt nicht, daß
sich der Autor hinsetzt und krampfhaft
darüber nachdenkt, wie er das komplette
PERRY RHODAN-Universum in einen einzigen
Roman einarbeitet. An diesem Problem sind
schon andere Autoren gescheitert. Eine
gute Idee kann bedeuten, daß man
sich das PERRY RHODAN-Universum als eine
riesengroße Spielwiese vorstellt,
aus dieser Spielwiese ein Element herausnimmt
und daraus seine Story entwickelt. Das
Element kann eine Person ebenso sein wie
ein Raumschiff, ein Planet oder ein Volk.
Es geht nicht darum, »offene Fäden«
der PERRY RHODAN-Geschichte zu einem Abschluß
zu bringen, frei nach dem Motto »was
ist denn eigentlich in Gruelfin los, und
was machen die Cappins eigentlich?«.
Vielmehr geht es darum, eine Handlung
zu entwickeln, die Grundelemente der PERRY
RHODAN-Geschichte aufnimmt, sie neu variiert
und mit eigenen Ideen anreichert. Das
hat nichts mit exakter Recherche (die
natürlich nichts schadet) zu tun,
und noch viel weniger etwas mit Faktenhuberei.
Der Konflikt
Jeder gute Roman hat als Kernthema einen
Konflikt. Das gilt für SF natürlich
ebenso, und für PERRY RHODAN als
Teil der Science Fiction erst recht. Darüber
muß sich der Autor vorher konse-quent
Gedanken machen – auch deshalb,
weil die Lösung des Konflikts logischerweise
der Höhe-punkt seines Romans sein
sollte, auf den die Handlung zuzusteuern
hat. (Das heißt jetzt nicht, daß
sich alles auf den letzten Seiten ballen
muß, nein, nein!)
Der Konflikt muß zu Beginn des Romans
entstehen oder schon vorhanden sein, er
muß im Laufe des Romans eskalieren
und sich weiter steigern, und er muß
sich zu Ende des Romans lösen oder
beenden. Sonst macht der Roman keinen
Sinn.
Konflikt kann vieles sein; es geht hier
nicht darum, den Begriff »Konflikt«
auf eine kriegerische Auseinandersetzung
etwa in Form einer Raumschlacht zu reduzieren.
Diese Art Konflikt ist höchstens
ein Beiwerk. Konflikte entstehen zwischen
Menschen (oder Außerirdischen, logo),
sie verfügen über klare Grundlagen,
beispielsweise aus dem kulturellen Hintergrund,
und sie können sehr viel mit Gefühlen
zu tun haben. Das Exposé
Zu viele Details schaden einem Exposé
nur. Es ist nicht nötig, die Maße
der Raumschiffe und das Aussehen der Hauptpersonen
aufzulisten. Viel wichtiger ist, der Redaktion
eine klare Darstellung dessen zu geben,
was der Autor vorhat. Und diese Darstellung
sollte auf zwei bis drei Seiten entwickelt
werden.
Hier ist wieder der Konflikt wichtig.
Aus dem Exposé muß klar hervorgehen,
was die Grundlage für die Handlung
ist, wie sich diese weiterentwickelt und
wie sie auf den Höhepunkt zusteuert.
Wo steckt der Konflikt für den Helden
und die anderen Beteiligten? Wie wird
der Konflikt gelöst?
Klaus N. Frick
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Einige
Tips für angehende Autoren –
Teil 2
Nach dem wir im ersten Teil dieser Reihe
darauf hingewiesen haben, was grundsätzlich
zu beachten ist, bevor man sich an die
Ausarbeitung einer Idee oder eines Exposés
macht, geht es diesmal erneut um etwas
sehr grundsätzlich, um einen allgemeinen
Standard nämlich. Dieser ist auch
sehr wichtig ...
Natürlich ist bei dieser Folge der
Autoren-Tips etwas ganz wichtiges zu beachten:
Jede Regel hat ihre Ausnahme – je
berühmter und beliebter ein Autor,
desto größer sind die Ausnahmen
von der Regel, die er sich erlauben kann.
Wer allerdings startet, tut gut daran,
sich an prinzipielle Regeln zu halten,
die in der Branche üblich sind.
Die Vorgeschichte
Ich werde nie vergessen, wie ich 1983
in Bergisch-Gladbach saß, auf einer
Science-Fiction-Veranstaltung des Bastei-Lübbe-Verlags.
Neben mir saß eine junge blonde
Frau, die mir erzählte, sie habe
bereits erste Fantasy-Romane geschrieben,
von denen einer auch bald bei Heyne erscheinen
würde. Ich selbst hatte damals die
ersten Geschichten publiziert, träumte
von einer Schriftsteller-Karriere. Und
auf dem Podium saß ein Mann mit
Vollbart, der uns einige Illusionen raubte.
Die junge blonde Frau heißt Uschi
Zietsch und schreibt heute unter dem Pseudonym
Susan Schwartz unter anderem PERRY RHODAN-Romane;
was aus mir wurde, ist bekannt; der Mann
mit Bart heißt Ronald M. Hahn, ist
Übersetzer, Herausgeber, Autor und
ein absoluter Kenner des phantastischen
Genres.
Und er erzählte uns die Geschichte
von dem unglaublich begabten jungen Autor,
der ein unglaub-lich gutes Manuskript
geschrieben hat. Dieses Manuskript hat
der junge Autor natürlich –
damals war das so üblich –
mit der Schreibmaschine erstellt. Um Platz
zu sparen, hat er jedes Blatt auf beiden
Seiten beschrieben, und zwar von links
oben nach rechts unten, ohne einen größeren
Rand zu lassen. »Natürlich«
hat er auf Seitenzahlen und jeglichen
anderen Luxus verzichtet, er hat es ebenso
»selbstverständlich«
auch nicht geheftet.
Das Wunder geschieht: Das Manuskript kommt
zum richtigen Zeitpunkt in die richtige
Abteilung des richtigen Verlage, wird
dort sogar von einer Sekretärin geöffnet
und dann von dieser in das Zimmer des
betreffenden Redakteurs oder der betreffenden
Redakteurin getragen. Leider hören
die Wunder jetzt auf: Die Dame stolpert,
das Manuskript fällt auf den Boden,
Kaffee läuft darüber, und es
ist völlig unbrauchbar. »Natürlich«
ist auf dem Manuskript auch keine Adresse
angegeben. Was geschieht, ist klar: Das
Manuskript wandert in den Müll (heute
immerhin in den Papiercontainer). Und
einer der besten Science-Fiction-Romane
aller Zeiten bleibt unveröffentlicht,
ein unglaublich guter Autor wird nie bekannt.
Was lernen wir daraus? Erstens, daß
Ronald M. Hahn so gute Geschichten zu
erzählen weiß, daß man
sich auch über fünfzehn Jahre
danach noch an sie erinnert. Und zweitens,
daß es sehr sinnvoll ist, gewisse
Regeln einzuhalten. Das
Manuskript
Dazu gehört die Manuskript-Norm.
Eine sogenannte Standard-Seite wird mit
einer Standard-Schrift mit großzügigem
»Durchschuß« beschrieben
(früher war das eben die Schreibmaschine,
die auf »zweizeilig« eingestellt
wurde). Auf diese Weise kommen exakt 30
Zeilen auf ein Blatt Papier – und
in jeder Zeile sind rund 60 »Anschläge«.
Es können ebenso 58 oder 62 sein,
letztlich kommt es auf die durchschnittliche
Anzahl an. Ein Anschlag ist beispielsweise
ein Buchstabe, aber auch ein Satzzeichen
und ein Leerzeichen gehören zu dieser
Familie. Wer es geschickt macht, sorgt
dafür, daß links ein breiterer
Rand ist als rechts – dann kann
das Manuskript besser zusammengeheftet
werden. Es versteht sich von selbst, daß
ein Blatt Papier nur von einer Seite aus
beschrieben wird.
Der Grund für diese Norm liegt auf
der Hand: Auf einen Blick kann ein Redakteur
sehen, wie lange eine Geschichte oder
ein Roman ist. Okay, im Zeitalter des
Computers und der Diskette kann man das
auch ausrechnen lassen (so geschieht das
in der PERRY RHODAN-Redaktion); aber die
prinzipiellen Regeln sind dieselben wie
früher. Vor allem kann der Redakteur
(oder die Redakteurin) bei einer solchen
Manuskript-Form in den Texten sehr rasch
seine Anmerkungen anbringen, die einerseits
für ihn und anderseits für den
Autoren oder den Bearbeiter bestimmt sind.
Auf dem Manuskript steht bitteschön
auf der ersten Seite irgendwo der Name
des Autors und ein Titel. Und schön
wäre es, wenn es auf der letzten
Seite auch eine Adresse geben könnte.
Begleitbrief hin, Begleitschreiben her
– so etwas geht ebenso leicht verloren
wie ein Briefumschlag. Sicher ist immer
sicher! Relativ dünne Manuskripte
können geheftet oder »getackert«
werden; bei einem Roman-Manuskript empfehle
ich einen Schnellhefter. Das sieht nicht
nur gut aus, das schützt auch noch
das Manuskript gegen irgendwelche Transportschäden.
So ist zumindest die Chance gegeben, daß
das Manuskript von einem Verlagsmitarbeiter
angesehen wird ...
Verstehe das keiner falsch: Das sind keine
Schikanen. Aber üblicherweise bekommt
ein Verlag jede Woche einige Stapel von
sogenannten unverlangt eingeschickten
Manuskripten. Ein kluger Verlagsmitarbeiter
nimmt sich stets die Zeit für diese
Texte – es könnte sich ja der
neue Hemingway, der neue Böll oder
eben (in PERRY RHODAN-Kreisen) der nächste
Voltz dahinter verbergen. Wenn ein Text
allerdings völlig leser-unfreundlich
gestaltet wird, sinkt die Bereitschaft
der Redaktion sehr schnell, sich intensiv
mit dem Gebotenen auseinanderzusetzen.
Klingt doch logisch, oder? Sonstiges
...
Fehlt noch was?
Ja, der Brief, das Exposé und der
Anfang. Ich will’s in der Folge
sehr kurz machen.
Es sollte selbstständlich ein Begleitbrief
mitgeschickt werden. Der braucht nicht
lang zu sein und kann auf den Versuch
verzichten, sich bei der Redaktion »einzuschleimen«.
Kurz und knapp und höflich. Es kann
nicht schaden, einen Brief mit höflicher
Anrede zu beginnen. Kein Witz! Wir be-kamen
schon Manuskripte ohne Anschreiben, oder
es gab Briefe ohne Anrede und ohne Adresse.
Manchmal fragt man sich da ja schon ...
Wenn es sich um einen längeren Text
handelt, ist ein kleines Exposé
nicht schlecht: Auf zwei Seiten sollte
hier der Roman oder die Erzählung
skizziert werden. Das ist zwar keine Pflicht,
hilft aber durchaus. Wenn sich das Exposé
allerdings schon völlig ideenlos
liest, hat der Redakteur nicht viel Lust,
sich durch 400 Seiten Roman zu kämpfen!
Das gilt übrigens auch für den
Einstieg in den Roman. Ist der Anfang
eines Textes gleich schlecht oder langweilig,
liest kein Mensch weiter. Und prasseln
gleich im ersten Absatz die »deutsch-technischen«
Fehler auf einen Leser herunter, hat der
erst recht keine Lust. Um’s fies
zu sagen: Wenn ich im dritten Satz einer
Geschichte schon einen schmerzhaften Rechtschreibfehler
sehe, lege ich das Manuskript zur Seite.
Ich muß nämlich davon ausgehen,
daß ein Autor, der bei solchen Kleinigkeiten
versagt, auch nicht in der Lage ist, einen
längeren Text zu meistern.
Und es wäre doch schade, wenn ein
epochales Werk nur wegen solcher Kleinigkeiten
nicht gedruckt würde. Oder?
Klaus N. Frick
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Einige Tips für angehende
Autoren – Teil 3
Eigentlich ist das mit
dem Schreiben doch ganz einfach: Man setzt
sich an einen Tisch, nimmt sich einen
Block Papier und einen Stift und schreibt
los. Okay, neuerdings nimmt unsereins
einen Computer zu Hilfe – der eigentliche
Vorgang des Schreibens ist aber nach wie
vor primitiv. Woran liegt es dann, daß
so viele Autoren nicht über das Stadium
des weißen Blattes Papier oder des
hilflos vor sich hinflimmernden Bildschirms
am Computer hinauskommen?
Seien wir ehrlich: Oft liegt es daran,
daß sich angehende Autoren nicht
so richtig klar werden, wor-über
sie schreiben wollen. Im Rahmen eines
Autoren-Workshops während der Science-Fiction-Tage
NRW in Dortmund im Frühjahr dieses
Jahres fragte ich die Hobby-Autorinnen
und -Autoren nach ihren spezifischen Problemen.
