Geschichten
Das Geheimnis ... 2004 lesen
Othello 2020 2000 lesen
Immer Ärger mit dem Tod 1998 lesen
Die Invasion der Mimi Kri 1998 lesen
Unser Biomat 2001 lesen
Der Spiegelmann 1999 lesen

Im Jahr der Jugend

1998 lesen

 


Das Geheimnis der unentschlossenen Treppe

Ich schloss die Kellertür auf und sah, dass die knorrigen, alten Stufen der Treppe nach oben führten, anstatt in die Tiefe. Das war besonders seltsam, da dieses Haus keine erste Etage hatte und dort oben eigentlich nichts sein konnte. Doch diese Treppe war da und sie führte zweifelsohne aufwärts.

Verlassene Gebäude hatten stets etwas Beängstigendes an sich, aber in diesem Haus, das im Osten, in einem der verdorbenen Stadtteile von London lag, war es besonders schlimm. Ich war zwar nur ein einfacher Streifenpolizist vom Hafenrevier und wenn ich auch im Moment, da der Ripper im Hurenviertel sein Unwesen trieb, eine gewisse Unruhe nicht leugnen konnte, war ich doch ganz gewiss kein furchtsamer Mensch. Den ganzen Tag über hatte ich zu Fuß dutzende von Lagerhallen und leer stehenden Gebäuden kontrolliert, ohne auch nur die geringste Furcht verspürt zu haben, doch kaum hatte ich dieses Haus mit seinen vernagelten Fenstern gesehen, hämmerte die Angst in meiner Brust. Als hätte ich seit dem ersten Blick geahnt, dass etwas mit diesem Gebäude nicht stimmte und die Treppe vor mir, die eigentlich nicht existieren konnte, bestätigte meine Ahnung nur zu sehr.

Ich hob meine Petroleumlampe und leuchtete die Stufen hinauf. Im flackernden Schein konnte ich eine Tür erkennen.

„Hallo? Ist dort jemand?“, rief ich, und der Klang meiner Stimme übertönte für einen Augenblick das leise Wispern, das sich mit den Jahren in jedes alte Haus einschlich. Niemand antwortete mir.

Ich ging langsam die knarrenden Stufen hinauf. Die hölzerne Tür am Ende der Treppe war nur angelehnt, ich stieß sie auf und trat ein ...

Die komplette Geschichte können Sie demnächst in der Anthologie "Walfred Goreng" von Armin Rößler & Dieter Schmitt lesen.

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Othello 2020

Splitterfasernackt stand ich in einer langen Reihe von Wartenden und versuchte mit meiner Laufkarte, die man mir an der Anmeldung ausgehändigt hatte, meine Blöße zu bedecken, doch entweder war die Laufkarte zu klein oder meine Blöße groß, denn die Blicke, die mir einige Frauen und ein Mann zuwarfen, waren alles andere als zufällig. Selbst die Fotos der Filmschauspieler an den weiß getünchten Wänden schienen nur auf mein bestes Stück zu starren.
Seit fünfzehn Jahren war ich am Theater, und ich hatte durchaus schon die eine oder andere Nacktszene gespielt und auch wenn sich diese nur auf meinen bloßen Oberkörper beschränkt hatten, war ich doch keineswegs prüde. Hätte ich allerdings geahnt, wie sich das Filmcasting entwickeln würde, hätte ich unter keinen Umständen dem Drängen meines Agenten nachgegeben und wäre hier erschienen. Jo Klein, das war der Name meines Agenten, hatte mit Sicherheit gewusst, wie freizügig man hier mit dem Begriff Intimsphäre umging, doch anstatt mich vorzuwarnen, hatte er mir erklärt, dass es sich um ein ganz gewöhnliches Casting für einen neuen Film handeln würde. Als ich nun inmitten unzähliger, extrem leicht bekleideter Menschen stand, wurde mir plötzlich bewusst, dass ich überhaupt nicht gefragt hatte, für welche Art Film ich denn nun vorsprechen sollte. Jo konnte nur hoffen, dass er mir in der nächsten Zeit nicht über den Weg lief, andernfalls hätte Hollywood einen Theateragenten weniger.
Ich spürte, wie mir jemand auf die Schulter tippte. »Träumen Sie?«
Als ich mich umschaute, sah ich einen älteren Herrn, nur bekleidet mit einem gewaltigen Schmierbauch und einer angelaufenen Nickelbrille. Ärgerlich schwenkte er seine Laufkarte und deutete auf die Schlange vor mir, die bereits einige Meter weiter gewandert war. Ich beeilte mich, tippelnd (mehr ließ die Größe der Laufkarte nicht zu) den Anschluss wiederzufinden...