Genannt wurde beispielsweise: »Ich
weiß nicht so richtig mit meiner
Hauptfigur umzugehen.« Oder eben:
»Mir ist nicht so richtig klar,
wo meine Geschichte hingehen soll.«
Beide Probleme lassen sich leicht in den
Griff bekommen, wenn man sich dafür
ein bißchen auf den Hintern setzt.
Das Datenblatt
Machen wir uns eines klar: Von einer glaubwürdigen
Hauptperson hängt unter anderem der
Verlauf der ganzen Geschichte ab. Glaubwürdig
kann diese Hauptperson aber nur sein,
wenn ich als Autor mehr über meinen
Helden weiß als mein Leser. Nur
dann kann ich schließlich meinen
Leser mit Wendungen meines Helden überzeugen
– weiß der Leser gleich auf
der ersten Seite alles über mei-nen
Helden, kann das ganz schön langweilig
sein.
Was mache ich also als erstes? Ich lege
mir eine Art Datenblatt für meinen
Helden zu. Das geht heute mit dem Computer
ganz gut, kann aber auch ganz altmodisch
mit einem Blatt Papier geschehen. Wieviel
ich auf dem Blatt notiere, hängt
allerdings von den Erfordernissen der
Geschichte ab. Für eine zwei Seiten
umfassende Kurzgeschichten brauche ich
sicher weniger Details als für einen
400seitigen Roman. Der
Name
Wie heißt unser Held beispielsweise?
Ein Name ist natürlich völlig
gleichgültig, und im PERRY RHODAN-Zeitalter
des 49. Jahrhunderts kann jeder Name so
gut funktionieren wie der andere. Völlig
klar. Nur ist mein Held nur dann für
den Leser präsent, wenn er einen
guten Namen hat, ei-nen Namen, den sich
mein Leser merken kann. Das ist im übrigen
eh das wichtigste: Ich will, daß
mein Leser bei der Stange bleibt und er
es bei der Lektüre so einfach wie
möglich hat. Dafür muß
ich ihm nicht unbedingt mit einem möglichst
komplizierten Namen zusätzlich beschäftigen.
Perry Rhodan beispielsweise ist ein hervorragender
Name, Atlan sowieso. Bei der Konkurrenz
ist wohl Luke Skywalker ungeschlagen.
Das kann sich jeder merken, dieser Name
schwingt gewisser-maßen im Leser
oder Zuschauer nach. Ganz langweilig sollte
der Name vielleicht auch nicht gerade
sein. »Peter Müller«
kann funktionieren, ist bei einer SF-Geschichte
aber nicht unbedingt das spannendste.
Vermeiden sollte man übrigens Namen,
die mit »s« oder ähnlich
lautenden Buchstaben enden. Es sieht immer
blöde aus, wenn der Held beispielsweise
»Maas« heißt und in
einem Roman immer von »Maas‘
Gleiter« oder »Maas‘
Anzug« die Rede ist. Dann doch lieber
»Maar«, um einfach einen anderen
Buchstaben ans Ende zu setzen.
Ihr seht schon, daß der Name mal
gar nicht so unwichtig ist. Da darf der
Autor ruhig mal die eine oder andere Minute
investieren. Dann paßt das auch
viel besser und wirkt nicht ganz so beliebig.
Nur Mut! Das Aussehen
Wenn es für den Fortgang der Geschichte
nicht unbedingt nötig ist, muß
das Aussehen des Helden keine Rolle spielen.
Der Autor aber sollte sehr genau wissen,
wie sein Held aussieht: Haarfarbe, Augenfarbe,
die Körpergröße und andere
Details sind interessant und können
eine Geschichte immer wieder lebendig
gestalten.
Ist unser Held nämlich durchschnittlich
groß, also um die 1,80 Meter, dann
muß er zu einem Haluter oder Ertruser
aufschauen. Zu einem Überschweren
schaut er hinunter – aus solchen
Anmerkungen lassen sich unter Umständen
hübsche Charakterisierungen erarbeiten.
Um so etwas erarbeiten zu können,
muß ich aber vorher wissen, wie
groß mein Held ist. Ebenso sollte
ich wissen, welche Augen- und Haarfarbe
er hat – das kann durchaus interessant
sein.
Ob dem Helden unbedingt eine Besonderheit
angedichtet werden muß, ist die
andere Frage. Wegen mir darf er gerne
eine Narbe im Gesicht haben oder die Haare
gerne in einer bevorzugten Art tragen.
Wichtig ist dies aber nicht unbedingt.
Es kann die Geschichte abrunden, muß
es aber nicht unbedingt. Der
Charakter
Schon vom Aussehen her lassen sich gewisse
Charakterzüge herleiten. Hat der
Held eine gewisse »Macke«?
Reibt er sich über eine kleine Narbe
am Nasenflügel? Verzieht er sein
narbiges Gesicht, wenn er grinst? Zuckt
er beispielsweise mit dem rechten Auge?
Beißt er sich auf die Unterlippe,
wenn es spannend wird? Sagt er gerne »na
also«? Diese kleinen Details können
den Verlauf einer Geschichte durchaus
beeinflussen. Umso besser, wenn sich der
Autor diese Details vorher überlegt
hat und sie nicht erst mühsam im
Verlauf der Geschichte einbauen muß.
Sammelt unser Held etwas? (Myles Kantor
sammelt Uhren, Ronald Tekener sammelt
Waffen, Atlan sammelt alte Adelstitel
...) Hat unser Held künstlerische
Vorlieben, hört er gerne Musik, oder
geht er gerne in Kunstausstellungen? Solche
Dinge muß der Leser nicht unbedingt
wissen. Schlau ist es aber, wenn der Autor
es weiß und solche Dinge bei Gelegenheit
und Bedarf in den Roman einarbeitet ...
Die Biographie
Fehlt noch ein bißchen der biographische
Hintergrund unseres Helden. Nehmen wir
an, die Ge-schichte spielt im Jahr 1290
Neuer Galaktischer Zeitrechnung und unser
Held ist durchschnittlich alt –
also um die sechzig Jahre. Dann ist er
also im Jahr 1230 geboren; behaupten wir
einfach mal, auf Terra. Die Folgen, die
sich daraus für die Geschichte herleiten,
sind ziemlich spannend.
Unser Held wuchs dann nämlich in
einer Zeit auf, in der die Aktivatorträger
bereits ihr Camelot-Projekt begannen,
in der gleichzeitig die Spannungen in
der Galaxis anstiegen und sich die Liga
Freier Terraner und das Kristallimperium
argwöhnisch beäugten. Die Zeiten,
in denen alle Galakti-ker versuchten,
an einem Strang zu ziehen, hat er nicht
mitbekommen. Er wird sich also nie als
Galaktiker verstehen, sondern nur als
Terraner – das ist schon einmal
recht wichtig für den Hintergrund
der Person. Zudem hat er die Tolkander-Invasion
durch die Medien und die Dscherro durch
eigene Anschauung mitbekommen.
Diesen Hintergrund für eine Person
sollte jeder Autor erarbeiten, auch wenn
er ihn für die Geschich-te nicht
unbedingt braucht. Es ist jedoch immer
wieder hilfreich, so etwas zu wissen.
Dann lassen sich Reaktionen des Helden
oder persönliche Gewohnheiten leichter
herleiten. Und es lassen sich einige Pannen
vermeiden.
So wird beispielsweise ein Held, der im
Jahr 1130 NGZ auf der Erde geboren worden
ist (bei einer Lebenserwartung von bis
zu 200 Jahren ist dies durchaus realistisch!),
nie von einer unbeschwerten Kindheit reden
können. Zu dieser Zeit lebten die
Menschen nämlich nahezu alle in der
Simusense, und die Milchstraße wurde
von den Cantaro beherrscht. Wer also unbedingt
einen Helden in seiner Geschichte haben
will, der 160 Jahre alt ist, der sollte
sich vorher sehr gründlich dessen
Biographie überlegen ...
Die Folgen daraus
Das ist dann das entscheidende daran.
Habe ich genügend Hintergründe
über meine Figur erarbeitet, um die
ich meine Geschichte stricken will, ergibt
sich vielleicht schon von selbst die Story
– oder der Plot, oder die Handlung,
was immer man auch sagen will. Aufgrund
der Hintergründe einer Figur erarbeiten
sich irgendwelche Spannungen und Konflikte
schon von selbst. Und auf deren Basis
läßt sich trefflich weiterarbeiten.
Nehmen wir als Beispiel noch mal unseren
160 Jahre alten Helden, der auf der Erde
geboren wurde (in vitro?) und die letzten
Auswirkungen der Simusense komplett mitbekam.
Behaupten wir doch einfach mal, daß
dieser Mann daraus eine Marotte entwickelt
hat, daß er keine virtuellen Welten
mehr betreten möchte. Und auf technische
Spielereien verzichtet er so gut wie vollständig;
er rechnet beispielsweise lieber etwas
auf dem Papier aus, anstatt einen Syntron
zu fragen.
Damit haben wir einen wesentlichen Charakterzug
von ihm beschrieben – und können
uns zahlreiche weiterführende Ideen
ausdenken. Kleines Beispiel gefällig?
Unser Held muß, um als Detektiv
erfolgreich seinen Fall zu lösen,
sich der Hilfe eines syntronischen Programms
bedienen, mit dessen Hilfe er sich in
die Psyche eines möglichen Mörders
hineindenken kann. Daraus ließe
sich eine spannende Geschichte herleiten,
denn natürlich kann unser Held nicht
so einfach mit diesem Programm arbeiten
...
Von dieser Sorte ließen sich genügend
Ideen entwickeln. Und das ist dann ganz
einfach, die Grundlagen sind schließlich
gelegt. Jetzt muß nur noch geschrieben
werden, oder nicht? Dazu vielleicht beim
nächsten Mal mehr ...
Klaus N. Frick
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Einige
Tips für angehende Autoren –
Teil 4
Nachdem wir in den bisherigen
Teilen dieser Serie einige grundsätzliche
Dinge geklärt haben, die ein Autor
beherzigen sollte, bevor er mit dem Schreiben
beginnt, soll es diesmal einige konkrete
Tips geben.
Um es aber gleich im voraus klarzumachen:
Die Regeln, die in den folgenden Zeilen
aufgestellt werden, sind nicht unbedingt
verbindlich. Je besser ein Autor ist und
umso besser er sich auf die Feinheiten
der deutschen Sprache versteht, umso souveräner
kann er sprachliche Hürden umschiffen
– und dann eben Dinge tun, die eigentlich
als »schlecht« gelten. Wobei
das ohnehin häufig schlicht eine
Geschmackssache ist ...
Nehmen wir zudem noch mal eines vorneweg:
Die Erläuterungen in dieser Reihe
dienen Autoren, die unterhalten und ihre
Leser erreichen wollen. Wer Lyrik schreibt
oder schwerst anspruchsvolle Literatur,
ist hier nicht richtig – für
diese Art Literatur gelten andere Regeln.
Dasselbe gilt für »Schubladen-Literaten«:
Wer in erster Linie für sich selbst
schreibt, braucht sich nicht an Regeln
zu halten. Es spricht nicht das geringste
dagegen, für die Schublade zu schreiben.
Solche Literatur hat ihre größte
Bedeutung für den Autor oder die
Autorin selbst und leidet eigentlich am
meisten, wenn man sie mit aller Gewalt
ans Licht der Öffentlichkeit zerrt.
Wer aber für ein größeres
Publikum und nicht nur für die Schublade
schreibt, tut gut daran, sich über
eines Gedanken zu machen: Wer liest meine
Texte? Und wie schaffe ich es, meinen
Leser so zu packen, daß er den Text
komplett liest und ihn auch komplett versteht?
In Zeiten wie diesen, in denen die Informationshäppchen
immer kleiner werden und immer schneller
auf den Leser oder Betrachter hereinprasseln,
ist es mehr als nur sinnvoll, dem Leser
den Text mundgerecht zu machen. Das heißt
nicht, daß man »dumm«
schreiben soll – das ist in erster
Linie eine Aufforderung, sauber und präzise
zu schreiben!
Eindeutige Formulierungen
Man erkennt schlechte Texte sehr schnell,
selbst wenn die Autoren keinen grammatikalischen
Fehler begangen haben: Sie »holpern«.
Auch der Leser, der sich nicht mit den
Feinheiten der deutschen Sprache auskennt,
bemerkt das sehr schnell, wenngleich er
den Fehler vielleicht nicht klar zu benennen
weiß. Die grundsätzlichen Fehler
lassen sich auf wenige Punkte reduzieren.Beschreibungen
sind ungenau, Sachverhalte werden weit
ausschweifend erläutert, Handlungen
verlaufen gewisssermaßen »falsch«,
und Dialoge entfernen sich meilenweit
von dem, was Menschen wirklich sagen.
Entscheidende Übung für jeden
Autor ist also, sich genau zu überlegen,
ob die Formulierung, die er (oder sie
– natürlich!) benutzt, auch
so stimmt. Ist die Sprache aussagekräftig
genug? Passen die Worte? Welche Worte
sind zu viel? Versteht jeder, was ich
damit sagen will?