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Immer Ärger mit dem Tod


»Ich bin tot«, sagte der Mann.
Während sich mein Kugelschreiber mit der präzisen, in den letzten fünfzehn Jahren beim städtischen Arbeitsamt erworbenen Routine über das Blatt Papier bewegte, drangen die Worte in mein Bewußtsein.
Ich blickte von meinen Unterlagen auf und starrte den Mann an, der sich vor meinem Schreibtisch auf einem Stuhl niedergelassen hatte.
»Wie bitte?«
»Ich sagte, ich bin tot«, wiederholte die bleiche, in verdreckten Kleidern gehüllte Gestalt.
Ich spürte, wie mein Magen zu rumoren begann, das tat er immer, wenn ich mich aufregte. Nicht daß ich keinen Humor besaß, es kam durchaus vor, daß ich lachte - nur nicht in den Geschäftszeiten des Arbeitsamtes.
»Wollen Sie mich ...«
»Ich weiß, daß es unglaublich klingt«, unterbrach der Mann mich, »aber Sie können mir glauben. Ich bin vor fast sechs Monaten gestorben, und ich suche seitdem jemanden, der mir helfen kann.« Er blickte mich weinerlich an. »Sie sind meine letzte Hoffnung, mein Leben kann so nicht weitergehen
...

Hintergrund:
„Immer Ärger mit dem Tod“ habe ich dreimal komplett umgeschrieben, bis ich mit ihr zufrieden war. Doch die Arbeit hat sich gelohnt: Ich erhielt nach ihrer Veröffentlichung viele positive Kritiken. Außerdem wurde sie für den Literaturpreis des Science Fiction Club Deutschlands nominiert.

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Die Invasion der Mimi Kri

Als der Radfahrer an der Weide vorbeifuhr, hörten alle Kühe gleichzeitig auf zu grasen und schauten ihm nach. Die Augen einer Kuh klappten nach hinten weg und zwei winzige, lilahäutige Wesen schauten heraus.
"Wie primitiv diese Erdenbewohner doch sind", sagte eines der Wesen und das andere erwiderte: "Schau dir nur dieses ineffiziente Fortbewegungsmittel an. Diese Kreaturen verdienen nichts anderes, als ihre Auslöschung."
"Es ist mir ein Rätsel, wie die Natur so etwas Unvollkommenes erschaffen konnte."
Die beiden Wesen traten zurück und die zu Luken umfunktionierten Augen schlossen sich wieder ...

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Unser Biomat

Meine Frau schichtete die eckigen Tomaten auf der Küchenablage zu einer kleinen Mauer auf, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Nur ihre kalte Schulter schaute mich wütend an.
Ich seufzte innerlich. Wieso musste meine Frau nur ständig so dickköpfig sein?
„Bitte, Lisa, sei doch vernünftig. Du weißt, wie lange sich unsere Tochter schon einen Liger wünscht.“
Meine Frau drehte sich ruckartig zu mir herum. „Und wie lange wünsche ich mir schon einen Haushaltsroboter? Die ganze Zeit über stehe ich am Herd und koche für euch. Glaubst du nicht, dass ich auch mal etwas Zeit für mich nötig hätte?“
Die ganze Zeit ist vielleicht etwas übertrieben, dachte ich. Das meiste Essen kam vorgekocht aus den selbsterhitzenden Alupackungen und um das zuzubereiten, brauchte sie nun wirklich keinen Haushaltsroboter. Außerdem war so ein Roboter unverschämt teuer…

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Der Spiegelmann

"Zwei Millionen Euro?" Diese Summe verschlug mir für einen Moment die Sprache. Ich hatte zwar mit einer übertriebenen Schmerzensgeldforderung gerechnet, doch nicht in dieser Größenordnung.
Um dieser Summe gerecht zu werden, hätte meine Beam-Box ihren Passagier schon zu Hackfleisch verarbeiten müssen, doch der kahlköpfige Mann, der in seinem beigen Cordanzug vor mir saß und mich unentwegt mit seinen Blicken beschimpfte, schien vollkommen unversehrt. Keinen Gips, keinen Verband, ja nicht einmal einen Kratzer konnte ich an seiner Gestalt entdecken, die so mager war, als bestünde seine Tagesration an Lebensmitteln nur aus zwei Vitamintabletten. Ich konnte mich des Verdachts nicht erwehren, als ob Philip Brandt, so hieß der Mann, auf diese plumpe Art nur versuchte, an mein Geld zu kommen. Normalerweise hätte ich nicht einmal diesem Schlichtungsgespräch zugestimmt, doch ausgerechnet jetzt stand der erste Börsengang meiner Firma an und da konnte ich mir keine negativen Schlagzeilen leisten... was aber nicht bedeutete, daß ich bereit war, diese horrende Summe zu bezahlen. Das sagte ich ihm auch.
Brandt schaute mich an, als würde er mich für alle Probleme in seinem Leben verantwortlich machen. Er schwieg - er hatte die ganze Zeit, seit er mein Büro betreten hatte geschwiegen. Auf dem Stuhl neben ihm, gekleidet in einem teuren, maßgeschneiderten Anzug, saß ein Advokat-Droide. Sein chromglänzendes Gesicht war unbeweglich als er sprach: "Zwei Millionen Euro sind eine angemessene Entschädigung für die seelischen und körperlichen Schäden, die mein Mandant durch Ihr Transportsystem davongetragen hat."
Ich schnappte nach Luft.
"Herrgott, welche Schäden denn? Laut den medizinischen Gutachten zweier unabhängiger Spezialisten ist Ihr Klient kerngesund; abgesehen von einer leichten Erhöhung des Cholesterinspiegels, aber das können Sie ja wohl kaum meiner Beam-Box anlasten."...

Hintergrund: Die Geschichte „Der Spiegelmann“ schreib ich für das Onlinemagazin SF-Fan.de

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Im Jahr der Jugend

Der Sandsturm tauchte wie aus dem Nichts vor dem Atmosphärengleiter auf und wirbelte das Beiboot hin und her. Der feine Sand setzte sich in den Ansaugöffnungen der Triebwerke fest und überhitzte den Antrieb.
Val Gordan verfluchte das unberechenbare Klima dieses Planeten und seinen Leichtsinn.
Er versuchte den Gleiter wieder unter seiner Kontrolle zu bekommen. Der Antrieb stotterte. Die automatischen Systeme des Gleiters sendeten ununterbrochen einen Notruf, doch in der aufgewühlten Atmosphäre würde ihn das Mutterschiff nicht empfangen können. Die überhitzten Triebwerke fingen Feuer, und ein Kurzschluß legte die gesamte Elektronik lahm. Der Antrieb setzte aus. Wie ein Stein stürzte der Gleiter in die Tiefe. Aus einer Kunststoffverkleidung schlugen Flammen, und die Kabine füllte sich mit beizendem Rauch. Dann hatte der Gleiter die Sturmfront durchbrochen. Durch das Cockpitfenster sah Gordan den Boden auf sich zukommen.
Der Gleiter schlug in einem flachen Winkel auf dem Wüstenboden auf, wurde wieder hochgeworfen und bohrte sich dann in einen Sandhügel. Eine Fontäne aus Sand, Steine und den Trümmern des Beibootes wirbelte durch die Luft. Gordan wurde schmerzhaft in den Sicherheitsgurt gedrückt. Ein Bildschirm implodierte mit einem dumpfen Knall. Dann kam der Gleiter zur Ruhe...

Hintergrund: „Im Jahr der Jugend“ und „Der süsse Klang des Geldes“ schrieb ich als Beitrag für den Trinity Storywettbewerb. Beide Geschichten kamen dabei in die Endrunde. „Im Jahr der Jugend“ belegte den 6. und „Der süsse Klang des Geldes“ den 11. Platz von insgesamt 72 Einsendungen.

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