Schlecht ist beispielsweise eine Formulierung
wie: »Rainer befand sich hinter
dem Busch.« Was tut Rainer denn
da? Sitzt Rainer? Steht Rainer? Kratzt
sich Rainer an der Nase? Folgende Formulie-rung
ist eindeutiger: »Rainer stand hinter
dem Busch.« Oder eben: »Rainer
kauerte hinter dem Busch.« Mit dem
»Kauern« wird dem Leser ganz
nebenbei ein Bild vermittelt: Er weiß,
daß es dem Helden wahrscheinlich
nicht optimal geht, denn »kauern«
ist keine sehr bequeme Körperhaltung.
Jederzeit ist eine Formulierung wie »Peter
rannte um die Ecke« einem Satz wie
»Peter bewegte sich schnell um die
Ecke« voranzuziehen. Wobei übrigens
»Peter rannte schnell um die Ecke«
richtig falsch wäre, geradezu doppelt
formuliert, denn jemand, der rennt, ist
im allgemeinen auch schnell.
Soweit mal ein kurzer Einblick. Die wichtigste
Lektion, die ich vermitteln will, ist,
daß man jeden Text gründlich
prüfen sollte. Die erste Prüfung
sollte sein, ob das Wort überhaupt
stimmt und ob es die richtige Bedeutung
besitzt – und die zweite Prüfung
muß sein, ob der Satz im richtigen
Zusammenhang steht.
Kommen beispielsweise viele Sätze,
die den gleichen Aufbau besitzen, hintereinander,
schleicht sich beim Leser sehr schnell
das Gefühl von Langeweile ein. Also
bitte gerne mal die »Richtung«
wechseln, die der Satz einschlägt.
Nicht immer müssen in der deutschen
Sprache Subjekt, Prädikat und Objekt
so aufeinander folgen wie es hier klingt
– hier kann fleißig variiert
werden. Mehrere »und«-Konstruktionen
hintereinander können echt tödlich
sein.
Hilfreich ist dabei übrigens, sich
jeden Satz einmal laut vorzulesen. Ich
werde nie den Tag vergessen, an dem Joachim
Körber, ein bekannter Übersetzer
(unter anderem übertrug er Stephen-King-Romane
ins Deutsche) aus seinem ersten Buch vorlas.
Er las die ersten Seiten seines Horror-Romans,
und plötzlich blickte er auf, blickte
uns, sein Publikum also, an und lachte
kurz. »Mein Gott!« sagte er
und lachte erneut. »Ist das schwülstig!«
Er hatte seinen Text zum erstenmal laut
gehört und prompt einige umständliche
Formulierungen bemerkt. Un-
und Füllwörter
Wortwiederholungen sind ebenso schrecklich
wie umständliche Formulierungen.
Wobei natürlich gewisse Wortwiederholungen
in fein dosierter Form zu bestimmten Wirkungen
führen können, die der Autor
beabsichtigt hat – das ist aber
wieder ein Sonderfall. Dabei gibt es neben
Wortwiederholungen, die sich schon mit
Hilfe eines Synonym-Lexikons bekämpfen
lassen, etwas Schlimmes – die sogenannten
Unwörter.
Ich nenne diese Wörter gerne »Unwörter«,
wobei die Formulierung nicht von mir stammt.
Eingebleut wurde sie mir von meinem Chef
in der Agentur für Public Relations,
in der ich drei Jahre lang arbeitete –
der Mann ist heute Chefredakteur der führendsten
Zweiradzeitschrift im deutschen Sprachraum.
Und von ihm habe ich noch einmal richtig
viel lernen können.
Schlimm ist beispielsweise die »Maßnahme«.
Es mag sein, daß das Wort bei Schneidereien
oder beim Totengräber gut angebracht
ist, wenn beispielsweise an einem Menschen
oder eben seiner Leiche „Maß
genommen“ wird. Ansonsten hat das
Wort in erster Linie seinen Ursprung im
Beamten-deutsch, wo es auch bleiben sollte.
Natürlich will ich das Wort »Maßnahme«
nicht komplett verteufeln – aber
man sollte es gründlich reduzieren.
Vor allem in Zusammenhang mit »durchführen«
ist es ganz besonders gräßlich.
Mein liebstes Beispiel: »Sie führen
eine Reparaturmaßnahme durch.«
Was ist denn gemeint? Gemeint ist: »Sie
reparierten etwas.« Das klingt vielleicht
schlichter – aber es ist einfach
richtiger. Aber was ist mit folgendem
Satz gemeint? »Die Regierung will
mit einem Bündel von Maßnahmen
eine Reduzierung der Steuerlast durchführen.«
Könnte man nicht einfach schreiben:
»Die Regierung will die Steuern
reduzieren.« Noch besser: »...
die Steuern senken.« Das versteht
jeder, es ist schlicht, aber nicht schlecht.
Die »Maßnahme« hat dieselbe
Funktion wie das »durchführen«:
Sie bläht Sätze auf, macht sie
unübersichtlich und verschleiert
häufig, was eigentlich gemeint ist.
Ein anderes Unwort, das ich sehr gerne
habe, ist das »ausführen«.
»Ausgeführt« werden Waren
ins Ausland – da paßt es.
Es paßt aber nicht zu Dialogen.
»Mir geht es gut, führte er
aus«, ist einfach falsch. Hier paßt
das schlichte Wort »sagen«
viel besser. Auch die »Ausführung«
bläht gerne einen Satz auf.
Und wenn wir schon dabei sind: »Erwidern«
wird gerne falsch benutzt, auch von honorigen
Autoren und Übersetzern. »wider«
steht schon die Verneinung, also sollte
das Wort »erwidern« am besten
nur bei Verneinungen eingesetzt werden.
Auf »Wie geht es dir?« kann
man eigentlich nicht »erwidern«,
sondern höchstens mit einem »gut«
oder »schlecht« antworten.
Anders ist es mit einer »erwidernden«,
also verneinenden Antwort auf eine Frage
wie »Hat es dir gefallen?«
Man mag mich jetzt päpstlich schimpfen,
wenn ich gegen Worte wie »beinhalten«
(Substantive, die zu Verben werden, sind
immer schlecht, besonders schlimm ist
aber das »beinhalten«) oder
das »erklären« (ich kann
jemand die Liebe oder den Krieg erklären,
ich kann auch meine Steuererklärung
abgeben, aber ich erkläre normalerweise
nicht ein eine Sache, bei der das »erläutern«
die richtige Formulierung wäre) ins
Gefecht ziehe.
Vielleicht übertreibe ich auch. Aber
es geht mir um eines: Der Autor soll sich
bitteschön überlegen, ob das
Wort, das er an der betreffenden Stelle
benutzt, nun das ideale ist oder nicht.
Ein bißchen Nachdenken hat noch
niemand geschadet. Manche Autoren indes
scheinen wirklich zu meinen, ihnen fliege
dank ihrer Genialität alles von selbst
zu ... Ein bedauerlicher Irrtum!
Was sich jeder Autor im übrigen zur
Pflicht machen sollte, ist ein konsequentes
Nacharbeiten seines Textes. Heutzutage
ist das ja ganz einfach: Man schreibt
seinen Text mit dem Computer, druckt ihn
irgendwann aus, kann ihn auf dem Papier
bearbeiten, diese Korrekturen in den Computer
einhacken und das Werk auf diese Weise
gründlich nachbearbeiten. Den Ausdruck
auf Papier zum Korrigieren halte ich für
wichtig, weil man einen ganz anderen Bezug
zu seinem Text bekommt. Das Ausdrucken
ist fast so gut wie das laute Vorlesen
eines Textes!
Jeder Autor hat Lieblingswörter.
Die gilt es zu reduzieren. Ich leide beispielsweise
an der »noch-schon-auch«-Krankheit
– diese Wörter tauchen in meinen
Texten viel zu häufig auf. (Darüber
hinaus neige ich dazu, zu viele Gedankenstriche
und Doppelpunkte zu setzen. Aber das ist
wieder ein anderes Thema ...) Also muß
ich bei meinen Texten hinterher speziell
nach diesen Wörtern schauen, um sie
zu ersetzen oder – noch besser!
– einfach zu streichen. Meist kann
man solche »Füllwörter«
ganz einfach streichen.
Es gibt übrigens auch »Füllsätze«,
die dann gerne gesetzt werden, wenn dem
Autor nichts besseres einfällt und
er seinen Text mit aller Gewalt verlängern
will. Ich habe schon Romane und Geschichten
gelesen, in denen es von »Er nickte«
oder »Er zuckte mit den Achseln«
oder »Er blickte sie an« nur
so wimmelte, größtenteils an
Stellen, wo ebendiese Formulierungen völlig
überflüssig waren. Raus mit
dem Zeug! Das ist Zeilenschinderei!
Und das schlimmste, was ein Autor tun
darf, ist meiner Meinung nach Zeilenschinderei.
Womit diese Predigt auch zu Ende wäre
...
Klaus N. Frick
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Einige Tips für angehende
Autoren – Teil 5
Die Inhalte dieser Fortsetzungsreihe
variieren ein bißchen. Irgendwann
werde ich wohl eine Folge liefern, die
nur aus dem Wort »Üben!«
in beliebig häufiger Wiederholung
besteht. Denn das ist das wichtigste,
was man einem Autor oder einer Autorin
sagen muß: »Üben!«
Und nachdem bei der letzten Folge ein
bißchen über Stil referiert
wurde, soll es diesmal wieder um allgemeinere
Dinge gehen.
Schon in der ersten Folge dieser Reihe
habe ich darüber geschrieben, wie
wichtig es ist, einen guten Einstieg
in einen Text zu finden. Daran halte
ich nach wie vor fest: Der Anfang eines
Artikels, einer Geschichte oder eines
Romans entscheidet darüber, ob
der Leser am Thema bleibt.
Der Anfang
Nehmen wir beispielsweise eine schon
klassische Geschichte von Ernst Vlcek
– der PERRY RHO-DAN-Autor kassierte
in seiner Jugend mehrere Preise für
Kurzgeschichten. Die Story heißt
»Gib mir Menschen« und beginnt
mit folgender Formulierung: »Martin
Korner, letzter Mann auf Erden.«
Sofort ist der Leser gefesselt, sofort
will er weiterlesen und mehr wissen
über diesen Martin Korner und warum
zum Teufel er der letzte Mann ist.
Nicht ganz so knapp und eher an eine
Krimi-Geschichte erinnernd ist Ernst
Vlceks Anfang bei »Das Mädchen
Zeitlos«. Hier lautet die Formulierung:
»Wenn man von einem Mann sagt,
daß drei Frauen in seinem Leben
eine Rolle gespielt haben, dann meint
man für gewöhnlich seine Mutter,
seine Ehefrau und seine Geliebte. Bei
mir ist das etwas komplizierter.«
Sieht man davon ab, daß man das
»dann« in diesem Satz problemlos
streichen kann oder es sogar streichen
sollte, weil es überflüssig
ist, kann der Anfang der Geschichte
nur als geglückt betrachtet werde.
Sofort erwartet der Leser nämlich
einen interessanten Handlungsablauf,
was ihn unweigerlich in die Geschichte
hineinzieht.
Ein wenig klischeehaft ging Ernst Vlcek
bei der Geschichte »Der tiefgekühlte
Alptraum« vor. Die Story hat einen
geradezu genialen Titel und einen Anfang,
der zwar spannend ist – aber eben
klischeehaft: »Ich bin ein Verdammter,
rettungslos verloren.«
Alle drei Beispiele zeigen sehr gut,
wie ein guter Autor seine Geschichten
anfangen sollte: mit ei-nem Satz, der
neugierig macht und dem Leser den Eindruck
vermittelt, er müsse unbedingt
weiterlesen, weil er sonst etwas wichtiges
verpassen könnte.
Der Anfang muß nicht notgedrungenerweise
mit einem kurzen Satz eingeleitet werden.
Es kann auch eine Beschreibung sein.
Wer eine stimmungsvolle Geschichte schreiben
will, tut wohl gut daran, auf eine Action-Szene
am Anfang zu verzichten – man
würde beim Leser einen falschen
Eindruck erwecken. Wer eine lakonische
Krimi-Geschichte schreiben möchte,
sollte im Normalfall nicht von den schönen
Blumen am Bachrand schreiben. Außer
er erwähnt im zweiten Satz, wie
die Leiche mitten zwischen den schönen
Blumen liegt ...
Direkt einsteigen!
Häufig vertändeln Autoren
ihre Zeit. Sie verbringen zu viel Zeit
– oder eben zu viele Worte –
damit, die Szenerie zu beschreiben oder
die Hintergründe zu schildern.
Ich muß beim Anfang einer Geschichte
oder eines Romans nicht wissen, wie
der Held der Geschichte aussieht. Weitaus
wichtiger ist die Szene an sich, die
den Leser ansprechen soll. Erst in den
folgenden Szenen können Hintergründe
eingearbeitet werden. Vor allem können
solche Enthüllun-gen, wenn sie
dosiert eingesetzt werden, einer Geschichte
oder einem Roman zusätzliche Spannung
verleihen.
Bei Seminaren gebe ich immer wieder
den Tip, konzentriert Kurzgeschichtensammlungen
durchzuschauen, um zu erkennen, wie
bekannte Autoren ihre Anfänge setzen.
Welche Stilmittel benutzen sie? Wie
setzen sie die Aussagen? Wie pontiert
schreiben sie? Jeder Autor hat seine
Vorzüge, und es hat noch nie geschadet,
sich bei diesen Vorzügen schonungslos
zu bedienen.
Ein gutes Hilfsmittel ist dabei übrigens
eh die Kriminalgeschichte, die meist
stärker auf Pointen setzt. Die
Erkenntnisse einer solchen Untersuchung,
die jeder für sich selbst machen
kann und soll, sind leicht auf die Science
Fiction zu übertragen. Übrigens
auch auf jede andere Literaturrichtung.
Wobei es noch einen wesentlichen Unterschied
verschiedener Richtungen gibt: Bei der
Kurzgeschichte muß der Einstieg
in den Text wesentlich prägnanter
und kürzer sein als der Roman.
Hier muß noch sorgfältiger
gearbeitet werden.
Stilübungen
Im übrigen ist es ein ganz interessanter
Ansatz, bei anderen Autoren zu schauen,
wie sie was gemacht haben. Am besten
übrigens von Autoren, die einem
vielleicht nicht so liegen. Und natürlich
von Autoren, die richtig gut sind.
Dialoge beispielsweise würde ich
anhand von Hemingway-Texten üben.
Wie der amerikanische Nobelpreisträger
in seinen Kurzgeschichten die Menschen
sprechen läßt, ist nach wie
vor sagenhaft. Mit wenigen Sätzen
werden Menschen plastisch, werden ihre
Handlungen nachvollziehbar, wird von
Satz zu Satz klarer, warum sich wer
wie verhält.
Bei der Science Fiction die Auswahl
an Autoren ebenfalls groß. Im
deutschen Sprachraum kann beispielsweise
Hans Kneifel mit seinen Beschreibungen
genannt werden. Man muß das nicht
unbedingt mögen – die Art
und Weise aber, wie der PERRY RHODAN-
und ATLAN-Autor höfische Szenen
in Ägypten oder auf Arkon lebendig
gemacht, ist faszinierend. Diese Technik
nachzumachen dürfte allerdings
nicht gerade sehr einfach sein. Gerade
angehende Autoren, die Hans-Kneifel-Beschreibungen
nicht mögen, sollen aber eben dies
einmal versuchen. Und werden feststellen,
wie verdammt schwer es ist, so etwas
einfach »nachzumachen«.
Es geht hier nicht darum, zum Plagiat
aufzurufen. Es geht darum, zur Übung
aufzurufen. Mal einige Tage lang Kneifel-Stil
üben – das kann nicht schaden.
Oder Dialoge schreiben. Mal einen Dialog
zwischen Ermittler und Täter erfinden.
Oder ein Gespräch zwischen zwei
Außerirdischen, die eine grundsätzlich
andere Denkweise haben. Oder eben eine
Diskussion zwischen einem Roboter und
einem Menschen. Möglichkeiten gibt
es unendlich viel.
In den Literatur-Seminaren in Wolfenbüttel
üben die Dozenten mit den Teilnehmern
gerne einzelne Dinge wie Dialoge, Anfänge
oder »Begegnungen«. Solche
Übungen können als Fingerübung
auch zu Hause vorgenommen werden. Dabei
lassen sich immer wieder schöne
Erkenntnisse nachweisen. Das empfehle
ich allen angehenden Autoren.
Üben! Üben! Üben!
»Übung macht den Meister«
ist einer der ältesten Sprüche
überhaupt. Viel zu wenige beziehen
diesen Satz auf die Schriftstellerei.
Die meisten Autoren gehen davon aus,
daß ihnen das Talent nur so zufliegen
würde. Leider ist diese Denkweise
völliger Unfug.
Das Schreiben von Kurzgeschichten und
Romanen ist knallharte Arbeit. Natürlich
sollte man ein gewisses Talent mitbringen,
um richtig gut schreiben zu können.
Viel wichtiger aber erscheint mir immer
wieder eine ausreichende handwerkliche
Basis.
Bei jedem Schreiner, Maurer oder Bankkaufmann
gehe ich davon aus, daß der Mann
oder die Frau eine mehrjährige
Ausbildung hinter sich gebracht hat,
bevor man ihn auf die Menschheit losließ.
Autoren scheinen jedoch zu glauben,
diese Ausbildung nicht leisten zu müssen.
Entsprechend sind die Ergebnisse, die
einem manchmal vor die Augen geknallt
werden.
Warum wohl hat eine Reihe von PERRY
RHODAN-Autoren jahrelang in Fan-Zeitschriften
publiziert? Warum sind die besten amerikanischen
Science-Fiction-Autoren jahrelang als
Studenten bei den Clarion Workshops
gewesen, um sich dort grundlegende Arbeitstechniken
vermitteln lassen?
Es hat noch keinem geschadet, möglichst
viel zu lernen – vor allem nicht
dem Autor oder Redakteur. Und mit diesen
salbungsvollen Worten soll dieser Beitrag
auch enden ...
Klaus N. Frick
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Einige Tips
für angehende Autoren– Teil
6
Schuld an dieser Folge ist Martin Marheinecke
aus Hamburg. Der Mann schreibt selbst
Geschichten für Fanzines, ist damit
eine potentielle Zielgruppe für diese
Artikelreihe. Aber er hat mich im vierten
Teil der Reihe bei einem peinlichen Fehler
ertappt. Grund genug, auf zwei andere
grundsätzliche Dinge hinzuweisen
...
Wie es sich für einen guten Leserbriefschreiber
gehört, beginnt der Autor mit einem
Lob. »Die wahrscheinlich nützlichste
Reihe in der SOL (zumindest für Möchtegern-Schreiberlinge)
dürften Klaus N. Fricks Tips für
angehende Autoren sein«, schmeichelt
mit der gerissene Schurke aus Hamburg,
um gleich darauf mit einem Blattschuß
zu landen. Ich zitiere: »Allerdings
birgt KNFs Text einige Überraschungen
für den stilbewußten Leser:
... der Mann ist heute Chefredakteur der
führendsten Zweiradzeitschrift im
deutschen Sprachraum.« Und während
ich noch innehielt und tief Luft holte,
streute Martin H. noch ein bißchen
Salz in meine Wunden. »Bisher war
ich der Ansicht, führend ließe
sich nicht mehr steigern, da es ja schließlich
nur eine führende deutsche Motorradpostille
geben kann. Tja, man lernt nie aus!«
Natürlich hat Martin Marheinecke
völlig recht, und ebenso natürlich
hatte ich sofort einen Schuldigen für
das Debakel gefunden. Was zu dem eigentlichen
Thema dieses Artikels führt ...
Kritiker und so
Seltsamerweise gehen die meisten Autoren,
vor allem die unerfahrenen, davon aus,
daß ihre Texte schon gut sind, so
wie sie sind, und daß man sie deshalb
nicht sonderlich überarbeiten muß.
Andere – darunter ich – verlassen
sich gelegentlich darauf, daß ihr
Text schon noch von irgend jemand Korrektur
gelesen, redigiert oder sonstwie bearbeitet
wird. In meinem Fall war der Schuldige
natürlich Klaus Bollhöfener.
Dieser Herr ist Redakteur der SOL, damit
für den Inhalt verantwortlich und
damit schuld an dem Fehler. Letztlich
gilt ja die eiserne Regel. »Ist
ein Text gut, war’s der Autor. Ist
ein Text schlecht, war’s der Redakteur.
Sind Fehler enthalten, war’s der
Lektor.«
Genug geblödelt. Tatsache ist, daß
wirklich jeder Text überarbeitungswürdig
ist. Sogar Nobelpreis-träger wie
Heinrich Böll ließen ihre Texte
von der sorgsamen Arbeit eines Lektors
glätten; Unter-haltungsautoren wie
Johannes Mario Simmel bekennen bei jeder
Gelegenheit, daß ihr Lektor ihnen
viel hilft. Bei PERRY RHODAN gibt es zwei
bis drei Menschen, die sich jeden Roman
vornehmen und auf Fehler überprüfen.
Daß dennoch manchmal Fehler übersehen
werden, liegt an der Natur der Sache.
Kein Mensch ist vollkommen. Manche Kritiker
übersehen das gelegentlich ...
Aber darum soll es ja gar nicht gehen.
Viel wichtiger ist eine kontinuierliche
Textarbeit. Ich empfehle nicht, halbfertige
Texte rumzuzeigen. Sinnvoller ist es,
einfach abzuwarten, bis ein Text richtig
fertig ist, sei es nun eine Kurzgeschichte,
ein Artikel oder gar ein Roman. (Außer
man will wissen, ob die Richtung stimmt,
aber das ist wieder eine Ausnahme.)
Ich empfehle auch nicht unbedingt, den
Text den besten Freunden, dem Lebenspartner
oder den Eltern zu zeigen. Das ist nur
dann zu empfehlen, wenn diese Menschen
die entsprechende Distanz zu dem Text
entwickeln können und nicht kritiklos
damit umgehen. Es ist niemanden damit
gedient, wenn er auf einen Text ein »Na
ja, nicht schlecht« bekommt und
sonst nichts ... Sinnvoll ist stets ein
Mensch, der ein Text kritisch untersucht,
der die Schwachpunkte offenlegt, der aber
auch sagt, was ihm gefällt und was
nicht.
Man muß übrigens nicht alle
Kritikpunkte, die man in einem solchen
Fall zu hören kriegt, in seinen Text
einarbeiten. Letzten Endes wird eh jeder
Kritiker etwas anderes vorschlagen. Aber
es schadet nichts, sich aus mehreren Richtungen
die entsprechende Kritik zu holen und
dann das umzusetzen, was man für
sinnvoll erachtet. Überarbeiten!
Kein Text ist heilig. Wenn die Geschichte
geschrieben ist, der Artikel verfaßt
oder der Roman abgeschlossen, ist die
Sache noch lange nicht erledigt. Sinnvoll
ist eigentlich, den Text einige Tage lang
liegenzulassen und ihn dann erneut zu
untersuchen, ihn gewissermaßen als
»fremde Arbeit« zu be-trachten
und gründlich durchzuschauen. Man
erhält dabei ganz andere Einblicke
in seine eigene Arbeit. Wenn diese Zeit
nicht vorhanden ist, muß eben gründlich
und mehrfach gelesen werden ...
Ein guter Trick, sich seinen eigenen Text
»fremder« zu machen, ist übrigens,
ihn sich laut vorzulesen. Unglaubliche
Tiefen können sich da auftun. Plötzlich
bemerkt der Autor selbst, daß sein
Text nicht stimmt; beim Vorlesen stolpert
man leichter über stilistische Holpereien
und unsaubere Formulierungen. Das gewissermaßen
natürliche Sprachgefühl reagiert
wie ein Sensor auf solche Dinge, die einfach
nicht stimmen.
Und dann gibt es nur eines: noch mal auf
den Hosenboden setzen und alles noch einmal
durcharbeiten. Bitte gründlich! Braucht
man wirklich jedes Adjektiv, müssen
die Dialoge so verfaßt sein, sind
die Beschreibungen in der Geschichte zu
lang? Gute Autoren denken sich in solchen
Fällen gewissermaßen in ihre
Leser hinein, versuchen ihren eigenen
Text aus der Sicht eines anderen Menschen
zu betrachten.
Hm. Fehler lassen sich trotzdem nicht
ausschließen. Dafür ist letztlich
der Lektor da. Aber trotzdem sollte ein
Autor ein so gut wie möglich geschriebenes
Werk abliefern, keine Erstversion, an
der noch alles korrigiert und verändert
werden muß ... Dumme
Wörter
Nochmal zurück zum Anfang. Jeder
Autor weist bei seiner Schreibe charakteristische
Schwächen auf, die er normalerweise
nicht bemerkt. Es ist sehr hilfreich,
sich eine Liste seiner eigenen Schwächen
anzufertigen (natürlich geht das
nur, wenn jemand auf diese Schwächen
hingewiesen hat ...) und damit anschließend
den Text noch einmal durchzugehen.
Wörter wie »führendst«
sind trotzdem schrecklich und dürfen
in einem Text nicht enthalten sein. Es
handelt sich hier um stilistische Schlampereien,
die man unbarmherzig aus dem Text streichen
muß. Das Wort »führend«
läßt sich ebensowenig steigern
wie die Wörter »voll«
oder »leer«. »Voller
als voll« kann kein Glas werden
... Hier heißt es aufpassen. Im
normalen Sprachgebrauch werden sol-che
Formulierungen gerne benutzt – hier
stören sie auch nicht. Im Text dürfen
sie einfach nicht stehen!
Jeder Mensch neigt dazu, gewisse Wörter
überproportional zu benutzen. Ich
leide beispielsweise an der »noch-schon-auch«-Krankheit,
das heißt, daß ich diese Wörter
ständig in Texten einarbeite. Ähnlich
häufig benutze ich Doppelpunkte und
Gedankenstriche, um meine Texte zu gliedern.
Liest die PERRY RHODAN-Redakteurin Sabine
Bretzinger meine Texte, bemängelt
sie das stets; mir selbst fällt das
kaum ins Auge. Habe ich allerdings die
Zeit, meinen eigenen Text gründlich
durchzuschauen, kann ich auffällige
Wiederholungen rasch streichen und meinen
Text dadurch besser und lesbarer machen.
Kurzum: Kein Text ist heilig. Jede Bearbeitung
hilft. Und kein Autor ist fehlerfrei!
(Übrigens auch kein Leser, aber das
ist eine andere Geschichte ...)
Klaus N. Frick
|
Einige Tips für
angehende Autoren– Teil 7
Nachdem ich schon in der letzten Folge
auf stilistischen Details geradezu herumgeritten
bin, folgt diesmal ein kleiner »Nachschlag«.
Grund ist ein Manuskript, das dieser Tage
bei mir eintraf und eigentlich eine ganz
spannende Geschichte zu erzählen
wußte. Eigentlich ... Der Autor
sorgte nämlich durch stilistische
Kapriolen dafür, daß die Geschichte
keinen Deut mehr gefallen konnte.
Solche Kapriolen lassen sich meiner Meinung
nach leicht vermeiden. Es gibt eine Reihe
von deutschsprachigen Büchern, die
sich mit dem Stil beschäftigen; dazu
kommen Sachbücher für Jour-nalisten,
Drehbuchautoren und Schriftsteller. Es
kann nicht schaden, sich solche Bücher
anzuschau-en. Nicht jedes Buch ist für
jeden angehenden Autor sinnvoll und nachvollziehbar,
deshalb empfehle ich einen »Blick
zuvor«. Und als kleine Einstiegshilfe
gibt es in dieser Folge meiner Reihe gleich
die angekündigten kleinen Hinweise.
Die Koppel-Falle
Diesen Fehler begehen sinnigerweise vor
allem jene Autoren, die schon geübt
sind in der deutschen Sprache, die sich
seit längerem mit ihrem Stil beschäftigen
und die sich deshalb bemühen, einen
möglichst großen Wortschatz
zu benutzen. Dummerweise rutschen sie
dann gleich wieder ins ande-re Extrem:
Sie benutzen zu viele Adjektive –
und diese koppeln sie in manchmal unerträglicher
Art und Weise mit Verben oder Substantiven.
Das Manuskript, das ich dieser Tage bekam,
war ein schönes Beispiel dafür.
Der Autor ließ bereits auf der ersten
Seite kein erdenkliches sprachliches Klischee
aus. Der Held setzt sich auf einen Klappstuhl,
und dieser ist ... na? ... dieser Klappstuhl
ist natürlich hölzern. Unser
Held hebt seinen speckigen Filzhut zu
einem kecken Gruß, er nimmt sein
angeschmutztes Taschentuch zur Hand, wischt
damit über die schweißnasse
Stirn und blickt in die grelle Sonne.
Daß der Sand der Wüste, in
der er sich aufhält, hell ist und
die wenigen Palmen am Horizont grüne
Blätter besitzen, verschweigt der
freundliche Autor ebensowenig.
Was ich damit meine: Die Koppelung von
Hauptwort und Adjektiv birgt derart viele
Koppel-Fallen in sich, daß man sehr
wohl aufpassen muß, daß nicht
ein Klischee auf das andere folgt ...
Mit zielsicherem Instinkt finden zahlreiche
Autoren genau die »richtigen«
Koppel-Fallen, die ihr Manuskript letztlich
unlesbar machen.
Fast noch schlimmer ist aber die andere
Unsitte, die sich leider auch bei professionellen
Schriftstel-lern zu häufig findet.
(Und Redakteuren, keine Sorge ...) In
diesem Fall werden Verben mit Adjektiven
bzw. Adverben gekoppelt. Die Personen
entrüsten sich – natürlich
»gespielt«. Sie lachen –
na-türlich »schallend«.
Sie schauen jemanden an – natürlich
»erschrocken«. Sie krächzen
– natürlich »erregt«.
Oder sie murren – logischerweise
»unwillig«. Ganz zu schweigen
von Helden, die »laut« rufen,
»leise« flüstern oder
gar »schnell« rennen. Zwei
Drittel dieser Verb-Ergänzungen kann
ersatzlos gestrichen werden, und es sind
im Normalfall immer noch zuviel dieser
Konstruktionen im Text vorhanden!
Die Steigerung ist das sogenannte Doppelmoppeln:
Ich will schon gar nicht vom »weißen
Schimmel« anfangen, solche Fehler
dürften eigentlich niemandem mehr
passieren, der sich kritisch mit dem eigenen
Text beschäftigt. Wenn aber eine
im Roman geschilderte Landschaft »öde«
ist, gehe ich davon aus, daß sie
auch »abwechslungslos« ist.
Das zweite Adjektiv ist bei einer solchen
Aufzählung problemlos zu streichen;
im Zweifelsfall muß der Autor das
stärkere nehmen, das, welches am
besten paßt. Sehr oft benutzen Autoren
»doppelt gemoppelte« Formulierungen,
bei denen das zweite Adjektiv das erste
nur in anderer Form wiederholt.
Abschließend kann zu diesem Thema
nur die Tageszeitung zitiert werden, für
die ich früher gearbeitet habe. Dort
gab es einen geflügelten Spruch,
den der Redakteur auch aus einem schlauen
Buch geklaut hatte: »Wenn du ein
Adjektiv in deinem Artikel brauchst, geh
hoch zum Chefredakteur und frag bei dem
nach, ob es überhaupt nötig
ist.«
Wobei zu einem guten Text natürlich
gut gewählte Adjektive gehören.
Aber das wiederum ist ein ganz anderes
Thema ... Das Bestiarium
Dieser Abschnitt paßt gut. In vielen
Romanen kommt man sich nämlich vor,
als halte man sich in einem Zoo auf. Die
jeweiligen Personen krächzen und
brummen, sie murren und schnaufen, sie
brüllen und grollen, sie murmeln
und schauen wölfisch. Auf die Dauer
wirkt das mehr als albern; man hat als
Lektor oder als Leser das Gefühl,
der Autor wolle vor allem beweisen, wie
gut er den Griff ins Synonym-Lexikon beherrscht
oder wie gut er in punkto Wortschatz ist.
Ein schlichtes »er sagte«
ist häufig einer Formulierung wie
»er schnaufte« vorzuziehen,
wenn es keinen Grund gibt, wie ein Walroß
zu schnauben. In den meisten Fällen
»sagt« man nämlich wirklich
etwas, oder man »spricht«
etwas. Selbst wenn jemand entsetzt in
die Wäsche guckt, ist sein Kommentar
zu irgendwelchen Enthüllungen selten
»geröchelt«. Bei solchen
Szenen ist häufig ein bißchen
»weniger« deutlich mehr.
Die »und«-Langweiler
Eine Falle, in die auch professionelle
Autoren gerne tappen: Sie wollen Spannung
erzeugen und hängen zusammengesetzte
Hauptsätze aneinander. Oder, noch
besser: Sie reihen Nebensätze anein-ander,
die sie durch »und«-Konstruktionen
verbinden. Je nach Text, sind die Folgen
häufig fatal. Anstatt daß der
Text spannender wird, endet er in Langeweile.
Nicht gut ... das will ja kein Autor.
Konkretes Beispiel gefällig? »Der
Raumfahrer blickte auf und sah in die
Ferne. Langsam erhob sich dort das Raumschiff
vom Landefeld und verschwand in der dichten
Wolkendecke. Der Raumfahrer hob die Hand
und schickte seinen Freunden einen letzten
Gruß hinterher.« Jeder Satz
für sich ist richtig, insgesamt ergibt
sich ein kreuzlangweiliger Text. Warum?
Weil dreimal hintereinander dieselbe Konstruktion
kommt – für den Leser wird
die sprachliche Abfolge somit nicht mehr
interessant und fesselnd, er verliert
sehr schnell den Faden. Ein schlichter
Trick ist hier, einfach einmal ein »und«
wegfallen zu lassen und durch ein Komma
zu ersetzen. Besser wäre allerdings,
zwei der drei Sätze so umzustellen,
daß der Schwerpunkt des Satzes ein
anderer wird und die »und«-Konstruktion
ganz verschwindet.
Dasselbe gilt selbstverständlich
für zusammengesetzte Hauptsätze.
Über die neue deutsche Rechtschreibung,
nach der in solchen Fällen nicht
einmal mehr ein Komma vor dem »und«
gesetzt werden soll, muß ich mich
an dieser Stelle hoffentlich nicht auslassen;
zu diesem sprachlichen Unsinn wurde an
anderer Stelle schon genug geschrieben.
Ein solcher Satz kann nämlich durchaus
unterhaltsam sein: »Die Stimmung
in der Arena schien zu kochen, und Atlan
spürte, wie seine Anspannung wuchs.
Sein Gegner wagte einen neuen Angriff,
er hob sein Schwert, die Waffe raste von
schräg oben auf den Arkoniden zu,
und Atlan konnte sich im letzten Augenblick
zur Seite rollen, sprang auf, und dann
stand er auf den Beinen und konnte nun
seinerseits den Gegner angreifen.«
Das geht, das ist in Ordnung – aber
dann bitteschön nach einer solchen
Abfolge von mehreren »und«-Konstruktionen
den Blickwinkel und den Stil der jeweiligen
Sätze wechseln. Sonst wird aus der
spannenden Action-Szene ganz schnell ein
Langweiler. Einige Kleinigkeiten
Vermeiden sollte man übrigens allgemein,
Formulierungen zu wiederholen. Das bezieht
sich auch auf Sätze mit reflexiven
Verben wie »er duckte sich«
oder »er bewegte sich«. Dreimal
»sich« in einem Satz zu benutzen
ist definitiv zu viel – davon lassen
sich zwei ohne Problem streichen.
Beim nächsten Mal sollte ich vielleicht
einmal von den sprachlichen Klischees
auf die rein inhaltli-chen Klischees überwechseln.
Auch hier gibt es einiges zu beachten,
und das bezieht sich nicht nur auf Texte
aus den Bereichen Science Fiction und
Fantasy, sondern ebenso auf Texte der
sogenannten allgemeinen Literatur oder
des Krimis.
Klaus N. Frick
|
Einige Tips für angehende Autoren–
Teil 8
Diese Folge entsteht unter mörderischem
Zeitdruck. Man muß sich gewissermaßen
vorstellen, der Redakteur der SOL steht
hinter dem Autor dieser Zeilen, schwingt
die Zeilen und ruft immer wieder »Ich
will den Artikel!« Die Entschuldigung,
man habe doch erst gerade die Frankfurter
Buchmesse hinter sich gebracht und sei
permanent im Zeitdruck, bringt hier
leider nicht viel ...
Aus diesem Grund ist diese Folge von
»Einige Tips für angehende
Autoren« eine eher kurze Abhandlung
mit einigen kürzeren stilistischen
Einzelheiten. Häufig handelt es
sich hier um Geschmackssache, selbstverständlich,
aber es schadet nichts, sich über
solche geschmäcklerischen Dinge
auch zu kümmern. Ein Autor, der
seine Formulierungen gut bis sehr gut
wählt, hat es stets leichter, sich
mit seinen eigenen stilistischen Mitteln
gegen einen Lektor durchzusetzen, auch
wenn diese Mittel haarscharf an den
Regeln der Grammatik vorbeigleiten könnten.
Problemfall Präsens
Gelegentlich muß ein Autor, will
er seine Geschichte in einer passenden
Umgebung ansiedeln, Beschreibungen liefern.
Dabei kommt es häufig zu Beschreibungen
im Präsens. Konkretes Beispiel
gefällig?
»Während Peter Müller
im Flugzeug seine Akten durchblätterte,
rief er sich noch einmal in Erinnerung,
was er alles über Uganda wußte.
Das Land grenzt an den Sudan, an das
vom Bürgerkrieg verwüstete
Kongo, an Kenia und Ruanda. Seine Hauptstadt
heißt Kampala, und einen großen
Teil ihres Proteinbedarfs deckt die
Bevölkerung aus den Fischen, die
in den großen Seen gefangen werden.
Müller schaute nachdenklich zum
Fenster hinaus. Das war es. Fische ...
Er lächelte leicht.«
So kann man es machen, es ist eigentlich
nicht falsch. Denn natürlich ist
das, was in diesem Text beschrieben
wird, faktisch richtig. Man kann es
also tatsächlich in der Gegenwartsform
schreiben. Ganz ehrlich: Ich finde,
das liest sich gräßlich.
Wenn der ganze Roman in der Vergangenheitsform
erzählt ist, sind Landschaftsbeschreibungen
und allgemeine Informationen, die auch
»jetzt« gelten, trotzdem
in dieser Vergangenheitsform zu bringen.
Vor allem, wenn es um Informationen
geht, die zur Geschichte gehören,
die sie vorantreiben sollen.
Vielleicht sollte man als Autor deshalb
die eine Regel beherzigen: Bitte bleib
in der Zeitform, die zu Deiner Geschichte
gehört.
Aber natürlich hat jede Regel auch
ihre Ausnahme. In diesem Fall geht es
wieder um das Präsens. In spannenden
Geschichten kann es nämlich durchaus
ein interessanter Kunstgriff sein, bei
Action-Szenen von der Vergangenheits-
in die Gegenwartsform zu wechseln. Das
ist mit Filmen vergleichbar, in denen
die Zeitlupe eingesetzt wird. Die Gegenwartsform
liest sich in diesem Fall ebenso wie
eine Zeitlupe, macht die Geschehnisse
der Action-Szene unter Umständen
stärker erfahrbar, erhöht
die Anteilnahme des Lesers am Schicksal
des Helden.
Aber eins darf hier nicht übersehen
werden: Solche Präsens-Szenen dürfen
nicht zum Selbstzweck werden. Wer sie
einsetzt, muß genau wissen, was
er mit ihnen vorhat. Und mehr als nötig
darf er sie ebenfalls nicht benutzen,
denn sonst werden sie in einer Häufung
ganz schnell langweilig!
»Völkische«
Klischees
Vor allem in schlechten Romanen auch
professioneller Autoren finden sich
Klischees zuhauf. Albanische Männer
fuchteln bei jeder Gelegenheit mit dem
Messer, afrikanische Männer sind
wahre Sex-Wunder, und türkische
Männer neigen zur Sentimentalität.
Asiatische Frauen werden als »an-schmiegsam«
beschrieben, Russinnen besitzen schwarze
Haare und sagen bei jeder Gelegenheit
»Towarischtsch«, während
Amerikanerinnen zickig sind und mit
lackierten Fingernägeln durch die
Luft wedeln. Will der Autor dann zu
allem Überfluß noch seine
politische Korrektheit beweisen, führt
er einen Deutschen ein, der sich wie
ein Nazi verhält, seine Haare streng
scheitelt und einen Deutschen Schäferhund
besitzt.
Ganz ehrlich: Ich will so etwas nicht
lesen. Und man sollte die Leser nicht
so einschätzen, daß sie so
etwas lesen wollen. Mag sein, daß
die Boulevard-Presse die Klischeebildung
bei den Menschen verstärkt. Als
Schriftsteller hat man jedoch die Ausgabe,
solchen Klischees entgegenzuwirken.
In jedem Volk gibt es »solche
und solche«, um es plump zu sagen.
Also sollte man die Menschen entsprechend
schildern.
Das heißt aber jetzt bitteschön
nicht in vorauseilendem Gehorsam aus
jedem Fremden, der in einer Geschichte
vorkommt, sofort einen »Gutmenschen«
zu machen. Wenn es für eine Geschichte
oder einen Roman wichtig ist, daß
ein Arkonide ein arroganter Pinsel ist,
darf der Autor das selbstverständlich
tun. Wer für eine Kriminalgeschichte,
die in Hamburg spielt, unbedingt einen
schwarzen Drogenhändler braucht,
kann diesen als Figur in seiner Geschichte
verwenden. Es geht letzten Endes darum,
für den Leser eine Welt zu erschaffen,
die glaubhaft ist – ob es sich
nun um eine Krimi-Geschichte in Deutschland
oder einen Science-Fiction-Roman in
den Tiefen der Milchstraße handelt.
Klischees kann man so und so vermeiden.
Je vielfältiger die Ausdrucksweise
eines Autors ist, je mehr er sich darum
bemüht, die Stärken und Schwächen
all seiner Figuren zu erkennen und sie
bei Bedarf auch einzusetzen, um so weniger
tappt er in die Klischee-Falle.
Klaus N. Frick
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Einige Tips für angehende Autoren
– Teil 9
Nachdem ich es nicht geschafft
habe, in der letzten SOL einen Text mit
Tips für Autoren zu schreiben, gibt
es diesmal wieder eine Folge. Heute geht
es mehr um die »Stilschule«,
sprich um kleine Hinweise darauf, wie
man einen Text durch kleine Änderungen
verbessern kann. Wobei auch hier gilt,
daß nur Übung erst den Meister
macht ...
Immer wieder stelle ich fest, daß
ich bei der Lektüre von Geschichten
schon sehr schnell über die ersten
Sätze stolpere und dann keine Lust
mehr habe. Das ist nicht unbedingt mein
Fehler, vielleicht ein Fehler meiner Ungeduld
– es ist ein Fehler des Autors oder
der Autorin. Ziel eines Schriftstellers
sollte ja schließlich sein, seine
Leser so zu fesserln, daß diese
nicht mehr aufhören können,
an seinem Text weiterzulesen.
Dazu benötigt man natürlich
eine spannende Geschichte. Hilfreich ist
aber ebenso, wenn der Text so gut aufgebaut
ist, daß jeder Satz für sich
spannend und passend ist. Stimmen der
Stil und die grammatische Richtung nicht,
kann sich der Autor noch so viel Mühe
geben und niemand wird seinen Text interessant
finden. Um es fies zu sagen: Wenn ich
gleich im ersten Satz über grammatikalische
Fallen und stilistische Pannen stolpere,
verliere ich die Lust am Weiterlesen.
Dann muß ich nämlich davon
ausgehen, daß der Autor –
wenn er schon solche Kleinigkeiten nicht
beherrscht – nicht in der Lage ist,
seinen Text ausreichend professionell
und interessant zu gestalten.
Die folgenden Tips können nur Hinweise
geben. Auf dem deutschsprachigen Markt
existieren eini-ge Sachbücher, die
sich mit stilistischen Fragen beschäftigen.
Zu empfehlen sind unter anderem die mehrfach
nachgedruckten und in verschiedenen Verlagen
publizierten Bücher von Wolf Schneider,
die so schöne Titel wie »Deutsch
fürs Leben« und »Deutsch
für Profis« tragen. Deren Lektüre
wird von mir dringlich ans Herz gelegt!
Das passende Wort
Wie wichtig es ist, das ideale Wort zu
finden, habe ich im Rahmen meiner Artikelserie
schon gele-gentlich erwähnt. Mein
schönstes Beispiel ist stets der
folgende Satz: »Peter befand sich
hinter dem Busch.« Das Beispiel
bringe ich immer wieder, weil es so schön
einleuchtend ist. Wie einfach wäre
es, hier einfach zu schreiben: »Peter
saß hinter dem Busch.« Oder
eben auch: »Peter stand hinter dem
Busch.« Oder noch besser: »Peter
kauerte hinter dem Busch.« Mit dem
Wort »kauern« assoziiert der
Leser nämlich gleich eine gewisse
Heimlichkeit, als ob Peter etwas zu verbergen
hätte. Das weckt Interesse, da will
man doch eher weiterlesen, als wenn sich
Peter einfach irgendwo »befindet«.
Oft kann man ein starkes oder ein schwaches
Verb benutzen. Natürlich kann man
beispielsweise »Gewinn machen«,
besser ist allerdings die Formulierung
»Gewinn erzielen« oder gar
»Gewinn erwirtschaften«. Fröhliche
Familien können »Reisen machen«,
sie können aber auch »Reisen
unter-nehmen« oder gar »auf
Reisen gehen«. Alles nur eine Frage
der Perspektive – und vor allem
eine Frage des passenden Wortes.
Nicht nur Verben müssen passen, auch
bei Adjektiven – sofern sie überhaupt
sinnvoll sind – ist es nötig,
daß sie »stimmig« sind.
Natürlich kann ich schreiben, daß
jemand »groß« ist. Will
ich aber beispielsweise schreiben, welchen
Eindruck ein Haluter auf einen Menschen
hat, wäre das Wort »riesig«
angebracht, vielleicht auch das Wort »gigantisch«
(was eh dasselbe ausdrückt), vielleicht
sogar das Wort »erdrückend«
oder »überwältigend«
- dann nämlich, wenn sich der Haluter
in eine Raumschiffzentrale hineinbewegt,
in der er eigentlich keinen Platz haben
dürfte.
Es geht jetzt nicht darum, bei jeder Gelegenheit
auf den Putz zu hauen und Wörter
zu finden, die das normale Wort übertreffen.
Ein schlichtes »groß«
kann genügen, ein harmloses »sagte«
viel mehr bedeuten als ein »grummelte«
oder gar »antwortete«.
Indirekte Aussagen
Am besten ist es ohnehin, gewisse starke
Worte durch indirekte Aussagen zu unterstreichen.
Die Tatsache, daß jemand »groß«
ist, läßt sich doch auch so
formulieren: »Um dem Haluter in
die Augen sehen zu können, mußte
Perry den Kopf in den Nacken legen.«
Oder gerne auch: »Die Finger des
Ertrusers waren dicker als Atlans Unterarme.«
In einem solchen Fall muß ich erst
gar nicht mehr dazu schreiben, daß
der Ertruser mit einiger Sicherheit kräftiger
ist als unser so schwächlich wirkender
Arkonide ... da ist die indirekte Beschreibung
um einiges aussagekräftiger.
Eine direkte Aussage ist: »Er war
nervös.« Kann man stehen lassen,
stimmt ja sicher auch. Warum aber nicht
einfach umschreiben? Kleines Beispiel:
»Myles Kantor wischte sich seine
widerstrebende Strähne aus der Stirn,
nagte mit den Zähnen auf der Unterlippe.
Mit den Fingern der rechten Hand kratzte
er seinen linken Handrücken.«
Das Verhalten des Wissenschaftlers sagt
aus, daß mit ihm etwas nicht stimmt;
da muß man dann nicht mehr schreiben,
daß er nervös ist. Für
den Leser ist das nachvollziehbar, und
der Autor kann mit solchen einfachen Konstruktionen
dem Leser die Person seines Textes weitaus
besser nahebringen.
Bewegungen machen einen Text lebendiger.
Ich empfehle in meinen Seminaren in Wolfenbüttel
den Autoren gerne, sie sollen lieber Handlungen
darstellen als nüchtern zu beschreiben.
Ich will nicht vom Autor als Tatsache
hingestellt bekommen, was er sieht, sondern
ich möchte es selbst #sehen#, möchte
auf diese Weise selbst einen Eindruck
vom Geschehen bekommen. Werde ich als
Leser zum Mitfühlenden und Mitleidenden,
wird mein Eindruck vom Geschehen ganz
anders.
Es nützt mir wenig, wenn der Autor
mir sagt, seine Hauptperson habe Angst.
Lese ich aber, wie sich diese Angst auswirkt,
wie die Person schwitzt, wie ihre Zähne
klappern, wie sie sich nervös umschaut
und wie sie bei jedem Geräusch zusammenzuckt,
wird das Geschehen für mich wesentlich
intensiver und der Text dadurch spannender.
Partizipialkonstruktionen
Bei allen Sätzen warten schöne
Fallen auf den Leser, die in der deutschen
Grammatik ihren Ursprung haben. Im englischen
klingt manches ja schön: »Walking
down the street he talked about ...«
Auf deutsch kann man das nicht wörtlich
übertragen: »Die Straße
hinuntergehend sprach er über ...«
Also dann doch bitteschön: »Während
er die Straße hinunterging, sprach
er über ...« Das leuchtet jedem
ein, das lernt man normalerweise auch
im Schulunterricht.
Warum dann so viele Autoren trotzdem Konstruktionen
benutzen, in denen es von umständlichen
Partizipien und anderem nur so wimmelt,
ist mir schleierhaft. »Während
Atlan, sich auf dem Boden abrollend, seinen
Strahler abfeuerte, teleportierte Gucky.«
Nicht unbedingt genial, aber schlicht
und ergreifend besser ist doch: »Während
Atlan sich auf dem Boden abrollte und
seinen Strahler abfeuerte, teleportierte
Gucky.« Daß beide Handlungen,
das Abrollen und das Schießen, gleichzeitig
pas-sieren, belegt das schöne Wörtchen
»und«, da brauche ich keine
Partizipialkonstruktion.
Manchmal kann diese ja schön sein,
manchmal erzielt sie auch eine Wirkung.
In der direkten Rede lasse ich sie mir
beispielsweise durchaus gefallen –
da kann sie ja eine Figur entsprechend
charakterisieren. Unpassend sind solche
Konstruktionen jedoch in beschreibenden
Texten, vor allem dann, wenn Tempo erzeugt
werden. Synchronesisch
Noch einige Sätze zum Vormarsch der
englischen Sprache, gegen den ich nichts
habe. Begriffe wie »Internet«
kommen aus gutem Grund aus dem Englischen,
und es ist meiner Meinung nach Unsinn,
einen Kampf um die Reinhaltung der deutschen
Sprache zu führen. Wovor man sich
als Autor je-doch hüten sollte, ist,
zu viele unverständliche Fremdwörter
zu benutzen (dazu sicher ein andermal)
oder gar auf Synchronesisch umzusteigen.
Dieser Fachbegriff stammt von Ronald M.
Hahn, dem Autor, Übersetzer und Herausgeber.
Er führt gewisse Formulierungen,
die mittlerweile von vielen Autoren benutzt
werden, darauf zurück, daß
man schlechtes Deutsch ständig im
Fernsehen hört. Dann nämlich,
wenn Fernsehserien schnell und billig
ins Deutsche synchronisiert werden.
Da entstehen dann eben lustige Konstruktionen.
Aus »not really« wird nicht
– wie es richtig wäre –
ein »eigentlich nicht«, sondern
ein »nicht wirklich«. Und
ein »no idea« bedeutet nicht
»keine Idee«, sondern natürlich
»keine Ahnung«. Von einem
»nervösen Zusammenbruch«,
einem »nervous break-down«,
der in Wirklichkeit natürlich ein
»Nervenzusammenbruch« ist,
wollen wir schon gar nicht reden.
Das schlimme: Nicht nur in schlecht synchronisierten
amerikanischen Fernsehserien finde ich
solche Formulierungen, sondern eben auch
in deutschen Texten. Da haben die Autoren
einfach das falsche Deutsch aus dem Fernsehen
im Kopf, und das ist häufig peinlich.
Wer die Formulierung »es macht keinen
Sinn« benutzt, guckt meiner Meinung
nach zu viel fern. »It makes no
sense« gibt es natürlich im
Englischen, im Deutschen würde ich
aber lieber ein »es ergibt keinen
Sinn« oder gar ein »es ist
sinnlos« lesen. Manchmal ist die
deutsche Sprache nämlich tat-sächlich
kürzer und prägnanter als die
englische.
Und mit diesen schönen Worten möchte
ich diese Predigt für diese SOL-Ausgabe
beenden.
Klaus N. Frick
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Einige Tips für angehende Autoren
– Teil 10
Vorspann:
In dieser Folge geht’s um das
heikle Thema Ausbildung. Erstaunlicherweise
scheinen viele Schriftsteller im deutschsprachigen
Raum nämlich zu glauben, sie müßten
ihr Handwerk nicht lernen, sondern könnten
einfach »drauflos schreiben«,
um nach dem Motto »Learning By
Doing« irgendwie schon ihre epochalen
Romane zustande zu bringen. Aus persönlicher
Anschauung will ich diesmal über
potentielle Ausbildungsmöglichkeiten
schreiben.
Bei jeder Gelegenheit wird immerhin
darüber gejammert, wie ach so überlegen
die amerikanischen Schriftsteller den
deutschen seien. Jeder Verlag sei nur
noch daran interessiert, die leicht
verkäuflichen amerikanischen Romane
in die deutsche Sprache zu übersetzen,
um sie hier zu veröffentlichen.
Sieht man davon ab, daß es ganz
so einfach nicht ist, daß es schließlich
auch ein Publikum gibt, das nach amerikanisch
klingenden Helden lechzt und eben nicht
nach Romanen, die in Senegal oder in
Vietnam spielen und von den dort lebenden
Autoren geschrieben werden, ist die
Aussage nicht falsch: Die deutschsprachigen
Verlage publizieren gerne Autoren aus
dem englischsprachigen Ausland.
Warum denn? Sicher nicht, weil Verleger
und Lektoren es besonders schätzen,
neben den Autoren und deren Agenten
auch noch die Übersetzer zu bezahlen.
Sondern aus dem ganz profanen Grund,
weil die angloamerikanischen Autoren
professioneller arbeiten, weil sie in
einem höheren Maße gut gemachte
Unterhaltungsliteratur liefern als deutschsprachige
Schriftsteller. Das gilt im übrigen
ebenso für die Musik-Industrie
oder die Computerspiel-Branche –
aber um die soll es in diesem Artikel
nicht geben.
Anscheinend gibt es irgend etwas, was
amerikanische Autoren ganz fundamental
von deutschsprachigen unterscheidet.
Ist es vielleicht die Ausbildung? Ist
es die Tatsache, daß es an amerikanischen
Universitäten mit einer Selbstverständlichkeit
ohnegleichen Kurse in »Creative
Writing« gibt, die von honorigen
Profi-Autoren geleitet werden? Ist es
die Tatsache, daß an ebenjenen
Universitäten in den sogenannten
University Press-Verlagen die Erstlingwerke
junger Schriftsteller publiziert werden?
Ist es die Tatsache, daß es zu
allem Überfluß auch noch
eine Reihe von Ausbildungsstätten
gibt wie die sogenannten Clarion Workshops,
in denen junge Autoren das Handwerkszeugs
auf pro-fessionelle Weise beigebracht
wird?
Mag sein, daß es daran liegt.
Ebenso sicher liegt es daran, daß
der englischsprachige Markt eben einfach
viel größer ist als der deutschsprachige.
Punktum. Und daß Hollywood mittlerweile
zu einer amerikanisierten Weltkultur
geführt hat.
Trotzdem ist es für deutschsprachige
Autoren von großer Bedeutung,
sich fortzubilden. Es nutzt nichts,
über die augenscheinliche Überlegenheit
der Amerikaner zu jammern und gleichzeitig
im Status halbseidener Betroffenheitsliteratur
zu verharren, die ihre 3000 subventionierten
Leser findet, aber keinen echten Markt.
Es gibt hier auch entsprechende Möglichkeiten
Die Volkshochschulen
An zahlreichen deutschen Volkshochschulen
gibt es sie bereits: Literaturwerkstätten,
Kurse für kreatives Schreiben,
Schriftstellertreffen – wie immer
man es nennen mag. Häufig handelt
es sich um Treffen gleichgesinnter Autoren,
die sich gemeinsam über ihre Werke
unterhalten und dann darüber reden,
was gut und was schlecht ist. Manchmal
gibt es Vorträge in solchen Werkstätten,
manchmal werden gemeinsame Lesungen
veranstaltet, manchmal gibt es sogar
ein einmal im Jahr erscheinendes kleines
Büchlein, das die wichtigsten Texte
zusammenfaßt und für ein
größeres Publikum herausbringt.
Da ich jahrelang in einer solchen »Literarischen
Werkstatt«, wie das damals in
Freudenstadt hieß, mitgemacht
habe, verfüge ich über gewisse
Erfahrungen. Prinzipiell gilt, so meine
ich, daß eine solche Werkstatt
sehr wohl etwas nutzt: Man lernt, sich
über seinen eigenen Text mit anderen
Autoren zu unterhalten, vor allem mit
Autoren, die nicht nur im Genre Science
Fiction zu Hause sind; man lernt darüber
hinaus Kritik zu üben, die nicht
zu sehr weh tun darf.
Als ich selbst mit 16 oder 17 Jahren
in dieser Werkstatt anfing, half mir
das ungemein. Ich war der einzige, der
unter 30 war, wahrscheinlich sogar der
einzige Teilnehmer unter 40. Es war
sehr interessant für mich, die
Auseinandersetzung mit Ȋlteren
Menschen« zu suchen, die naturgemäß
mit meiner Denkweise und meinen Texten
nicht so viel anzufangen wußten.
Nach wenigen Jahren hörte ich allerdings
auf; ich merkte, daß mir die ganze
Sache nicht mehr weiterhalf. Ich stieß
an die Gren-zen dieser Werkstatt, die
in einem sehr hohen Umfang »im
eigenen Saft schmorte«: Der eine
Autor schrieb am liebsten Aphorismen
und wollte nichts anderes haben, die
andere Autorin verfaßte Kindergedichte
mit holpernden Reimen, die man nicht
kritisieren durfte, »weil sich
das nun mal so abgespielt hat«,
ein weiterer Autor verstieg sich in
Satzgebilden, die niemand verstand,
die er aber für besonders gebildet
hielt. Und keiner dieser Autoren hatte
den Ansatz, sich ernsthaft fortzubilden,
sie alle nutzten die Werkstatt nur als
Bühne für sich selbst.
Gegen eine solche Bühne ist nichts
zu sagen, sie kann einem schließlich
helfen. Sie wird einem aber nicht #weiter#helfen.
Wer schreiben will, dem empfehle ich
also ernsthaft, nach einer solchen Werkstatt
oder einer art-verwandten Einrichtung
bei der örtlichen Volkshochschule
zu suchen und daran teilzunehmen. Aussteigen
kann man schnell, wenn es dem eigenen
Vorankommen nicht dient. In diesem Fall
#sollte# man sogar aussteigen –
es könnte den eigenen Fortschritt
zu einem besseren Stil und zu besseren
Geschichten behindern!
Fernkurse für Schriftsteller
Immer wieder werden sogenannte Fernkurse
für angehende Autoren angeboten,
die vor allem ziemlich viel Geld kosten.
Ich kenne Menschen, die haben an solchen
Kursen teilgenommen; diese berichteten
mir durchaus von guten Erfolgen. Man
lerne viel in solchen Kursen, das Lernmaterial
sei hervorragend, und auch die Dozenten
würden sich viel Mühe geben.
Einige solcher Unterrichtsmaterialien
wurden mir in den 80er Jahren auch zur
Verfügung gestellt (eine Frau aus
unserer Volks-hochschule hatte an einem
solchen Fernkurs teilgenommen); diese
Materialien sind nicht schlecht.
Inwiefern ein solcher Kurs sinnvoll
ist oder nicht, vermag ich nicht zu
beurteilen. Letzten Endes ist es eine
Frage des Geldes: Will man die entsprechende
Summe investieren oder nicht? Reicht
vielleicht nicht ein gutes Handbuch
aus? Oder ist nicht zuletzt die Zusammenarbeit
mit anderen Autoren besser, wie am Beispiel
der Volkshochschulen genannt?
Der Story-Schieber-Ring
Am sinnvollsten erscheint mir allerdings
die Zusammenarbeit mit anderen Hobby-Autoren,
die möglichst dieselben Ziele und
Ambitionen verfolgen sollten. In den
80er Jahren gab es in der deutschsprachigen
Fan-Szene eine Reihe von Hobby-Autoren,
die sich gegenseitig ihre Geschichten
zuschickten und sie intern besprachen.
Sie nannten das gesamte Gebilde den
Story-Schieber-Ring, weil die Stories
von einem Autoren zum anderen geschickt
wurden und jeder seine Anmerkungen auf
dem Manuskript hinterließ.
Im Zeitalter von Internet und E-Mail
dürfte das noch viel einfacher
sein. Sinnvoll ist auf jeden Fall, daß
hier Fans zusammenarbeiten, die sich
gut verstehen. Kritik ist bei einer
solchen Zusammenarbeit sicher das wichtigste;
diese sollte sachkundig und direkt sein,
aber eben nicht verletzen. Hier das
richtige Maß zu finden ist garantiert
nicht einfach.
Machen wir uns einfach nichts vor: Ein
Fan-Autor, der nur gelobt wird, kann
sich nicht weiter ent-wickeln, vor allem,
wenn ihm nie jemand sagt, was er falsch
macht. Andauernder Tadel macht einen
Autor allerdings auch nicht besser.
Schon aus diesen Gründen ist es
sinnvoll, in einem Story-Schieber-Ring
mit solchen Autoren zusammenzuarbeiten,
die man kennt – dann können
die Ergebnisse eigentlich nur gut sein.
Wahrscheinlich besser als bei einem
Schriftsteller-Seminar per Post, das
viel Geld kostet, und wahrscheinlich
besser als bei einem Volkshochschulkurs
in kreativem Schreiben.
Wolfenbüttel und die Folgen
Seit einigen Jahren werden an der Bundesakademie
für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel
Seminare für angehende SF-Schriftsteller
angeboten. Neben ambitionierten »Laien«
nehmen daran auch Autoren teil, die
schon sehr gut schreiben können,
die aber von dem Gedankenaustausch profitieren
wollen: Die PERRY RHODAN-»Dauergastautoren«
Andreas Findig und Leo Lukas besuchten
schon Seminare in Wolfenbüttel,
junge und erfolgversprechende Schriftsteller
wie Andreas Gruber, Frank Borsch und
Bernd Frenz waren ebenfalls zugegen.
In Wolfenbüttel referieren meist
bekannte SF-Autoren wie Andreas Eschbach,
Robert Feldhoff und Uwe Anton, ergänzt
durch mich – allerdings sind die
teilnehmenden Autorinnen und Autoren
als Mit-Kritiker und Diskussionspartner
ebenso wichtig. Die allgemeine Diskussion
ist befruchtend; bisher fuhr jeder Seminarteilnehmer
mit einigen neuen Erfahrungen und Erkenntnissen
nach Hause. Die Seminarleiter und Dozenten
übrigens auch ...
Wolfenbüttel kann nur ein Anfang
sein. Im Prinzip fehlt es an solchen
Einrichtungen an allen Ecken und Enden.
Schreibschulen für angehende SF-Autoren
werden die Misere der deutschsprachigen
Science Fiction sicher nicht sofort
beheben können – schließlich
sind die bisherigen Profis auch ohne
solche Schulen zu erfolgreichen Schriftstellern
geworden –, sie können aber
einen Teil der Misere mildern. Und das
wäre nicht das schlechteste, wie
ich finde ...
Klaus N. Frick
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Einige Tips für angehende Autoren
– Teil 11
Vorspann:
In verschiedenen Folgen dieser Serie habe
ich über einzelne Wörter geschrieben,
aber auch mal über ganze Texte. Den
»Zwischenbereich« habe ich
fast schamhaft ausgeklammert. Sätze
braucht man nämlich in der Tat, um
eine Kurzgeschichte oder einen Roman zu
schreiben –und häufig scheitern
angehende Autoren genau an der Hürde,
aus vielen gut gelungenen Worten gut zu
lesende Sätze zu machen, die dann
wiederum einen flotten Roman oder eine
schöne Geschichte ergeben ... Diesmal
nur zwei Beispiele, denen man Dutzende
weiterer hinzufügen könnte.
Lauftext:
Sätze sollen Informationen vermitteln
und möglichst auch unterhalten. Kurz
und knapp sollen sie mal sein, mal lang
und ausführlich; das alles unter
einen Hut zu bringen, ist gar nicht so
einfach. Vielleicht sei deshalb eine Faustformel
vorgeschickt: Da die meisten Menschen
erstaunlich gut sprechen, also tatsächlich
ein Gefühl für gutes Deutsch
haben, empfiehlt es sich für Autoren,
sich ihre Sätze einfach einmal laut
vorzulesen. Ganz schnell wird man in einem
solchen Fall feststellen, wo der Satz
verschraubt oder langweilig, kompliziert
oder einfach nur schlecht klingt.
Und dann sollte man daran gehen, den Satz
besser zu gestalten. Das ist übrigens
zu schaffen ... Man muss eben einige Regeln
beachten und sich vor allem immer vergegenwärtigen,
dass man ja den Leser erreichen will und
nicht sich selbst. Die
richtige Satzlänge
Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen
glauben viele Autoren, einen besonders
guten Stil zu benutzen, wenn sie möglichst
lange Sätze formulieren. Das ist
ein Irrtum. Häufig sind lange Sätze,
vor allem, wenn sie zahlreiche Informationen
auf einmal transportieren wollen, eher
hinderlich. Sie machen eine gute Geschichte
manchmal sogar kaputt, zerstören
jeglichen Rhythmus und verhindern Spannung.
Wer das nicht glaubt, schaue sich Kurzgeschichten
von Autoren an, die zu recht gelobt wurden:
Hemingway in der allgemeinen Literatur
oder Bradbury in der Science Fiction.
Die Sätze dieser Autoren sind kurz
und prägnant, beschränken sich
auf das nötigste, und trotzdem hat
der Leser stets das Gefühl mitten
in der Geschichte zu sein.
Natürlich bestehen Unterschiede zwischen
einem Roman, der gerne in die Breite –
und auch in die Länge - gehen darf,
und einer Kurzgeschichte, bei der es nun
einmal auf prägnante Aussagen ankommt.
Trotzdem sind kurze Sätze verständlicher,
treiben die Handlung voran. Wobei aufzählende
Sätze wie in dem vorherigen Satz
dies ebenso tun können: Da aber funktionieren
die Teilsätze zwischen den Kommas
wie einzelne Sätze, die sich gewissermaßen
jagen und so auf ihre eigene Weise eine
Spannung aufbauen.
Das ist jetzt keine eiserne Regel. Kurze
Sätze können ebenso schlecht
sein, lange Sätze können eine
brillante Wirkung erzeugen. Wer aber eine
spannende Handlung erzählen will,
soll sich überlegen, wie er sie vorantreibt,
und in einem solchen Fall ist ein kurzer
Satz stets einem langen vorzuziehen. Knappe
Informationsvermittlung erhöht meist
die Spannung und hält die Leser bei
der Stange. Die Kollegen bei der BILD-Zeitung,
deren politisch-inhaltliche Ausrichtung
man nun wirklich nicht zu schätzen
braucht, exerzieren das Tag für Tag
vor. Es sind beileibe nicht nur die »dummen
Leute«, die diese Zeitung und andere
Boulevardblätter lesen, sondern auch
und vor allem Menschen, die sich kurz
und knapp informieren wollen.
Am sinnvollsten ist übrigens eine
gute Mischung, die für einen gewissen
Sprachrhythmus sorgt: Auf zwei, drei kurze
Sätze kann hier beispielsweise ein
langer Satz folgen. Dann wird der Leser
nicht eingelullt, sondern durch den Stil
des Autors ebenso überrascht wie
durch die Geschehnisse. Wobei das, was
erzählt wird, natürlich ebenso
die Satzlänge beeinflusst: Action
zeichnet sich durch kurze Sätze oder
aufzählende Sätze aus, welche
die Geschwindigkeit beim Lesen erhöhen,
während es bei Beschreibungen durchaus
ein bisschen behäbiger beim Lesetempo
und damit auch bei der Satzlänge
zugehen kann. Substantivistischer
Stil »Die Analyse
der Arbeitslosenstatistik führte
zur Erkenntnis einer rapiden Zunahme.«
Solche und noch viel schlimmere Sätze
lassen sich in Tageszeitungen lesen und
in den Fernsehnachrichten hören.
Kein Wunder, dass die meisten Menschen
hierzulande gerade komplizierte Zusammenhänge
schnell vergessen. Der substantivistische
Stil, bei dem ein Hauptwort an das andere
gereiht wird, ist leider nicht nur bei
Beamten und deren Verlautbarungen beliebt,
sondern auch bei Journalisten und Autoren.
Dabei nützen diese Konstruktionen
niemandem. Dem Leser nicht, weil er sie
nicht versteht, dem Autor aber auch nicht,
weil er sich viel zu viel Mühe macht.
Dabei wäre es doch viel klüger,
einfach mal darüber nachzudenken,
wie man die komplexe Aussage denn dem
»normalen Menschen« erklären
würde. Auch hier seien die Kollegen
von der BILD-Zeitung für ihren Stil
gerühmt: Solche Sätze wie das
oben genannte Beispiel finden sich in
ihren Texten nicht. Aus Platz- und Zeitgründen
wird hier knapp und gut geschrieben.
Der oben genannte Satz lässt sich
im wesentlichen auf die Aussage »Es
gab mehr Arbeitslose« zusammen fassen.
Wer unbedingt die Statistik im Satz haben
möchte, muss anders formulieren:
»Nach der jüngsten Statistik
hat die Zahl der Arbeitslosen zugenommen.«
Das ist nicht unbedingt eine geschickte
Formulierung, sagt aber klarer, was gemeint
ist.
Substantivistische Formulierungen dienen
häufig dazu, Sachverhalte zu verschleiern,
unangenehme Dinge gewissermaßen
hinter einem Wust umständlicher Sätze
zu verstecken. Kein Wunder, dass sie gerne
von Behörden und Politikern benutzt
werden. Wer als Autor seine Leser unterhalten
möchte, muss auf solche Formulierungen
verzichten: Er will nicht nur verstanden
werden, er will schließlich auch,
dass seine Leser den Text zu Ende lesen
und – wenn möglich –
auch den darauf folgenden lesen möchten.
Klaus N. Frick
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Einige Tips für angehende Autoren
– Teil 12
Vorspann:
Über Jahre hinweg lief in der
SOL die Serie »Tipps für angehende
Autoren« – anfangs mit einem
»p«, mittlerweile im Zuge
der Rechtschreibreform mit zweien. Dies
hier ist die letzte Folge. Verwiesen sei
noch einmal auf Fachliteratur wie »Deutsch
für Profis«, das jedem ange-henden
Autor nur als Grundlagenlektüre empfohlen
werden kann. Darüber hinaus gibt
es zahlreiche weitere Bücher, die
Hilfestellungen fürs Schreiben vermitteln.
Letztlich muss jeder selbst herausfinden,
welches Buch für ihn »taugt«,
weshalb ich auf eine ausführliche
Titelliste verzichte. Lauftext:
Die letzte Folge soll deshalb etwas amüsanter
sein und einige »Take-outs«
präsentieren, Textstellen, die in
den veröffentlichten PERRY RHODAN-Romanen
deshalb nicht auftauchten, weil sie von
mir gestrichen oder verändert wurden.
Wenn ich jetzt diese Textstellen auflisten,
soll das zeigen, dass auch Profi-Autoren,
die seit Jahren vom Schreiben leben, immer
noch Fehler begehen. Fehler zu machen
ist schließlich keine Schande!
Gut wiederholt
Gerne geschieht auch professionellen Autoren
das, was jedem Anfänger unter die
Nase gerieben wird – die Wortwiederholung
nämlich. Selten geschieht es so hübsch
wie in diesem Beispiel von Susan Schwartz:
»Hoffentlich geht alles gut«,
wiederholte die Xenopsychologin zum wiederholten
Mal.
Wobei das folgende Beispiel von Uwe Anton
aus Band 2069 ebenfalls sehr hübsch
ist:
Offensichtlich stand dem Sinn der Sinn
nach Smalltalk.
Anzunehmen ist, dass er den Extrasinn
Atlans meint, also dessen Logiksektor.
Wobei die Formulierung in der hier stehenden
Form nicht ohne Reiz ist ...
Pathetisch gesprochen
Mancher Autor greift gelegentlich zu stilistischen
Hilfsmitteln, die zwar gut gemeint sind,
beim laut Vorlesen allerdings nicht so
richtig gut klingen. Ein schönes
Beispiel stammt aus dem Roman 1904 von
Arndt Ellmer:
Ihre Worte klangen wie Orakel aus den
Tiefen des Universums.
Großartiger ist das folgende Beispiel
von Uwe Anton aus Band 2035:
Das Entsetzen zerrte mit allgegenwärtigen
Tentakeln an mir, schien mich in alle
Richtungen zugleich reißen zu wollen,
bis ich unter seinem Ansturm zerfetzt
wurde. Holpernde Bilder
Ich will jetzt keine Autoren nennen, sondern
überlasse die Auswahl der folgenden
Beispiele der Fantasie der Leser:
... genoß es, daß sich das
Gesicht seines neuen Freundes mehr und
mehr in ein Fragezeichen verwandelte.
Und wir fragen uns, ob das derart verzerrte
Gesicht dann nicht ein Fall für den
Chirurgen wird ... Ein Fall für den
Chirurgen ist sicher der nächste
Fall, wo mir die Augen schon beim Lesen
wehtun.
Ihre Augen klebten wie gebannt am Holo.
Gemeint ist natürlich nicht, daß
die Augen an einem Stiel aus dem Gesicht
wachsen und sich in das Hologramm bohren
... Wobei der nächste Vergleich auch
nicht schlecht ist:
Die Stadt ähnelte einem Moloch, einer
gewaltigen Kröte, die sich zum Sprung
duckte. Gleichzeitig wirkte sie aber auch
wie eine etwas zu groß geratene
Ausgabe einer kurvenreichen und üppigen
Menschenfrau, die es sich auf ihrem Sofa
bequem gemacht hatte. Terranische
Technik
PERRY RHODAN-Autoren haben gelegentlich
ihre Probleme mit dem technischen Inventar
der Serie. Das gibt immer wieder Anlass
für amüsante »Ausrutscher«.
Beispielsweise im folgenden Beispiel:
Rhodan holte ein Holo aus seiner Tasche
und hielt es ihm vor die Augen.
Leider verzichtet unser Held im folgenden
Satz darauf, das Gegenüber zu fragen:
»Kennen Sie diesen Verdächtigen?«
Aber Perry ist immer wieder gut dabei,
sich um seine Ausrüstung zu kümmern:
Perry Rhodan rieb sich die Schläfen,
das heißt, er massierte völlig
nutzlos die Helmscheibe des Schutzanzugs.
Großartige Übertreibung
Für knallige Sätze ist immer
wieder Robert Feldhoff gut. In seinem
PERRY RHODAN-Roman 1965 schrieb er folgenden
Satz, den ich »leicht« verändern
musste:
Die Botschafterin von Camelot, Gret Zafkahar,
war eine dickbusige Blondine mit dem Gesichtsausdruck
einer ejakulierenden Heuschrecke.
Gelegentlich bedient er sich bei der Weltliteratur,
in diesem Fall beim »Kleinen Arschloch«
von Walter Moers. Wobei ich mir sicher
bin, dass Robert solche Stellen deshalb
in die Romane hineinschreibt, damit ich
auch was zum Lachen habe – das Zitat
ist aus dem ansonsten nicht so lustigen
Band 1867: »Es hat keinen Sinn,
Alaska«, lamentierte die Haut. »Wir
werden es niemals schaffen.« –
»Sei still«, schalt er sie.
»das männliche Glied ist der
Mercedes unter den Geschlechtsteilen.«
– »Alaska, ich habe Hunger.«
Fazit
Fehler machen alle, die Geschmäcker
sind verschieden, und letztlich wollen
alle nur möglichst gute Romane bieten.
Dass dies nicht immer klappen kann, weiß
jeder, der selbst schreibt und sein Werk
einigermaßen selbstkritisch betrachtet
...
Klaus N. Frick |
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